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Zufällig Stadtmeister geworden

„Schnick, Schnack, Schnuck“ oder „Schere, Stein, Papier“ ist ein beliebtes Knobelspiel. Im Dreikönigskeller wurde die erste inoffizielle Stadtmeisterschaft ausgetragen. FNP-Reporter Thorben Pehlemann wollte über das Turnier berichten - und gewann es aus Versehen.
Stein wetzt Schere: Die Ringrichter schauen den Teilnehmern des ersten Schnick-Schnack-Schnuck-Turniers genau auf die Hände. FNP-Reporter Thorben »Ghostwriter« Pehlemann (l.) zeigte im Finale gegen »Rambaldi« keine Nerven und siegte deutlich mit 5:2.	Fotos: Holger Menzel Bilder > Stein wetzt Schere: Die Ringrichter schauen den Teilnehmern des ersten Schnick-Schnack-Schnuck-Turniers genau auf die Hände. FNP-Reporter Thorben »Ghostwriter« Pehlemann (l.) zeigte im Finale gegen »Rambaldi« keine Nerven und siegte deutlich mit 5:2. Fotos: Holger Menzel
Sachsenhausen. 

Eigentlich will ich am Bühnenrand stehen, nicht im Scheinwerferlicht. Neutraler Beobachter will ich sein im Dreikönigskeller, so wie es sich für einen Journalisten von Berufs wegen gehört. Die erste Stadtmeisterschaft im „Schnick, Schnack, Schnuck“ (SSS) verspricht ja auch ein witziges Ereignis zu sein.

Doch dann kommt alles ganz anders. Plötzlich stehe ich innerhalb eines quadratischen Spielfelds auf der Bühne, rotes Licht blendet mich, drei Dutzend applaudierende Zuschauer umringen mich. Mir gegenüber steht ein Mann, der sich „Beablebrox“ nennt. Er ist einer von 16 Teilnehmern, die bei der Kampfnacht dabei sind und entsprechende Kampfnamen tragen - meiner ist „Ghostwriter“.

Der eloquente, aber nicht so ernst zu nehmende Ringrichter Michael Scholten witzelt herum und ruft schließlich: „Let´s get ready to rumble!“ - zu Deutsch: Jetzt geht’s los.

Während ich Faust an Faust mit „Beablebrox“ dastehe, erinnere ich mich an Muharrem „Mucca“ Sahins Kurzeinführung in das Spiel. Ich bleibe ganz ruhig, vertraue auf mein Gefühl und eröffne mit einem Stein. Damit schlage ich „Beablebrox“, der mit seinen Fingern eine Schere formt, es steht eins zu null für mich. Was genau danach passiert, kann ich nicht mehr rekapitulieren, aber offenbar antizipiere ich das Verhalten meines Gegners stets richtig und ändere die Spielfigur rechtzeitig in Schere oder Papier: Ich gewinne das Match 3:0.

 

Zum Mitmachen überredet

 

Kurz vorher hat mich Sahin, Führungsmitglied der aSSSociaton und Organisator der Stadtmeisterschaft sowie der Weltmeisterschaft, die demnächst in Köln stattfindet, im engen, gewölbten Dreikönigskeller zum Mitmachen überredet. Er erklärt mir vor Turnierbeginn noch kurz: „Schnick, Schnack, Schnuck ist eine Mischung aus Schach und Poker, ein Strategiespiel.“ Der Adrenalinausstoß beim „Zocken“ sei nicht zu unterschätzen und SSS ein „anspruchsvolles Mentalspiel“, das nichts mit Glück zu tun habe. Man müsse den Gegner studieren, in der Abfolge seiner gespielten Figuren aus Schere, Stein oder Papier ein Muster erkennen und die Züge vorausahnen. Es gelte, über mehrere Ebenen zu denken, auf seine Intuition zu vertrauen, Augenkontakt zu vermeiden und sich zu fragen: „Was denkt der Gegner, dass ich denke?“

Die Regeln des Spiels, das in Japan angeblich schon seit Jahrhunderten gespielt wird und im 19. Jahrhundert auch Europa erreicht, sind ganz einfach: Stein schleift Schere, Schere schneidet Papier, Papier umwickelt Stein.

Die SSS-Hochburg in Deutschland ist Köln. Dort begeistern sich viele für die SSS-Kampfnächte. An einem Weltcupturnier sind zwar nur 32 Spieler startberechtigt, allerdings gibt es bis zu 250 Bewerber. 120 bis 150 davon spielen um Startplätze und um „Muccarones“, die spieleigene Währung.

Sahin beschreibt die aSSSociation ironisch als einzigen Verband der Welt, der sich offiziell zur Korruption bekennt. Er will die SSS-Turniere als eine Persiflage auf die Maschinerie im Profisport wie Boxen, Fußball oder Formel 1 begriffen wissen. „Die Menschen finden sich in Rollen ein, spielen ein begeistertes Sportpublikum oder einen Leistungssportler“, erklärte Michael Scholten.

Das zweite Spiel gegen „Karla Kolumna“ eröffne ich mit einer Schere und verliere prompt, allerdings kann ich anschließend kontern und gewinne schließlich doch noch mit 3:1. Auch hier helfen mir Ruhe und Intuition. Halbfinale und Finale gegen „Speedy“ und „Rambaldi“ beginne ich wieder mit dem Stein und änderte die Figuren immer spontan. Ich siege 4:1 und 5:2. Scholten nennt mich eine „coole Sau“.

 

Ein Versehen

 

Den Weg nach Frankfurt fand die aSSSociation durch Mark Leinemann, der wie an diesem Abend Vorträge über spielerische Produkterlebnisse und Strategien des Empfehlungsmarketings hält. In Köln wird SSS von einer großen Brauerei gesponsert, für Leinemann ein Beispiel, wie Gruppenevents zu einer erzählbaren Geschichte werden. „Wenn eine Marke etwas Spielerisches beinhaltet, werden Leute motiviert, sie weiterzuerzählen“, sagt er. Dass das funktioniert, zeigt sich an meiner Geschichte: Wie ich über ein SSS-Turnier berichten wollte und aus Versehen gewann.

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