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Piloten und Bodendienste demonstrieren gegeneinander: Zoff bei den Lufthanseaten

Von Demo und Gegendemo: Als die Piloten zur Unternehmenszentrale der Lufthansa zogen, mussten sie vorbei am Spalier wütender Mitarbeiter der Bodendienste. Polizisten trennten zum Schluss die beiden Gruppen vor der Lufthansa-Unternehmenszentrale.
Der Streik der Flugbegleiter wurde abgesagt. Foto: imago Der Streik der Flugbegleiter wurde abgesagt.
Frankfurt. 

„Was ist denn das für eine Demonstration?“, fragte Ralf Gratopp wütend. Der 53-jährige Kapitän meinte: „Diese Demo ist doch illegal. Der Betriebsrat darf doch nicht zu einer Demonstration in der Arbeitszeit aufrufen.“ Zumal, wenn sich die Gewerkschaft Verdi dagegen ausgesprochen habe.

Dennoch, Gratopp, Pilot einer MD 11 bei Lufthansa-Cargo, rührt an einen sensiblen Punkt. Was die einen dürfen, dürfen das die anderen auch? Gratopp streikt seit Tagen für mehr Geld. Die Forderung der Piloten: 22 Prozent mehr für die vergangenen fünf Jahre. Gestern war eine Demo der Piloten angekündigt, flankiert von einer Gegendemo der Bodendienste.

Stefanie Round hält das Schild hoch, mit dem sie gegen den Pilotenstreik demonstriert. Bild-Zoom Foto: Michael Faust
Stefanie Round hält das Schild hoch, mit dem sie gegen den Pilotenstreik demonstriert.

„Da wird die Unternehmensleitung wohl nichts dagegen haben“, vermutet Winfried Streicher (57), Kapitän und Jumbo-Pilot. „Dabei sollte die Belegschaft solidarisch sein.“ Dass die Piloten mit einer kleinen Spezialgewerkschaft ihre eigenen Interessen durchsetzen, sieht Streicher dabei nicht als unsolidarisch: „Es ist nicht so, dass wir gegen die anderen arbeiten. Vielmehr profitieren die anderen Lufthanseaten auch von unserem Erfolg.“ Umgekehrt, „wenn wir verlieren, werden die anderen erst recht gerupft. Wir sind nicht alleine“. Und nur noch mehr Druck könne die Unternehmensleitung dazu bringen, einzulenken.

Schlichtung gefordert

Einige hundert Meter weiter, vor der Zentrale der Lufthansa, stehen einige hundert Lufthanseaten, die das anders sehen. Nach der Aufforderung des Betriebsrates sind Mitarbeiter der Bodendienste gekommen, um für eine sofortige Schlichtung im Tarifstreit der Lufthansa gegen ihre Piloten zu demonstrieren. Als die etwa 200 Piloten vom nahe gelegenen Tor 21 kommen, blasen die anderen in ihre Trillerpfeifen, schwenken die Schilder: „Schlichtung jetzt!“ steht darauf. Polizisten trennen die Gruppen.

Kommentar: Minderheiten nehmen die Mehrheit in Geiselhaft

Kleine Gruppen mit großen Mitteln und großen Interessen: Unternehmen wie die Deutsche Bahn (mit der Lokführergewerkschaft GDL) und die Lufthansa (mit der Pilotenvereinigung Cockpit und der Kabinengewerkschaft

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Für die Gegendemonstranten scheint die Sache klar: Die Piloten gefährden die Arbeitsplätze der anderen. Sagt zumindest Martin Behr (50) von der Lufthansa Technik: „Die Piloten sind zu teuer. Je mehr sie verdienen, um so mehr Maschinen flaggt die Lufthansa aus.“ Damit sind auch die Luftfahrt-Techniker von Arbeitslosigkeit bedroht, weil weniger Maschinen gewartet werden müssen. Behr respektiert die Forderungen der Piloten nicht, fordert Rücksicht auf die Firma.

„Nicht mehr akzeptabel“

Ähnlich sieht es Stefanie Round (51), die für die LH-Passage Crews trainiert. „Es gibt nicht nur die Piloten. Wir vom Boden finden es nicht mehr akzeptabel, dass eine so kleine Gruppe das Unternehmen kaputt macht. Bei uns werden ganze Abteilungen nach Polen outgesourct, freie Stellen nicht mehr besetzt.“ Allmählich sei das Verhalten der Piloten, die seit Jahren immer wieder streiken, unzumutbar. „Auch andere tragen Verantwortung, aber sie werden nicht annähernd so gut bezahlt.“

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