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Sprengung des Uni-Turms: Zum Abschied hat der AfE-Turm Kultstatus

Morgen soll er zu Schutt zerfallen – der AfE-Turm. Vorher hat ihn ein Künstler schnell noch zum Modeobjekt gemacht, ein Wissenschaftler ihm ein Büchlein gewidmet und ein Ex-Student die Sprüche von seinen Wänden eingesammelt.
So beschrieben und beschmiert wie auf diesem Bild aus dem Uni-Archiv sahen alle Seminarräume im Turm aus. Bilder > So beschrieben und beschmiert wie auf diesem Bild aus dem Uni-Archiv sahen alle Seminarräume im Turm aus.
Frankfurt. 

Manche sind albern: „Freiheit für Dr. Klaus Croissant.“ Andere ahnungslos: „Wer ist denn dieser Karl Marx, bitte?“ Die Mehrzahl vulgär, wenige klug und einige brandaktuell: „Geliebter Turm, Du bist Teil meines Herzens.“

So stand und steht es noch ein paar Stunden an den Wänden des alten Uni-Turms an der Robert-Mayer-Straße in Bockenheim. Seit der 116 Meter hohe Bau 1973 eröffnet war, fühlten sich Studierende bemüßigt, ihre mehr oder minder geistreichen Gedanken an die Wände zu kritzeln. Albert Schmude schrieb sie von dort wieder ab.

Bilderstrecke Sprengungen in Frankfurt
Wenn in Frankfurt beim Abriss mal Sprengstoff zum Einsatz kommt, dann hat es in den vergangenen zwanzig Jahren fast immer am Sonntag heftig geknallt - so auch bei der Sprengung des AfE-Turms. Bevor dieser am 2. Februar in Schutt zerfällt. Eine kleine Auswahl Frankfurts gefallener Riesen:24. April 1994: Bis zu diesem Sonntagmorgen standen in der Friedrich-Ebert-Anlage zwei Bürotürme der Bundesbahn, der kleinere 45, der andere 75 Meter hoch. 100 Kilogramm Sprengstoff brachten sie zum Einsturz, etwa 4000 Neugierige schauten zu. Anstelle der beiden alten Hochhäuser stehen heute die Gebäude namens Castor und Pollux.20. August 1995: 37 Meter ragte der Kirchturm der Philippus-Gemeinde im Riederwald in die Höhe. Weil sich die Gemeinde die Sanierung des Bauwerks aus Stahlbeton, errichtet 1961, nicht leisten konnte, hatte sie den Turm sprengen lassen.

Das erste Mal zog er 1980 mit Block und Stift durch Flure, Treppenhäuser, Toiletten und Seminarräume, um die besten Sprüche zu sammeln. „Die habe ich dann auf der Schreibmaschine abgetippt, ein paar Mal kopiert und unter meinen Freunden herumgereicht“, erzählt der 61-Jährige. Die Leser waren begeistert, sein Vater plädierte gar für Veröffentlichung und half dem Sohn, einen Verlag zu finden. So erschien 1981 „Freiheit für Grönland – weg mit dem Packeis“.

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