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Zum Fest gibt’s Krautsuppe mit Steinpilzen

Nicht einmal so groß wie Hessen ist die Slowakei und doch hat der kleine osteuropäische Staat eine ganz eigene Kultur. Damit diese auch in Frankfurt lebendig bleibt, gibt es den Deutsch-Slowakischen Kulturklub.
Konzentriert bei der Sache: Die Kinder führten im Titus-Forum ein Singspiel vor.	Foto: Weis Konzentriert bei der Sache: Die Kinder führten im Titus-Forum ein Singspiel vor. Foto: Weis
Nordweststadt. 

"Ich bin der Frühling und ich bringe dem Apfelbaum die Blüten." Gespannte Stille herrscht unter den Zuschauern im kleinen Raum im Titus-Forum, schließlich sind die meisten hier Eltern. Ihre Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren bringen gerade eine bunte Show zum Thema "Das Jahr" auf die Bühne.

Stolze Eltern

Sie tanzen munter zu einem Regenlied, führen eine Geschichte zu den zwölf Monaten vor oder präsentieren das Singspiel "Das Goldene Tor", eine Art "Reise nach Jerusalem", das jedes slowakische Kind kennt. Was die Eltern noch stolzer macht: Es wird nur Slowakisch gesprochen, obwohl die meisten Kinder in Deutschland geboren sind. Seit September lernen die Kinder der slowakischen Einwanderer die Sprache ihrer Herkunft. Organisiert wird die Aktion vom Deutsch-Slowakischen Kulturklub (DSK).

"Es ist unglaublich, wie gut die Kinder schon sprechen können", staunt Emilia Smálová, die den DSK im Jahr 2008 gegründet hat. Verantwortlich ist die Sprachen-Lehrerin Andrea Mihaliková, die auch an der europäischen Schule unterrichtet: "Obwohl manche noch nicht einmal lesen können, lernen die Kinder viel schneller als meine älteren Schüler." Manche konnten vorher kein Wort Slowakisch, andere haben die Sprache schon jahrelang in ihrer Familie gelernt: "Ehrgeizig sind aber alle gleichermaßen", sagt Mihaliková.

Etwa 500 Slowaken lebten in Frankfurt, als Smálová vor drei Jahren klar wurde, dass es hier keine Öffentlichkeit für die Kultur des kleinen Landes gab. "Deshalb trommelten wir über die slowakische Gemeinde St Gorazd in der Nordweststadt einige Leute zur Teilnahme bei der Parade der Kulturen zusammen." Inzwischen hat der DSK 30 Mitglieder und ist fester Bestandteil des Frankfurter Kulturlebens: "In diesem Jahr gab es zum Beispiel eine Foto-Ausstellung und eine Lesung mit einem slowakischen Schriftsteller." Bereits seit dem vergangenen Jahr treffen sich Eltern mit ihren unter Dreijährigen, um sie spielerisch an die Sprache heranzuführen.

Als Au-Pair gekommen

Die meisten Mitglieder sind schon seit etlichen Jahren in Frankfurt, jeder hat eine spannende Biographie zu erzählen. "Nicht wenige haben als Au-Pair oder Stipendiat einige Zeit hier verbracht und sind dann für immer geblieben", erklärt Smálová. Wie viele andere war es bei Smálová der Partner, der sie in die Mainmetropole zog.

Weil die Entfernung nicht so groß sei, hätten die meisten slowakischen Frankfurter weiterhin sehr enge Verbindungen in ihre Heimat.

Der Sprachkurs ist erst der Anfang, auch im nächsten Jahr hat der Kulturklub einiges vor. So soll es zum Beispiel einen Kurs für traditionelle slowakische Tänze geben. "Unser größter Wunsch sind aber eigene Räume", sagt Smálová. Deshalb wollen sich die Slowaken mit den tschechischen, polnischen und ungarischen Klubs zusammenschließen. "Unter anderem könnten wir eine kleine Bibliothek eröffnen und unsere Trachten-Sammlung ausstellen."

So unterschiedlich die beiden Länder auch sind, an Weihnachten kommen sich die deutsche und die slowakische Kultur ziemlich nah: Neben Christbaum und Kirchgang ist auch das gemeinsame Essen traditionell. Nur was auf den Tisch kommt, scheint auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig: "Die ganze Familie trifft sich zu Krautsuppe mit Steinpilzen und geräuchertem Fleisch", erzählt Emilia Smálová.

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