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Zurück aus dem Exil

Von Nach sechs Jahren in zwei Übergangsbleiben in Offenbach kehrten die Bewohner des Heinrich-Schleich-Hauses wieder zurück. Gestern wurde der Neubau in der Bregenzer Straße feierliche eröffnet.
12,5 Millionen Euro kostete der Neubau in Fechenheim. Bilder > 12,5 Millionen Euro kostete der Neubau in Fechenheim.
Fechenheim. 

Das Buch über die Tierwelt Afrikas hat es Ursula Bienia besonders angetan. „Ich male gerne die Bilder aus diesem Buch“, erklärt die 87-Jährige der Leiterin des Heinrich-Schleich-Hauses, Zekiye Bilgiç (29). Regelmäßig trifft sich Bienia mit anderen Hausbewohnern zum gemeinsamen Malen. Seit drei Monaten wohnt sie nun im neuen Heinrich-Schleich-Haus in der Bregenzer Straße, dessen Vorgänger im August 2008 wegen baulicher Sicherheitsmängel geschlossen werden musste. Ihre kleine Orgel hat sie mitgebracht, auf der Fensterbank stehen ein paar Blumen. Eigentlich wollte sie in Offenbach bleiben, wo das Pflegeheim sechs Jahre lang untergebracht war. „Aber es ist schön hier, das Haus gefällt mir. Ich bin froh, dass ich mit umgezogen bin.“

Der Neubau ist endgültig fertig, die feierliche Eröffnung wurde gestern gefeiert – doch der Weg hierhin war nicht immer einfach. „Liebe Mitleidenden“, begrüßt Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) die Gäste, ist sie doch Aufsichtsrats-Vorsitzende des Trägers, Frankfurter Verband. Ein „Mammutprojekt“ sei es gewesen, bei dem man immer wieder auf Unwägbarkeiten gestoßen sei. Umso schöner sei es, dass das Haus nun fertig sei.

Neues Konzept

Anstelle des früheren Hochhauses steht an der Ecke von Bregenzer-/Fachfeldstraße nun ein H-förmiges, sechsstöckiges Haus. „Das Konzept ist neu. Das Haus besteht aus neun kleinen Wohngemeinschaften mit zehn Bewohnern“, erklärt Zekiye Bilgiç. Neu daran sei nicht nur die geringe Größe der WG, sondern auch, dass nicht die Pflege im Mittelpunkt stehe, sondern der Alltag. „Es gibt in jeder WG Lebensbegleiter, die tagsüber saubermachen, die Wäsche waschen oder kochen. Sie gestalten den Alltag, so wie das zu Hause auch wäre.“ Die Bewohner würden dabei so weit wie möglich eingebunden.

Neu am Konzept sei auch, dass über dem Pflegeheim 19 Mietwohnungen für betreutes Wohnen untergebracht seien, sagt Zekiye Bilgiç. „Noch sind nicht alle Wohnungen belegt, die Bewohner noch recht rüstig. Aber auch dort bieten wir alle Pflegedienstleistungen an.“

Wenn an diesem Tag die Rede von Problemen der Vergangenheit die Rede ist, sei damit nicht der Bau des neuen Hauses gemeint, betont Frédéric Lauscher, Geschäftsführer des Frankfurter Verbands. „Wir haben unser Budget von 12,5 Millionen Euro eingehalten – was beim Bauen ja nicht selbstverständlich ist.“ 3,5 Millionen davon kommen von der Stadt, 2,5 Millionen vom Land Hessen. Auch der Zeitplan sei fast eingehalten worden: Nur zwei Wochen verzögerte sich der Umzug von Offenbach, den 74 der 88 Bewohner mitmachten.

Ultimatum

Die Probleme begannen, als noch nicht der Frankfurter Verband, sondern die Heinrich-Schleich-Stiftung das Heim führte. Lange forderte die Feuerwehr Nachbesserungen beim Brandschutz, die jahrelang aber nicht umgesetzt wurden – bis die Feuerwehr dem Betreiber ein Ultimatum setzte: Innerhalb von vier Wochen musste 2008 das Gebäude geräumt werden.

Das erste Übergangsquartier in Offenbach sei schlimm gewesen, erinnert sich Josef Schoch. Auch seine Frau Ella musste von Fechenheim dorthin umziehen. „Zuerst wurde Personal entlassen und billigere Kräfte eingestellt. Auch als der Frankfurter Verband das Haus übernahm, wechselten die Mitarbeiter ständig.“ Baulich sei es eine Katastrophe gewesen. Im Dezember 2012 schloss der TÜV auch dieses Haus – wegen fehlender Rettungswege und Brandschutztüren. Das Heinrich-Schleich-Haus zog in Offenbach in einen Neubau der Vitanas-Gruppe, die dort nun selbst ein Seniorenheim betreut.

Auch der Abriss in Fechenheim und der Neubau verzögerten sich immer wieder – aus finanziellen Gründen. Ein Sanierung habe sie damals abgelehnt, weil auch die einen „zweistelligen Millionenbetrag“ kosten sollte, sagt Birkenfeld – und weil das Gebäude für Senioren nicht mehr zeitgemäß gewesen sei. Im März 2010 lag endlich die Abrissgenehmigung vor, der Abriss begann erst im Mai 2011.

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