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Gastro-Kolumne: „Talbub“ im Gallus: Ohne Schnick-Schnack, aber mit Liebe zum Detail

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Hat sich mit dem „Talbub“ im Gallus seinen Wunsch vom eigenen Restaurant erfüllt: Thomas Bublat strahlt hinter der Theke. Foto: Rainer Rüffer Hat sich mit dem „Talbub“ im Gallus seinen Wunsch vom eigenen Restaurant erfüllt: Thomas Bublat strahlt hinter der Theke.

Es ist wie ein neues Leben“, sagt Thomas Bublat, Inhaber des „Talbub“ im Gallus. Um sich seinen Wunsch vom eigenen Restaurant zu erfüllen, hat er seine Stelle bei Procter & Gamble gekündigt – und das nach mehr als 20 Jahren bei dieser Firma. „Ich hatte einen guten Job, der mir gutes Geld einbrachte. Doch Spaß hat mir das Ganze nicht mehr gemacht.“ Deshalb sei er aus seiner Komfortzone herausgetreten und noch einmal ganz neu durchgestartet.

Dass er sich für die Gastrobranche entschieden hat, ist kein Zufall gewesen. Seine Eltern hatten früher das Marktstübchen am Offenbacher Wilhelmsplatz betrieben und er dort immer wieder ausgeholfen. Er wusste demnach genau, was in einem Lokal so alles anfällt. Trotzdem hat er seine Kenntnisse in Kursen und Workshops aufgefrischt. „Immerhin enden 25 Prozent der Neueröffnungen noch im ersten Jahr mit der Pleite“, weiß Bublat. Entweder, weil man den Aufwand unterschätze, sich selbst überschätze oder falsch plane. „Ich dachte, so etwas passiert mir nicht.“ Das Arbeitspensum gerade in der Anfangsphase fordere trotzdem enorme Kraft. Er müsse viel investieren, bekomme aber auch viel zurück. „Das Feedback ist sehr positiv.“

Ein Grund dafür dürfte die lässige Einrichtung des Restaurants im Gallus sein. Warum er gerade diesen Stadtteil ausgewählt hat? „Ich bin 2011 hierhergezogen und habe mich sofort in die Gegend verliebt.“ Außerdem ist er bei seinem Vorgänger, dem Lokal „Beste Freunde“, zu Gast gewesen. Als die Betreiberinnen beruflich kürzer treten wollten, hat er die Chance ergriffen und den Zuschlag erhalten. Um daraus sein eigenes Baby zu machen, brauchte er sechs Wochen – und die Hilfe von Freunden. „Ich habe viele tolle Leute um mich herum“, erzählt Bublat. „Ohne deren Unterstützung hätte ich das nicht geschafft.“ Katrin Janek, Inhaberin der Marketing-Agentur „Createur“, ist eine von ihnen. Sie hat die originellen Flyer entworfen und ihm auch bei der Gestaltung des Gastraums unter die Arme gegriffen. Die Theke im vorderen Bereich des Restaurants, das er ohne nutzlosen Schnick-Schnack, dafür aber mit Liebe zum Detail eingerichtet hat, ist übrigens sein ganzer Stolz. „Ich habe sie aus Beton gießen lassen, und zwar von Concrete Jungle, einer Betonmanufaktur in Frankfurt“, sagt er. Und damit passt sie perfekt zu seinem Motto „eigen. sinnig. regional.“

Aus der Region stammen auch die Produkte für das kulinarische Angebot. Die Offenbacher Käserei L’Abbate beliefert ihn genauso wie Righetti, die Nudelmanufaktur aus Mühlheim. Und das herzhaft schmeckende Sauerteigbrot, das die Gäste zur würzigen Brokkolisuppe verspeisen können (4,50 oder 5,80 Euro), bezieht er von der Frankfurter Bäckerei Huck. Zu deren Kunden zählt auch „Best Worscht in Town“. Neben der wechselnden Tagessuppe listet die kleine Speisekarte knackige Marktsalate, etwa mit gerillten Auberginen, gerösteten Sonnenblumenkernen und einem Joghurt-Dressing, das durch einen Spritzer Zitrone zusätzlichen Schmackes erhält (5,80 oder 7,80 Euro). Hinzu kommen ein Fleischgericht sowie Risotto oder Pasta. Die Orecchiette mit Tomatensauce, Basilikum (frisch gepflückt) und Parmesan (frisch gehobelt) bleiben nicht nur wegen der guten Produkte in ebensolcher Erinnerung. Das einfache und leckere Gericht (7,50 Euro) ist auch versiert zubereitet. „In meiner Küche steht Tomas Balogh am Herd“, so der Betreiber. Der ungarische Lehrer hat in Deutschland seine Liebe zum Kochen entdeckt und schon für die „Besten Freunde“ gearbeitet. Im „Talbub“ gehören auch deftige oder süße Waffeln zu seinem Angebot, darunter eine Variante mit zimtigem Pflaumenkompott (5,40 Euro). Außerdem verkaufen Balogh und Bublat morgens frisch belegte Pausenbrote und nachmittags selbst gebackenen Kuchen.

Zu letzteren können die Gäste ein Käffchen genießen, das aus der Privatrösterei Schmidt in Dreieich stammt. Es soll lieber etwas Prickelndes ein? Kein Problem, der Apfel-Quitten-Secco von der „Roten Pumpe“ in Bad Nauheim präsentiert sich als spritzige Fruchtbombe (3,40 Euro). Die kleine Weinkollektion hingegen wird von der Familie Fogt aus Rheinhessen bestückt. „Die haben eine Scheurebe, die echt der Knaller ist“, sagt Bublat. Und er fügt hinzu: „Ich kann das Rad nicht neu erfinden, picke mir für mein erstes eigenes Lokal aber die besten Produkte heraus.“ Wenn alles gut läuft, soll 2018 ein zweites folgen – und zwar auf dem Römerberg.

 

Talbub: Gallus, Kriegkstraße 50, Tel. 37408163, www.talbub.de, Mo + Fr 8–18, Di/Mi/Do 8–22, Sa 10–17, So Ruhetag, Sitzplätze: 28 innen/35 außen

 

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