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Nordend-CDU besucht Grabelandgärtner aus dem Nordend: „Zerstört nicht unsere Idylle“

Wo idyllische Grabelandgärten liegen, soll im Nordend eine Wohnsiedlung entstehen. Weil die CDU-Fraktion im Stadtteil noch unschlüssig ist, ob sie sich für oder gegen das Projekt positionieren soll, statteten die Mitglieder den Gärtnern einen Besuch ab.
Hannsjörg Brecht fürchtet, dass er seinen geliebten Freizeitgarten verlassen muss. Bilder > Foto: Rainer Rüffer Hannsjörg Brecht fürchtet, dass er seinen geliebten Freizeitgarten verlassen muss.
Nordend. 

Zwischen der Friedberger Landstraße und der Dortelweiler Straße liegt ein Idyll, das in Frankfurt kaum jemand kennt. Von außen ist kaum ein Blick auf die zwölf Hektar fast unberührter Natur mitten in der Stadt zu erhaschen. Eine erfrischende Brise weht dort. Mit der könnte es aber bald vorbei sein. Die Stadt möchte den Gärtnern kündigen und auf der Fläche zwischen Friedberger und Dortelweiler ein sogenanntes „Innovationsquartier“ entstehen lassen. Mit den Einnahmen soll die geplante Einhausung der Autobahn A661 finanziert werden.

Peter Beckmann pflegt auf dem Gelände seit zwanzig Jahren einen kleinen Grabelandgarten. Seine Parzelle ist naturbelassen, so wie fast alle Gärten hier. „Jeder Pächter hier ist frei, seinen Garten so zu gestalten, wie er möchte. Das ist der Unterschied zwischen Kleingärten und unseren Grabelandgärten“, erklärt Beckmann. Wie alle anderen Pächter muss Beckmann sein Kleinod vielleicht schon bald räumen.

 

Viel Ablehnung

 

Alle Fraktionen im Ortsbeirat 3 (Nordend) mit Ausnahme der CDU haben bereits erklärt, was sie von den Plänen für das „Innovationsquartier“ halten – nämlich herzlich wenig. Die dem Wohnungsbau meist zugetane Unionsfraktion stattete den Grabelandgärtnern um Peter Beckmann gestern einen Besuch ab, um sich ebenfalls eine Meinung zu bilden.

Der Fraktionsvorsitzende Mirko Trutin brauchte dabei nicht lange, um Sympathien für die Gärtner zu entwickeln. Trutin zeigte sich wie seine Kollegen überrascht darüber, wie groß die Fläche zwischen Dortelweiler und Friedberger ist. „Finden hier Bauarbeiten statt, verwandelt sich das Areal wohl in die größte Frankfurter Baustelle der Nachkriegszeit“, stellte Trutin fest – ein Gedanke, mit dem er sich nur sehr schwer anfreunden kann.

Vor allem, weil das Areal mit den Grabelandgärten seit Jahrzehnten zu einem der ruhigsten Flecken in der ganzen Innenstadt gehört. Die dichte Bepflanzung schirmt den Verkehrslärm ab, nur ab und zu ist das Heulen einer Sirene zu hören. Auf Jahre hin würde die Ruhe in der Gegend durch Bauarbeiten gestört, sagt Gärtner Hannsjörg Brecht. Immobilieneigentümer, deren Haus sich in der Nähe befindet, könnten seiner Ansicht nach große Probleme bekommen, falls sie verkaufen möchten.

Letztlich würde sich die geplante Wohnbebauung allerdings auch drastisch auf ganz Frankfurt auswirken, macht Peter Beckmann klar: „Unsere Gärten liegen in der drittwichtigsten Frischluftschneise der Stadt. Wir können nicht nur über Wohnungen reden, wenn alte Menschen wegen einer Hitze wie in diesem Sommer umfallen. Was das Viertel mit Innovation zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht.“

Zahlreiche ältere Mitbürger wären direkt vom geplanten Bau des „Innovationsquartiers“ betroffen: „Viele Senioren pflegen hier einen Garten, einer unserer Nachbarn bereits seit 1928“, berichtet Peter Beckmann. Vielen der Senioren würde mit ihrem Grabelandgarten die letzte Freude genommen, die sie noch hätten. „Dann sitzen sie nur noch zu Hause rum und wissen nichts mehr mit sich anzufangen“, warnt Beckmann.

Für ihn selbst ist sein Garten seit 20 Jahren der „Lebensmittelpunkt“ – im Sommer wie im Winter. „Und das soll für den Rest meines Lebens so bleiben, auch wegen meiner Kinder, die wie viele anderen Stadtkinder kaum Möglichkeiten haben, mit der Natur in Berührung zu kommen.“

 

„Liebevoll gepflegt“

 

Aus Sicht von Mirko Trutin sind die „liebevoll gepflegten Gelände mit teilweise hohen und alten Bäumen gerade im dicht besiedelten Frankfurter Nordend schützenswert“. Er erkenne aber auch die Sorgen wohnungssuchender Menschen in Frankfurt an, ergänzt er und befürwortet „eine verträgliche Planung, bei der Einschnitte in ein solches Großstadtidyll mit den Menschen vor Ort im Stadtteil diskutiert werden.“

Aus Sicht seiner Fraktionskollegin Claudia Ehrhardt bieten sich andere Orte mit bereits versiegelten Grundstücken und direkt an Straßen gelegen an, auf denen stattdessen gebaut werden könnte.

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