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Sanfte Landung in Frankfurt: XXL-Mann Gregor Amann arbeitet heute am Airport

Von Wenn Gregor Amann (SPD) am 24. September den Bundestag wählt, ist er einer von Millionen ganz normalen Wählern. Dabei gehörte er von 2005 bis 2009 selbst dem Parlament in Berlin an. Seit sieben Jahren arbeitet er wieder wie zuvor als Angestellter bei der Lufthansa.
Auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz am Frankfurter Flughafen: Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und jetzige Stadtverordnete Gregor Amann in seiner Dienstkleidung als Lufthanseat. Bilder > Foto: Salome Roessler Auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz am Frankfurter Flughafen: Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und jetzige Stadtverordnete Gregor Amann in seiner Dienstkleidung als Lufthanseat.
Frankfurt. 

Gregor Amanns Dienst-Sakko hat Größe 68. Das ist in etwa die Kragenweite des Einheitskanzlers Helmut Kohl (CDU). Als „XXL-Mann“, so sein Wahl-Slogan, sorgte Amann bei der Bundestagswahl 2005 für Furore im Frankfurter Westen. Mit 39,8 Prozent der Erststimmen wurde er direkt gewählter Abgeordneter. Nach dem für die SPD desaströsen Wahlergebnis von 2009 verlor Amann sein Bundestagsmandat aber wieder; auch weil er entgegen aller Gepflogenheiten als amtierender Bundestagsabgeordneter nicht über die Landesliste abgesichert war.

„Ich wäre in der zweiten Legislaturperiode ein besserer Abgeordneter gewesen“, sagt Amann heute. Die erste Amtszeit sei die Lehrzeit, in der man sich alles selber beibringen und Kontakte aufbauen müsse. Dass ihm die SPD durch den schlechten Platz auf der Landesliste das Gesellenstück verweigerte, nimmt er der Partei nicht übel, einzelnen Genossen aber schon. Ein erneuter Versuch, 2013 in das Berliner Parlament zurückzukehren, scheiterte abermals.

Am 24. September kandidiert nun Oliver Strank für die SPD in Amanns ehemaligen Wahlkreis. Amann engagiert sich nach wie vor ehrenamtlich in der Partei. Er ist seit 2012 Vorsitzender des Ortsvereins Bahnhof/Gutleut, klebt aber nicht an dem Posten: „Wenn sich ein Jüngerer findet, werde ich es gerne abgeben“, sagt er. Seit 2011 ist er wieder Stadtverordneter.

Zurück aus Berlin – war die Landung am Ticketschalter der Lufthansa hart? „Der Weg vom Flughafen nach Berlin war schwieriger als umgekehrt“, sagt Amann. Der 54-Jährige kümmert sich als Angestellter bei der Lufthansa um die Gestrandeten am Flughafen. Er betreut die Fluggäste, die – aus welchen Gründen auch immer – ihre Maschine verpasst haben. Ein schwieriges, weil per se unzufriedenes Publikum.

Amann, der sanfte Drei-Zentner-Mann, ist zufrieden, wenn es ihm gelingt, die Enttäuschten zu beruhigen. Die Eingewöhnung in den alten Job ist ihm rasch gelungen: „Ich wurde wieder angelernt.“ Dazu kam altvertraute Routine: „Meine Finger haben auf der Tastatur von alleine den Weg gefunden, wenn ein Kunde ein Ticket nach New York wollte.“

Interessant findet er im Rückblick die Reaktion seiner Vorgesetzten auf den Rückkehrer aus dem Bundestag: Die einen fassten ihn mit Handschuhen an, weil sie wussten, Amann kennt die Kanzlerin, die anderen behandelten ihn extra hart nach dem Motto: Der soll nicht denken, er sei etwas Besseres. „Normal war keiner“, sagt Amann. Aber das habe sich längst eingespielt. Neu hinzu gekommene Kollegen wüssten gar nicht, dass er im Bundestag gewesen sei.

Heute mehr Freizeit

Am Aufgehen in der Masse der Frankfurter Angestellten schätzt Amann auch, dass er viel mehr Freizeit habe als damals als Berufspolitiker. „Politik macht viel Arbeit“, sagt er. Habe man am Wochenende frei, sitze man bei einem Verein und höre dem Kinderchor zu. „Ich habe viele Termine im Wahlkreis gemacht“, sagt er. „Im Bahnhofsviertel gibt es kein Haus, das ich nicht schon einmal betreten habe.“

Er hat es als Abgeordneter unter anderem auch genossen, an Entscheidungen beteiligt gewesen zu sein, von denen andere erst viel später erfuhren. Das Gerede von abgehobenen Bundespolitikern will er indes nicht gelten lassen: „Die meisten Politiker sind sehr gut informiert und haben viele Kontakte.“ Nur seien manchmal die Dinge eben komplexer, als es sich der Bürger gemeinhin so vorstelle.

Amann stimmte im Bundestag für die Rente mit 67 Jahren, gehörte aber zu den wenigen in der SPD-Fraktion, die Auslandseinsätze der Bundeswehr konsequent ablehnten. Nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag trennte er sich nach sieben Jahren Ehe von seiner Frau Mercedes, einer Karibin aus der Dominikanischen Republik. Doch er betont: „Der Bundestag hat meine Ehe nicht zerstört.“ Zur 23 Jahre jüngeren Ex-Frau pflegt er freundschaftlichen Kontakt.

„Typische Nachteule“

Finanziell musste Amann nach dem Ausscheiden Abstriche machen. Sein Auto hat er verkauft, nutzt nur noch öffentliche Verkehrsmittel. Zeitungsabos hat er ebenso gekündigt wie Vereinsmitgliedschaften. Statt früher Nachtschichten in Berlin erwarten Amann jetzt Frühschichten am Flughafen. Die erste Schicht beginnt um 5.30 Uhr, die letzte endet um 23.50 Uhr – oder wenn der letzte Flieger raus- oder reinkommt. Dieser ist ihm, einer „typischen Nachteule“, der liebste Dienst.

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