Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Wolfgang Link geht nach gut 43 Jahren bei der Polizei in den Ruhestand: „Sehnsucht nach der Arbeit im Revier“

Von Vier Jahrzehnte war Wolfgang Link beim Frankfurter Polizeipräsidium. Als Schutzmann hat er sieben Präsidenten, die Proteste gegen die Startbahn West und Tausende von Festnahmen miterlebt. Gestern hängte „Schutzmann Link“ seine Dienstmütze für immer an den Nagel.
Wolfgang Link, gestern Morgen vor dem 8. Polizeirevier. Die Dienstwaffe hatte er zum Zeitpunkt des Fotos  schon abgegeben. Foto: Salome Roessler Wolfgang Link, gestern Morgen vor dem 8. Polizeirevier. Die Dienstwaffe hatte er zum Zeitpunkt des Fotos schon abgegeben.
Frankfurt. 

Wolfgang Link wollte seine Polizeilaufbahn so beenden, wie er sie begonnen hatte: als Schutzmann im Frankfurter Süden. Deshalb ließ er sich schon nach seinem Ausscheiden aus dem Personalrat des Frankfurter Polizeipräsidiums ins 8. Revier in Sachsenhausen versetzen. Nach ein paar Dienstwochen dort war es gestern soweit: Am frühen Morgen gab der Erste Polizeihauptkommissar nach gut 43 Jahren bei der Landespolizei seine Dienstpistole ab. Und zum Feierabend um 17 Uhr hängte er die Uniform und Mütze für immer an den Nagel, um in den Ruhestand zu gehen.

Mit Ausnahme der Ausbildung hat Link seine komplette Laufbahn als Polizist in Frankfurt verbracht, was ihn zu einer Rarität in immer schnelllebigeren Zeiten macht. „Ich war Schutzmann mit Leib und Seele“, betont der 60-Jährige. In den neun Jahren, die er als Personalratsmitglied im Präsidium an der Adickesallee verbrachte, habe er „immer Sehnsucht nach der Arbeit im Revier“ gehabt. Vor allem den Kontakt mit den Bürgern habe er im Präsidium vermisst. Daher habe er sich zuletzt, beim 8. Revier, auch mal Zeit für eine Fußstreife zu Geschäftsleuten genommen, wie er es früher häufig getan habe.

Im Stadtteil vernetzt

Der Beruf des Schutzmanns habe sich in den vergangenen vier Jahrzehnten stark verändert, findet Link. Früher seien die Polizisten in den Stadtteilen besser vernetzt und bekannt gewesen, sagt er. Heute bleibe für Kontaktpflege und Fußstreifen kaum Zeit, weil die Beamten „von einem Einsatz zum nächsten“ eilen müssten. Verbessert hätten sich dafür die Schutzausrüstung und Fahrzeugtechnik. „Früher hatte man auf Demos ja nicht einmal eine Schutzweste an.“

Das düsterste Ereignis seiner Polizeilaufbahn seien für ihn die Schüsse auf Kollegen bei den Protesten gegen die Stadtbahn West gewesen. Zwei Polizisten starben, sieben weitere wurden verletzt. „Ich hatte Glück, weil ich nicht im Dienst war, es hätte mich ganz genauso treffen können“, sagt Link.

Während der Proteste hätten bei ihm immer „zwei Herzen in der Brust“ geschlagen: Obwohl er die neue Startbahn selbst kritisch gesehen habe, sei er der Polizei gegenüber loyal gewesen. Leicht sei das nicht gefallen: „Ich kannte ja auch Leute, die mitdemonstrierten.“ Als Polizist sei man damals ein Buhmann gewesen, daran seien auch „Freundschaften zerbrochen“.

Link hat im Laufe seiner Berufszeit nach eigener Schätzung Tausende von Menschen festgenommen, „Festnahmen sind im Streifendienst ja alltäglich“. Erfreut zeigt sich Link darüber, dass er in all den Jahren bei der Polizei kein einziges Mal auf einen Menschen schießen, ja nicht einmal eine Waffe auf eine Person richten musste. „Das Ziehen hat häufig ausgereicht, um Aggressoren einzuschüchtern – die beste Waffe ist aber sowieso immer die Stimme, die Kommunikation.“

Von den Marken Walther, Sig Sauer und Heckler & Koch stammten die drei Pistolentypen, die Link seit 1974 nacheinander bei sich trug. Bei der Frankfurter Polizei hat er sieben Präsidenten und den Umzug des Präsidiums vom Hohenzollernplatz (Friedrich-Ebert-Anlage) in die Adickesallee erlebt. Link war 43 Jahre bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP), deren Frankfurter Bezirksgruppe er zeitweise auch leitete. Zuletzt kam es zu Meinungsverschiedenheiten über den Kurs der Frankfurter GdP. Link stellte zusammen mit einem Kollegen eine eigene Liste für die Personalratswahl auf. Wegen dieses Satzungsverstoßes schloss ihn die GdP aus.

Pilze sammeln

In seinem Ruhestand, der offiziell am 1. Dezember beginnt, will Link, der mit seiner Frau in Niederrad lebt und drei Söhne hat, mehr Zeit mit seinen sieben Enkelkindern verbringen. „Wir gehen zum Beispiel Pilze sammeln, ich koche nämlich auch gern.“ Ein weiteres großes Projekt wird die Modelleisenbahn sein. Für die hat Link in den vergangenen Jahren schon unzählige Polizeiauto-Modelle mit Blaulicht versehen – die Eisenbahnwache wird gut ausgestattet sein.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse