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Schießerei am "Helium" in der Bleidenstraße: Zum Prozessauftakt: Der schweigende Hells Angel

Von Die Hells-Angels-Schüsse in der Frankfurter Innenstadt am Himmelfahrtstag 2016 erregten bundesweit Aufsehen. Gestern begann vor dem Landgericht der Prozess gegen den 56 Jahre alten Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem versuchten Mord und Totschlag vor. Dazu äußern wollte sich der "Höllenengel" am ersten Verhandlungstag aber nicht.
Zwischen einem Rechtsanwalt und einem Gerichtsdiener betritt der angeklagte „Hells Angel“  den Verhandlungssaal. Bilder > Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Zwischen einem Rechtsanwalt und einem Gerichtsdiener betritt der angeklagte „Hells Angel“ den Verhandlungssaal.
Frankfurt. 

Es ist schwer, das Victory-Zeichen zu zeigen, wenn die Hände auf dem Rücken gefesselt sind. Der Angeklagte im Prozess um die Hells-Angels-Schüsse schaffte es beim gestrigen Prozessauftakt trotzdem. Nachdem die Gerichtsdiener ihn zur Anklagebank im Frankfurter Landgericht geführt hatten, neigte er sich zur Seite und reckte seinen Rockerkumpels im Zuschauerraum zwei zum V gespreizte Finger entgegen – das Siegeszeichen, obwohl ein „Sieg“ am Ende der Verhandlung eher fraglich erscheint.

Pünktlich um 9 Uhr traten die Richter der Schwurgerichtskammer in den gut gefüllten, großen Verhandlungssaal des Gebäudes E. Die üblichen Formalitäten wurden schnell abgehandelt, so dass der junge Staatsanwalt Daniel Garasch bald mit der Verlesung der Anklage beginnen konnte. Das Besondere an dem Fall: Die rechtlichen Einordnungen der Tat von Staatsanwaltschaft und Schwurgerichtskammer weichen voneinander ab: Während die Anklagebehörde „nur“ von einem Mordversuch und zwei Fällen der gefährlichen Körperverletzung ausgeht, bezog das Gericht in seinem Eröffnungsbeschluss auch die Schüsse in Richtung der beiden Begleiter des schwerverletzten Hauptopfers ein – als zwei Fälle des versuchten Totschlags.

Sonniger Tag

Der Blick der Strafverfolger richtete sich in der Anklage noch einmal auf den sonnigen Himmelfahrtstag 2016, an dem die Kämpfe in der Rockergruppe „Hells Angels“ plötzlich in die unbeschwerte Feiertagsstimmung eingebrochen waren: Der 56 Jahre alte Angeklagte saß mit mehreren Kumpels auf der Terrasse der „Helium“-Bar an der Bleidenstraße. Gegen 16.45 Uhr führ das weiße Auto vorbei, in dem die späteren Opfer saßen. Das Fahrzeug musste kurz halten, was den heute noch flüchtigen Mittäter veranlasste, den 41 Jahre alten Fahrer mit vier Schüssen unter Feuer zu nehmen. Der Mann am Steuer war zwei Monate zuvor bei den „Hells Angels“ rausgeflogen, weil er einem ranghohen Mitglied das Nasenbein zertrümmert hatte.

Bilderstrecke Schüsse in der Frankfurter Innenstadt: Zwei Schwerverletzte
Nachdem in der Frankfurter Innenstadt Schüsse am hellichten Tag aus einem fahrenden Auto gefeuert worden sind, hat die Polizei den Tatort um den Stoltze-Platz weiträumig abgesperrt. Sie fahndet intensiv nach den bislang unbekannten und flüchtigen Tätern. Hintergrund der Tat, bei der zwei Personen schwerverletzt wurden, ist offenbar eine Auseinandersetzung in der Rockerszene.Die Cafés und Restaurants rings um den Friedrich-Stoltze-Platz sind wegen ihrer Außenplätze sehr beliebt an sonnigen Tagen. Gestern Nachmittag (05.05.) fielen dort mehrere Schüsse.Ein weißer Mercedes-Geländewagen (im Bild) war an der Restaurant-Bar "Helium" in der Bleidenstraße vorgefahren. Mindestens zwei Männer seien aus dem Fahrzeug gestiegen – und aus einer Gruppe von "Helium"-Gästen heraus sofort unter Beschuss genommen worden.

Der Angeklagte lief zu dem Auto hin und gab nach Angaben der Staatsanwaltschaft mindestens zwei Schüsse ab, die einen 20 Jahre alten, auf der Rückbank sitzenden Mitfahrer trafen. Die Beifahrerin, vermutlich die Freundin des 41-jährigen, ging unverletzt aus dem Kugelhagel hervor. „Das Leben des schwerverletzten Fahrers konnte nur dank der schnellen medizinischen Versorgung gerettet werden“, heißt es in der Anklageschrift. Die Schüsse auf den Fahrer seien als „Sühne“ für die vorausgegangenen Schläge auf die Nase des Vizepräsidenten in eindeutiger Absicht abgefeuert worden, um den Kontrahenten zu töten. Dies sei ein „niedriger Beweggrund“ im Sinne des Mordparagrafen.

Erster Zeuge

Richterin Bärbel Stock hatte bereits für den Vormittag die ersten Zeugen geladen – Beobachter rechneten deshalb von vornherein damit gerechnet, dass der langhaarige Angeklagte keine Aussage machen werde. „Schade. Ihre Kindheit in Piräus hätte mich schon interessiert“, sagte die Richterin, als bekannt wurde, dass auch zum Lebenslauf keine Einlassung kommen werde.

Mehrere Polizisten sichern das Gerichtsgebäude E.
Verhandlung unter Polizeischutz

Vorm Gericht bauen Fernsehteams ihre Kameras auf, unter den Augen von Polizisten, die das Gebäude sichern. Eine einzelne, glänzend-schwarze Harley ist am Gericht geparkt, als einziger Hinweis darauf,

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Stattdessen wurde nach formalem Geplänkel über die Besetzung der Schwurgerichtskammer ein alter Bekannter des Angeklagten vernommen. Der Zeuge bezeichnete den Angeklagten als „nett“ und „lustig“ – aber die gemeinsamen Tage lägen auch schon mehr als 20 Jahre zurück. Kurz vor der Schießerei habe der „Hells Angel“ aber wieder Kontakt zu ihm aufgenommen und ihn gebeten, ihm für die Zeit einer Wohnungssuche seine Meldeadresse zur Verfügung zu stellen, berichtete der Zeuge. Dies führte dazu, dass gleich nach der Schießerei die Polizei vor der Tür gestanden habe.

Der Rockerprozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt und soll danach noch bis mindestens Ende August dauern.

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