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„Hier wackeln die Wände“

Gut zwei Monate lang erforscht Hessen Mobil den Untergrund der Baustelle für den Riederwald. An drei Stellen laufen Probe-rammungen. Doch die seien viel zu laut, beklagen Anwohner. Sie fordern jetzt einen besseren Schutz.
Karolina (2) und Justus (4) halten sich die Ohren zu, während Hinrich Rottmann stattliche 93 Dezibel Lärmpegel an der Baustelle misst.	Foto: Christes Karolina (2) und Justus (4) halten sich die Ohren zu, während Hinrich Rottmann stattliche 93 Dezibel Lärmpegel an der Baustelle misst. Foto: Christes
Riederwald/Seckbach. 

Gequält schaut Justus von den lauten Baumaschinen weg. Der Vierjährige hält sich die Ohren zu, so wie seine Schwester Karolina (2). Hinter ihnen, nur wenige Meter von der Wohnhäusern an der Vatterstraße entfernt, arbeitet ein schwerer Erdbohrer. Die Maschine ist laut. Wie laut genau, misst Tunnelbau-Experte Hinrich Rottmann. Die Zahlen schwanken. Mal sind es 73 Dezibel, dann 76, dann 82 und wieder 73. Als der Bohrer den Dreck aus dem Bohrgewinde rüttelt, steigt die Anzeige auf über 90 Dezibel.

Tiere unter dem Sofa

Seit dem 30. September laufen die Proberammungen für den Bau des Riederwaldtunnels. Nahe der Pestalozzischule treibt Hessen Mobil Spundwände 20 Meter in die Tiefe, im Osten des Erlenbruchs 24 Meter und am Teufelsbruch gar 27 Meter. Unerträglich sei der Lärm, finden viele Anwohner. „Bei uns wackeln die Wände. Hund und Katze verstecken sich unter dem Sofa. Und unsere 16-jährige Tochter hatte gestern Angst, das Haus fällt zusammen“, erzählt Gabriele Wolf. Frank Bornmann sagt, bei ihm zittere der Löffel in der Kaffeetasse. „Unter meinen Computer habe ich eine Matte gelegt, weil ich Angst habe, er geht vom Vibrieren sonst kaputt.“

Noch bis zum 6. Dezember dauern die Proberammungen an drei Stellen der Tunnelbautrasse an. Spundwände müssen die Baugrube während des Tunnelbaus stützen. „Die Feldversuche sind nötig, um das geeignetste Verfahren für eine sichere und schnelle Realisierung des Baugrubenverbaus zu ermitteln“, schreibt Hessen Mobil in einer Pressemitteilung. Denn nicht überall ist der Untergrund gleich, jedes Verfahren hat Vor- und Nachteile. Auch Hessen Mobil misst den Lärm.

Die Messungen erfolgen „im Baufeld, hinter der Lärmschutzwand und an den Wohnhäusern.“ Hessen Mobil sei „sehr daran gelegen, die Bevölkerung vor den Einflüssen der Bauarbeiten zu schützen“, so die Behörde. Geltende Regeln und Bestimmungen würden „in jedem Fall vollumfänglich berücksichtigt werden“. Daher würden an der Pestalozzischule Lärm- und Staubschutzwände eingesetzt. Gearbeitet werde dort außerdem in den Herbstferien, um die Schüler nicht zu sehr zu stören.

Doch Rainer Frey, Sprecher der Bürgerinitiative Riederwald, bezweifelt, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Die Anwohner haben am 18. Oktober selbst an vielen Stellen gemessen, mit geeichten Geräten und vorschriftsgemäß. Im Westen der Vatterstraße war ein Erdbohrer mit Dieselmotor 67 Dezibel laut, erlaubt seien 45. Und die Vibrationsramme nahe der Vatterstraße 48 brachte es auf 88 Dezibel bei erlaubten 50. Trotz Lärmschutz misst Rottmann an der Grundschule noch 70 Dezibel, hier seien nur 45 erlaubt. „Nach dem Einsatz der Vibrationsramme ist nun der Test mit der Schlagramme geplant. Die ist noch viel lauter“, so Frey. Noch in zwei Kilometern Entfernung seien Erschütterungen zu spüren. Nicht nur die Pestalozzischule, sondern alle Häuser in der Vatterstraße müssten vor dem Lärm geschützt werden. Die von Hessen Mobil eingesetzten Schutzmatten seien außerdem nicht effektiv genug.

Auf der Grundlage der jetzigen Messungen will Hessen Mobil entscheiden, welche Lärmschutzmaßnahmen später beim Tunnelbau eingesetzt werden. Auf Nachfrage bestätigt die Landesbehörde, dass es auch leisere Verfahren gebe, „wie zum Beispiel das Einvibrieren der Spundbohlen“. Aber diese Methoden könnten nicht bei jeder Bodenbeschaffenheit eingesetzt werden.

Verschiedene Methoden

Rainer Frey wirft Hessen Mobil vor, das Schutzkonzept sei nicht durchdacht. „Wenn jetzt schon der Lärmschutz erprobt wird, warum nicht überall? Und wieso werden nicht verschiedene Typen von Lärmschutz eingesetzt?“

(Andreas Haupt)
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