Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 15°C

Schwurgerichtskammer: Zweiter Anlauf für Messerstecher-Prozess

Von Der Strafprozess wegen Verdachts auf einen heimtückischen Mordversuch hatte vor Jahren schon einmal begonnen, allerdings machte sich dann der Angeklagte davon. Nach dem Wiederauftauchen des Mannes ging die Verhandlung gestern in ihre zweite Runde.
Ein Justizvollzugsbeamter (l.) löst dem Angeklagten die Handfesseln. Foto: Huebner (imago stock&people) Ein Justizvollzugsbeamter (l.) löst dem Angeklagten die Handfesseln.
Frankfurt. 

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft geht von einem heimtückischen Mordversuch aus: Mehr als sechs Jahre nach einer blutigen Messerattacke hat sich seit gestern ein 37-jähriger Algerier vor dem Landgericht zu verantworten. Er soll einen heute 42-jährigen Landsmann im August 2011 in der Allerheiligenstraße (Ostend) mit einem Klappmesser zweimal in den Rücken gestochen haben.

Nachdem gestern nur die Anklageschrift verlesen wurde, liegen die Motive der Bluttat weiter im Dunkeln. Vielleicht gelangt die Schwurgerichtskammer aber in der kommenden Woche zu neuen Erkenntnissen: Der Angeklagte kündigte für den nächsten Verhandlungstag eine Einlassung an.

Kuriose Vorgeschichte

Die Prozessgeschichte ist ungewöhnlich: Schon wenige Stunden nach der Messerattacke – das Opfer wurde noch notärztlich im Krankenhaus behandelt – wurde der Täter festgenommen und befand sich dann etwa ein Jahr in Haft. Schließlich monierte das Oberlandesgericht die lange Verfahrensdauer und hob den Haftbefehl auf – obwohl bereits Verhandlungstermine für Ende 2012 feststanden.

Große Überraschung

Zur großen Überraschung aller Verfahrensbeteiligter erschien der Angeklagte, als es soweit war, trotzdem brav mit seinem Verteidiger zum ersten Verhandlungstag. Offensichtlich fühlte er sich in dem Gerichtssaal aber nicht wohl. Zumindest wurde ihm bei der Verlesung der Anklageschrift recht mulmig. Nach der Mittagspause kam er nicht zurück – das Gericht musste den Prozess abbrechen. Die Akten kamen vorerst ins Archiv und alles sah so aus, als ob sie da auch bleiben würden.

Erst Anfang dieses Jahres tauchte der Mann wieder auf. Man erinnerte sich an die Tat von damals und erließ abermals einen Haftbefehl. Diesmal erfolgte die Terminierung des Prozesses etwas schneller, so dass die Verhandlung gestern abermals beginnen konnte.

Unvermittelte Stiche

Insbesondere die Frage nach dem Motiv ist für Gericht und Staatsanwaltschaft interessant. Möglicherweise hängt es mit familiären Animositäten zusammen: Die Eltern beider Kontrahenten stammen aus demselben algerischen Dorf. Darüber hinaus soll sich der Messerstecher über die despektierliche Behandlung durch den Landsmann (ausgebliebener Gruß) geärgert haben. Die Staatsanwaltschaft geht vom Mordmerkmal der Heimtücke aus, weil das Opfer zum Tatzeitpunkt „arg- und wehrlos“ gewesen sei. Die Stiche seien ihm ziemlich unvermittelt von hinten zugefügt worden. Ungeachtet von Tat und Prozess stehen Täter und Opfer praktisch vor der Abschiebung in ihre Heimat, die derzeit wohl nur durch das anhängige Verfahren hinausgezögert wird.

Noch drei Verhandlungstage hat die unter Leitung von Richterin Iris Möhrle tagende Schwurgerichtskammer in ihrem Terminkalender stehen. Anfang Oktober soll bereits das Urteil verkündet werden.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse