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Gastro-Kolumne: Zurück zu den vietnamesischen Wurzeln

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Hong Mai Ngo setzt ganz auf die Küche aus ihrem Heimatland Vietnam. Im Hintergrund ist die Namensgeberin Co Mai zu sehen. Foto: Andrea Möller Hong Mai Ngo setzt ganz auf die Küche aus ihrem Heimatland Vietnam. Im Hintergrund ist die Namensgeberin Co Mai zu sehen.

Hong Mai Ngo hat ihren ersten Gastro-Betrieb als Nachbarschaftslokal konzipiert. Deshalb wollte sie das Comai , so der Name des vietnamesischen Restaurants, in einem familiären Stadtteil eröffnen. „Während der vergangenen Monate habe ich mir mehrere Objekte angesehen, im Bahnhofsviertel genauso wie im Westend, aber es hat einfach nicht Boom gemacht.“ Bei den Räumen des früheren „Wiesenlust“ hingegen sei der Funke sofort übergesprungen. Schließlich sind rund um die Berger Straße etliche Paare und Familien mit kleinen Kindern zu Hause.

In ähnlicher Umgebung hat Co Mai daheim in Vietnam die Nachbarn bekocht. Damals waren die Erinnerungen an den Krieg noch frisch, die Erwachsenen damit beschäftigt, das Land wieder aufzubauen – weshalb sich viele Kinder am nächsten Straßenstand mit Essen versorgten. Darunter befand sich auch der von Co Mai, die ein großes Herz für ihre kleinen Gäste hatte: „Co bedeutet Tante“, erzählt Ngo. „Sie ist zwar keine richtige Verwandte, doch mein Vater hat oft bei ihr gegessen. Da gehörte sie irgendwann zur Familie.“ Im Andenken an diese Tante habe ihr Vater sie auf den Namen Mai getauft.

Andrea Möller Bild-Zoom Foto: Salome Roessler
Andrea Möller

Der freundlichen Dame setzt Ngo nun ihrerseits ein Denkmal. Die 28-Jährige hat nicht nur das Lokal nach ihr benannt, sondern sich auch beim Konzept von ihr inspirieren lassen. „Wir servieren ausschließlich frisch zubereitete Gerichte. Weil wir den Gästen zudem gute Qualität bieten möchten, legen wir den Fokus auf eine kleine Auswahl“, so die Betreiberin. Durch ihre Empfehlungen, die zweimal wöchentlich wechseln, garantiert sie zusätzliche Abwechslung.

Die sogenannte Pho dürfte es allerdings das ganze Jahr über geben. Immerhin handelt es sich bei der Reisbandnudelsuppe um das vietnamesische Nationalgericht – und um Ngos Leibspeise. „Wir haben zwei Varianten, eine mit Rind und eine mit Huhn, die wir jeden Tag aufs Neue ansetzten.“ Die beiden Brühen, natürlich ohne Geschmacksverstärker, verfeinere sie mit Gewürzen wie Zimt und Sternanis. Außerdem ist die vietnamesische Küche reich an frischen Kräutern – darunter Minze, Zitronengras und der hierzulande meist polarisierende Koriander.

Eine Handvoll aromatischer Gewächse steckt etwa in der prall mit Garnelen, Schweinefleisch und Sojakeimen gefüllten Sommerrolle samt süßlich-würziger Erdnusssoße (2,50 Euro). Ihre Genussreise durch Vietnam können die Gäste aber auch mit Glasnudelsalat starten: Durch Karotten, Sellerie, Zwiebeln, Sojakeime und Erdnüsse sowie pikantes Limetten-Chili-Dressing bildet die Mischung einen frischen und knackigen Auftakt (6,90 Euro). Darauf einen großen Schluck des schmeckbar hausgemachten Limettensafts mit seiner perfekten Kombination aus Säure und Süße (0,3 Liter zu 3,50 Euro).

Doch wie sieht es mit den übrigen Kostproben aus? Die in Tamarindensoße geschwenkten Rindersteakstreifen sind butterzart und harmonieren mit den bissfesten Karotten, Bohnen und Zucchini sowie unterschiedlichen Kräutern (11 Euro). Kleiner Punktabzug für den Reis, weil der etwas trocken auf dem Teller liegt. Bei den gebratenen Garnelen, innen noch leicht glasig, in dezent scharfer Tomaten-Chili-Sauce samt Udon-Nudeln, Pak Choi, Pilzen, Lauch, Zwiebeln und den obligatorischen Kräutern (11 Euro) erlaubt sich das Küchenteam allerdings keinen Fehler.

Asiatische Gerichte wie diese vertragen sich gut mit dem feinfruchtigen Riesling von Markus Molitor (die Flasche für 25 Euro). Der Moselaner gehört zu den besten deutschen Winzern und steuert im „Comai“ einen von fünf Weinen bei. „Mein Vater und ich haben sie gemeinsam verkostet“, erzählt Ngo. Das sei ein lustiger Tag gewesen. Wer’s zünftiger mag, greift stattdessen zu einem Gude-Bier, frisch vom Fass mit ordentlicher Schaumkrone (0,4 Liter zu 3,20 Euro).

Das Ganze lässt sich auf einer geräumigen Terrasse genießen. In Herbst und Winter steht ein behaglich und authentisch gestalteter Innenraum zur Verfügung. Bei der Einrichtung haben die Betreiberin, ihr Freund und ihre Eltern selbst Hand angelegt. So viel Zusammenhalt hätte Co Mai bestimmt gefallen, die den Betreibern, Nachbarn und anderen Gästen übrigens von einem großen Foto entgegenlächelt.

Comai – Viet Street Kitchen

Nordend, Berger Straße 77, Telefon (0 69) 76 89 07 11, www.comai.de, Di–So 12–23 Uhr, Mo Ruhetag, Sitzplätze: 45 innen/60 außen, Küche: vietnamesisch.

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