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Zwölf Menschen haben sich binnen weniger Tage angesteckt: „Weitere Masernfälle nicht auszuschließen“

Zwölf Menschen haben sich nach den drei Masernfällen am Höchster Friedrich-Dessauer-Gymnasium binnen weniger Tage mit der Infektionskrankheit angesteckt. Hat das Gesundheitsamt die Lage noch im Griff? Redakteurin Stefanie Liedtke hat darüber mit Dr. Antoni Walczok gesprochen, Leiter der Infektiologie im Gesundheitsamt.
Nur mit einer impfbescheinigung dürfen derzeit die Leibnizschule und das Friedrich-Dessauer-Gymnasium in Höchst besucht werden. Foto: Daniel Karmann (dpa) Nur mit einer impfbescheinigung dürfen derzeit die Leibnizschule und das Friedrich-Dessauer-Gymnasium in Höchst besucht werden.

Zwölf neue Masernfälle binnen weniger Tage, unter anderem hat sich ein neun Monate altes Baby angesteckt – geraten die Masern außer Kontrolle?

DR. ANTONI WALCZOK: Nein. Wir haben die Lage im Griff. Zu den Folgefällen gehören auch Geschwisterkinder, die sich angesteckt haben. Wenn Eltern ihre Kinder nicht impfen wollen und eines der Kinder bekommt Masern, können Sie davon ausgehen, dass die Geschwister sich anstecken.

Bei dem erkrankten Säugling gibt es keine nachvollziehbare Verbindung zu den übrigen Fällen. . .

WALCZOK: Das ist richtig, aber da es sich um den gleichen Stadtteil handelt und das Kind den Stadtteil nicht verlassen hat, ist davon auszugehen, dass es dort irgendwann, irgendwo einen Kontakt gegeben hat.

Beim letzten großen Masernausbruch 2014/15 in Berlin waren es am Ende mehr als 1000 Fälle. Könnte das hier auch passieren?

WALCZOK: Das erwarte ich nicht. Natürlich kann ich nicht ausschließen, dass es weitere Fälle gibt. Aber wir betreiben einen sehr großen Aufwand, um das zu verhindern. Deshalb haben wir uns ja die Mühe gemacht, an den betroffenen Höchster Schulen die Impfausweise aller Lehrer und Schüler zu sichten und Schulverbote ausgesprochen.

Früher haben die Leute Masernpartys veranstaltet, damit sich die Kinder anstecken und anschließend immun sind gegen die Erkrankung. Warum heute die ganze Aufregung?

WALCZOK: Weil Masern eben keine harmlose Kinderkrankheit sind. Masern können beispielsweise zu schweren Lungenentzündungen führen. Besonders gefürchtet aber sind die schweren Hirnentzündungen. Hier gibt es auch eine spezielle Form, die erst nach Jahren auftritt und immer tödlich verläuft. Das mögen seltene Fälle sein, aber wenn Ihr Kind davon betroffen ist, ist das tragisch. Man darf nicht vergessen, dass Masern hochansteckend sind, selbst dann, wenn es noch gar keine Krankheitsanzeichen gibt.

Dabei gibt es einen wirksamen und gut verträglichen Impfschutz gegen Masern. Wie kann es sein, dass wir uns überhaupt noch mit der Krankheit herumschlagen müssen?

WALCZOK: Weil viele Eltern die Krankheit unterschätzen. Kinder sind ja tatsächlich ein Leben lang immun, wenn sie einmal die Masern hatten. Und mit ein bisschen Glück verläuft die Krankheit ohne Folgeschäden. Wer allerdings kein Glück hat, dessen Kind trägt einen schweren Hirnschaden davon oder stirbt schlimmstenfalls.

Macht es Sie wütend, wenn Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen?

WALCZOK: Es macht mich nicht wütend, für mich ist das schlicht nicht nachvollziehbar. In anderen Ländern sind die Menschen dankbar, dass es den Impfstoff gibt.

Was halten Sie von einer Impfpflicht?

WALCZOK: Aus rein medizinischer Sicht würde ich sagen: Das ist wünschenswert. Am Ende ist es eine politische Entscheidung.

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