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Gutachten zur Wildschweinplage liegt vor: Zaun löst die Probleme nicht

Von Ein Gutachten zur Wildschweinplage in Schwanheim und Goldstein bescheinigt der Stadt, dass sie die richtigen Mittel einsetzt, um die Situation im Griff zu behalten. Ein Zaun ist aus Sicht der Experten vom Institut für Tierökologie und Naturbildung keine Lösung.
<span></span> Bilder > Foto: Horst Ossinger (dpa)
Frankfurt. 

Niemand hat die Absicht, einen Zaun zu bauen. Nicht einmal mehr Michael Wanka. Dabei war es der Sozialdemokrat selbst, der vor zehn Jahren genau das vorgeschlagen hatte, um der Wildschweinplage in Schwanheim und Goldstein Herr zu werden. Nun steht fest: Ein Zaun ist auch keine Lösung. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten, welches das Grünflächenamt zur Schweine-Problematik beim Institut für Tierökologie und Naturbildung in Gonterskirchen (Landkreis Gießen) in Auftrag gegeben hatte. „Eine Einzäunung wäre, bemessen an der derzeitigen Situation, überdimensioniert“, fasst Stadtforst-Chefin Tina Baumann zusammen.

Mehr noch: „Wildschweine sind intelligent, sie finden die Schlupflöcher.“ Und davon gebe es genug bei einem Zaun von drei Kilometern Länge mit etwa 20 integrierten Toren, durchbrochen von der Schwanheimer Bahnstraße, „die man nie ganz dicht bekommen“ werde, so Baumann. Ein Zaun wäre auch deshalb problematisch, weil er den Tieren den Fluchtweg zurück in den Wald versperrte, wenn sie erst einmal auf der anderen Seite wären. „Ich will nicht wissen, was passiert, wenn sich ein Wildschwein dann etwa von einem Hund bedroht fühlt. Tiere wehren sich, wenn sie in Panik geraten“, warnt Baumann.

Friedliebende Tiere

Grundsätzlich aber, das betont die Försterin, seien Wildschweine friedliebende Tiere. Selbst wenn sie auf der Suche nach Leckerbissen schon so manchen Garten verwüstet haben – gefährlich sind die Schwarzkittel nicht. Und in Frankfurt am Main seien sie – zu diesem Schluss kommen die Gutachter – auch gar kein so großes Problem. Andere Städte wie etwa Berlin, wo die Wildschweine sich auch tagsüber ganz ungeniert in den Wohnvierteln tummelten, hätten da viel mehr zu kämpfen.

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Kommentar: Jetzt ist die Jagdbehörde am Drücker

Es ist gut, dass es in Deutschland strenge Waffengesetze gibt. Aber die Vorschriften zur nächtlichen Wildschweinjagd in Wohngebieten sind nicht streng, sie sind absurd.

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In Frankfurt kommen die Rotkittel bislang nur im Schwanheimer und Goldsteiner Teil des Stadtwaldes vor, der eine Fläche von 1400 Hektar umfasst. Autobahnen, Bundesstraßen und Bahntrassen verhindern, dass sich die Tiere auch im restlichen, insgesamt 6000 Hektar großen Stadtforst ausbreiten. Hierin liegt aber auch ein Teil des Problems: Die Tiere können weder nach Westen noch nach Süden oder Osten – wohl aber nach Norden. Und da wohnen die Schwanheimer und Goldsteiner mit ihren saftig grünen Rasenflächen, in denen die Wildschweine nur allzu gerne nach Regenwürmern und Larven wühlen. „Es gibt aber auch Bürger, die Wildschweine aus falsch verstandener Tierliebe füttern“, berichtet Baumann von Kartoffeln und Brotresten, die manch einer auf den Grünflächen verteile. „Die Wildschweine merken sich das und kommen immer wieder“, mahnt die Försterin, das Füttern zu unterlassen.

An Menschen gewöhnt

Angst vor den Menschen haben die Tiere schon lange nicht mehr. „Sie haben sich an uns gewöhnt.“ Und weil die Zeiten gut sind für Wildschweine – dank des Klimawandels gibt es reichlich Futter und die Jungen schaffen es unbeschadet über den Winter – vermehren sich die Paarhufer rasant. Das ist nicht nur in Frankfurt ein Problem, sondern bundesweit. In der Mainmetropole macht das Grünflächenamt seit Jahren gezielt Jagd: Im Jahr 2008 etwa, als die Zahl der Tiere rapide anstieg, schossen Jäger im Schwanheimer und Goldsteiner Wald 521 Tiere. „Seitdem halten wir die Jagd auf sehr hohem Niveau“, erklärt Baumann.

Und so sind die Wildschweine während ihrer nächtlichen Streifzüge durch die Siedlungen ihres Lebens nicht sicher. Dort liegen nachts regelmäßig die Stadtjäger auf der Lauer. Kommt ihnen ein „Sus scrofa“, so der wissenschaftliche Name, vor die Flinte, können sie laut Baumann in neun von zehn Fällen nicht abdrücken, weil das Gebiet zu dicht besiedelt und die Sicht schlecht ist. Pro Jahr werden deshalb nur zehn bis zwanzig Tiere erlegt.

Damit die Stadtjäger ihre Aufgabe besser erfüllen können, verhandelt die Stadt aktuell mit den Jagdbehörden über den Einsatz künstlicher Lichtquellen und Nachtzielgeräte. Die drei großen Fraktionen im zuständigen Ortsbeirat 6 (CDU, SPD und Grüne) unterstützen das Vorhaben. In Hessen ist der Einsatz solcher Geräte bei der Jagd bislang verboten. Eine Entscheidung steht laut Annette Zitzer, Sprecherin des Hessischen Umweltministeriums, unmittelbar bevor.

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