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Klangexperimente in der Galerie Goldstein: Zwei Künstler zeigen die Entstehung einer audiovisuellen Performance

Künstlern einmal bei der Arbeit zusehen – das ermöglicht das Atelier Goldstein in den kommenden drei Laborwochen in seiner Sachsenhäuser Galerie. Seit 15 Jahren stellen dort Künstler mit Handicaps ihre Werke aus. Los ging es gestern mit dem audiovisuellen Projekt von Julius Bockelt und Sven Fritz.
Sven Fritz (links) und Julius Bockelt nutzen die Räume der Galerie Goldstein in den kommenden beiden Wochen als Musikstudio. Gäste können ihnen über die Schulter schauen. Foto: Holger Menzel Sven Fritz (links) und Julius Bockelt nutzen die Räume der Galerie Goldstein in den kommenden beiden Wochen als Musikstudio. Gäste können ihnen über die Schulter schauen.
Sachsenhausen. 

Auf den ersten Blick wirkt die Galerie Goldstein kaum wie eine typische Galerie. Einzig ein verblasstes Fresko aus den 1940er Jahren schmückt die Wände des lichtdurfluteten Raumes. Bis auf ein paar Tische sind die Räume an der Schweizer Straße leer – perfekte Voraussetzungen für ein Musikstudio. „So können wir konzentriert an unserer Performance arbeiten“, erklärt Sven Fritz (41), Mitarbeiter des Ateliers. Zusammen mit dem Künstler Julius Bockelt startete er gestern die Laborwochen mit einem audiovisuellen Projekt, das sich auf die Zeichnungen des Künstlers stützt.

„Wir haben aber eben erst alles aufgebaut, da die vorherige Ausstellung noch abgebaut werden musste“, sagt Fritz lachend und schaut zu den verschiedenen Synthesizern, die den ganzen Tisch einnehmen. Bis Mitte nächster Woche werden Fritz und Bockelt auf diesen Geräten experimentelle Musik erschaffen und wollen sogar eine Komposition versuchen.

Optische Täuschungen

Grundlage dafür sind Bockelts Zeichnungen und Fotografien. „Ich zeichne gerne einfarbige Punkte-Raster, damit eine optische Täuschung entsteht“, erklärt Bockelt und zeigt auf seine Werke. „Solche Wellen, die sich wiederholen und überlagern findet man auch in der Musik“, sagt der 31-Jährige. Bockelt ist schon von Anfang an Teil der Künstlerkolonie, die geistig behinderte Menschen unterstützt. Neben der „Lebenshilfe Frankfurt“ wird das Atelier auch von der „Aktion Mensch“ gefördert. „Dort gab es dieses Jahr den Themenschwerpunkt Installation und Performance, deshalb nutzen wir jetzt die Galerie dafür“, erklärt Fritz. Der 41-jährige ist bereits seit sieben Jahren Mitarbeiter des Ateliers.

„Julius und ich machen schon seit Jahren zusammen Musik “, sagt er. 2014 seien sie unter dem Namen „Superposition“ mit einem Berliner Musiker aufgetreten und im vergangenen Jahr hätten sie das Ende der Ausstellung „Bildermenschen“ im Museum für Moderne Kunst (MMK) musikalisch begleitet. „Jetzt wollen wir mit der Musik versuchen, den selben Effekt wie seine Zeichnungen zu bewirken“, erzählt er. Dafür dreht der 41-Jährige ein paar Rädchen seines Synthesizers auf, während Bockelt auf die Tasten drückt. „Das klingt fast ein bisschen wie Filmmusik“, sagt Fritz.

Die Tür ist offen

Mitmachen könne man bei der „halboffenen Veranstaltung“ leider nicht, Besucher sind trotzdem gerne gesehen. „Unsere Tür ist immer offen und wir werden jeden hereinlassen, der sich dafür interessiert“, betont Fritz. Von etwa 10 bis 18 Uhr werden Gäste den beiden noch diese und nächste Woche bei ihrer Arbeit zuhören können. Eine Videoprojektion soll die nächsten Tage folgen, damit es auch etwas zu sehen gibt. Außerdem wird Bockelt ein temporäres Kunstwerk im Schaufenster der Galerie schaffen. „Ich übertrage meine Zeichnungen dann auf das Fenster, bis man fast nicht mehr durchsehen kann“, sagt der Künstler. „Wir gucken einfach wie es sich entwickelt, aber dafür ist das Labor ja da“, ergänzt Fritz. Er verstehe die Laborwochen in erster Linie als eine Art Vorschau auf zukünftige Projekte, die er so noch nicht im Atelier erlebt habe. „Es lockert den Ausstellungsrhythmus auf, wenn wir in den Sommermonaten eigene Projekte in der Galerie angehen. Und das werden wir auf jeden Fall wiederholen“, sagt er.

Vom 21. bis zum 24. August werden die beiden Musiker schließlich Platz machen müssen, denn dann beginnt der zweite Teil der Laborwochen für die Künstler Julia Krause-Harder und Lutz Pillong. „Julia arbeitet schon länger an einer Patchwork-Weltkarte aus Textilien, die die Wände der Galerie fast komplett einnehmen wird“, erklärt Fritz. „Sie arbeitet mit allen möglichen Textilien, die sie findet.“ Die Künstlerin nutze die Laborwochen vor allem als Probelauf für die im Januar 2018 geplante Ausstellung ihrer Weltkarte.

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