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Rosemarie Heilig im Interview: „Ich würde gerne die Früchte ernten“

Mit einem lachenden und weinenden Auge gebe sie das Ressort Gesundheit ab, sagt Stadträtin Rosemarie Heilig (59). Die Grünen-Politikerin bleibt Dezernentin für Umwelt, hinzu kommt das Ressort Frauen. Mit FNP-Redakteurin Stefanie Liedtke blickt sie zurück und nach vorne.
„Ich habe das gut vorbereitet“, sagt Rosemarie Heilig zur Fusion der Main-Taunus-Kliniken. Foto: Heike Lyding „Ich habe das gut vorbereitet“, sagt Rosemarie Heilig zur Fusion der Main-Taunus-Kliniken.

Sie waren fleißig: Sie haben die Fusion mit den Main-Taunus-Kliniken auf den Weg gebracht. Gerade erst war der erste Spatenstich für den Neubau des Höchster Krankenhauses. Hatten Sie keine Lust, diese Arbeit fortzuführen?

ROSEMARIE HEILIG: In der Politik können Sie sich die Ressorts nie aussuchen. Ich muss das Wahlergebnis akzeptieren. Nun kann man zwar sagen, ich bedauere das. Aber es gibt bei Abschieden immer ein lachendes und ein weinendes Auge. Das weinende Auge, weil mir der Bereich unglaublich viel Spaß gemacht hat. Gerade die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt war spannend und sehr vielseitig. Wir haben in den vier Jahren gemeinsam viel erreicht. Wobei ich natürlich auch gerne die Früchte dieser Arbeit ernten würde.

Und was ist mit dem lachenden Auge?

HEILIG: Ich gebe das Dezernat an Herrn Majer (den bisherigen Verkehrsdezernenten Stefan Majer, Red.). Er ist ein ausgewiesener Gesundheitsexperte. Wir arbeiten sehr gut und sehr vertrauensvoll miteinander. Er wird das Erreichte in meinem Sinne fortsetzen, davon bin ich überzeugt.

Ist das nicht dennoch schade – Sie haben sich in diese sehr komplexen Themen einarbeiten müssen, und nun nimmt man Ihnen das alles weg?

HEILIG: Nein. Ich habe das ja gut vorbereitet: Der Zusammenschluss steht, der Spatenstich für den Neubau ist gelaufen. Ich muss das Klinikum Höchst nicht in einer halbgaren Situation übergeben. Im Gegenteil: Der Zeitpunkt ist ein sehr guter, um einen Schnitt zu machen.

Worauf sind Sie besonders stolz?

HEILIG: Darauf, dass die beiden großen Themen Zusammenschluss und Neubau wirklich gelungen sind. Ich bin aber auch stolz auf viele vermeintlich kleine Themen, etwa darauf, dass wir die humanitäre Sprechstunde gestärkt haben und darauf, dass es uns gemeinsam mit dem Gesundheitsamt gelungen ist, die Flüchtlinge in den Unterkünften schnell und unbürokratisch medizinisch zu versorgen. Es hat in den Unterkünften keine größeren Krankheitswellen gegeben. Da hat das Team des Gesundheitsamts Großartiges geleistet.

Und was hätte aus Ihrer Sicht besser laufen können?

HEILIG: Worüber ich nicht so froh bin, ist, dass es mit dem Modellversuch zur kontrollierten Vergabe von Cannabis nicht geklappt hat. Da ist die CDU leider gar nicht mitgegangen. Aber die beiden Fachtagungen, die wir gemeinsam mit dem Drogenreferat organisiert haben, sind bundesweit auf eine sehr gute Resonanz gestoßen.

Sie werden sicherlich „Ihre Themen“ im Blick behalten, oder?

HEILIG: Ganz bestimmt! Ich bin gespannt, wie es mit dem Klinikum weitergeht. Ich werde Herrn Majer regelmäßig nach dem Fortschritt fragen und ihn bei Bedarf gerne unterstützen. Und natürlich werden wir eine sehr intensive Übergabe machen und sein Team gut über all die Grundlagen des Vertragswerks informieren.

Informationsverluste werden Sie dennoch nicht verhindern können. Hat der Main-Taunus-Kreis durch den Wissensvorsprung einen Vorteil?

HEILIG: Welchen Vorteil sollte der Main-Taunus-Kreis haben? Auch wenn sich jetzt die Zuständigkeit im Magistrat ändert, sind beide Partner dazu aufgerufen, das Projekt gemeinsam zum Erfolg zu bringen.

In der Klinik-Dachgesellschaft hat der Geschäftsführer der Main-Taunus-Kliniken, Dr. Tobias Kaltenbach, als Sprecher der Geschäftsführung das letzte Wort. Ist das tatsächlich im Sinne Frankfurts?

HEILIG: Dr. Kaltenbach ist weder Vorsitzender der Geschäftsführung, noch hat er das letzte Wort. Es gibt eine kollegiale Geschäftsführung, die vertrauensvoll und auf Augenhöhe zusammenarbeitet. Und auch hier gilt: Der Erfolg des Gesamtunternehmens hängt davon ab, dass die Geschäftsführung gut miteinander arbeitet. Wir werden nur gemeinsam erfolgreich sein.

Sind Sie zufrieden mit der Verpflichtung der neuen Höchster Geschäftsführerin Dr. Dorothea Dreizehnter?

HEILIG: Sehr! Sie ist ausgesprochen kompetent, ausgesprochen hartnäckig, und sie kommuniziert ganz hervorragend. Man sieht jetzt schon, dass es eine Aufbruchstimmung im Klinikum gibt, und sie ist ja gerade mal seit Februar da. Ich merke das auch an der Haltung des Betriebs- und Personalrates. Das war ein richtiger Glücksgriff.

Sie loben Frau Dr. Dreizehnter für ihre gute Kommunikation. Ihnen selbst ist immer wieder vorgeworfen worden, Sie hätten zu wenig und zu spät kommuniziert . . .

HEILIG: In diesem speziellen Fall war das gar nicht anders möglich. Wir haben mit dem Main-Taunus-Kreis vereinbart, dass über den gesamten Prozess kein Partner im Alleingang ein Wort nach außen verliert, sondern dass wir nur gemeinsam auftreten. Ich habe mich an diese Abmachung gehalten.

Wird aus der Verlobung der beiden Krankenhäuser am Ende eine Ehe?

HEILIG: Wir sind da auf einem guten Weg. Das Vertrauensverhältnis ist ausgesprochen gut, auch wenn wir am Anfang natürlich ein wenig haben üben müssen. Wir haben in dieser kurzen Zeit schon viel auf den Weg gebracht. Wir haben zum Beispiel einen hervorragend besetzten Aufsichtsrat – das ist übrigens auch etwas, worauf ich stolz bin. Wir haben da eine Spitzenbesetzung gefunden.

Die bezieht aber auch Spitzengehälter. Der Vorsitzende Harald Schmidt, ein im Gesundheitsmanagement erfahrener Wirtschaftsprüfer, erhält 48 000 Euro pro Jahr, seine Stellvertreter um die 30 000 Euro.

HEILIG: Das sind keine Gehälter, sondern Aufwandsentschädigungen. Die Kritik, dass diese zu hoch ausfallen, halte ich für unberechtigt. Der Aufsichtsrat steuert und kontrolliert einen hochkomplexen Prozess: die Fusion dreier Kliniken und den Neubau eines kommunalen Krankenhauses. Dafür braucht es besondere Kompetenzen. Der Erfolg dieses Prozesses ist auch von diesem Aufsichtsrat abhängig.

Als Gesundheitsdezernentin hatten Sie gleich mehrere Großbaustellen. Das Frauendezernat ist da schon übersichtlicher. Wird Ihnen da nicht langweilig?

HEILIG: Ich bin froh, dass ich meinem Herzensthema Umwelt jetzt endlich mehr Zeit widmen kann. Der Klinik-Neubau und die Zusammenlegung mit den Main-Taunus-Kliniken haben schon viel Kraft gebunden. Ganz oben auf meiner Agenda wird das Thema Klimaanpassung stehen. Dafür haben wir 10 Millionen Euro im Koalitionsvertrag vereinbart, worüber ich sehr glücklich bin. Wir haben aber auch mit dem Thema Frauen eine Fülle an Aufgaben.

Nämlich?

HEILIG: Wir mögen in Sachen Gleichberechtigung rechtlich vieles erreicht haben, aber die Realität sieht anders aus. Denken Sie nur an die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Oder an das Thema Frauen in Führungspositionen. Da ist die Medizin das beste Beispiel: Medizin ist heute weiblich – es gibt mehr Ärztinnen als Ärzte. Aber wie viele Frauen sind in den Kliniken in Führungspositionen? In Höchst gibt es nur zwei Chefärztinnen. Und wie viele Krankenhäuser haben Geschäftsführerinnen? In Frankfurt gerade zwei. Wenn sich dann tatsächlich mal eine Frau im Männerwettbewerb durchsetzt: Wie stark und misstrauisch wird sie bisweilen beäugt? Da ist noch viel zu tun. Ich möchte mich aber auch für die geflüchteten Frauen einsetzen, die mit einem Trauma hier angekommen sind. Für diese Frauen suche ich dringend ein Haus, damit sie sich zurückziehen können. Sie sehen: Aufgaben gibt es mehr als genug. Ich finde das spannend und freue mich darauf.

Welchen Rat haben Sie für Ihren Nachfolger?

HEILIG: Herrn Majer muss ich politisch und fachlich gar nichts raten, weil er ein sehr erfahrener Politiker ist und ein ausgewiesener Gesundheitsfachmann. Er und ich sind künftig die einzigen beiden Dezernenten der Grünen im Magistrat. Das ist für uns eine neue Rolle. Aber ich versichere Ihnen: Wir werden uns um mehr als unsere Kernthemen kümmern und uns auch in gesamtpolitische Fragestellungen einmischen.

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