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Fußballliebende Syrer betreten Neuland

Korrekt heißt das Spiel im Nachbarland Pétanque. Sei’s drum: Längst ist die Boule-Welle aus Frankreich nach Deutschland übergeschwappt. Bürgerkriegsflüchtlinge aus Vorderasien finden Gefallen daran.
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Kriftel. 

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Kriftel seit einigen Jahren im Boule-Fieber ist. Seit 2011 kommt der Boule-Treff im Freizeitpark an zwei Tagen in der Woche zusammen, um eine ruhige Kugel zu schieben. Zuletzt nahmen die Spieler einen dritten Termin hinzu. „Wir haben da eine kleine Lawine losgetreten“, erklärt Gründungsmitglied Ursula Müller, „anfangs haben wir noch auf den Gehwegen gespielt, jetzt haben wir teilweisen 35 bis 40 Spieler auf den vier Boule-Plätzen.“

Am vergangenen Wochenende schloss man sich darüber hinaus mit Marko Jankovic und Gökhan Dertli, die vor drei Jahren ein Mitternachtsturnier ins Leben riefen, zusammen. Gemeinschaftlich beschlossen sie, darüber hinaus auch die Flüchtlinge aus Kriftel und Hofheim an Bord zu nehmen. George Kajanian und Maucr Mohammad etwa gingen als „Team Syrien“ in das Turnier – und das, obwohl die Sportart in ihrer Heimat weitestgehend unbekannt ist. „Ich habe vorher noch nie gespielt und interessiere mich eigentlich eher für Fußball“, erklärt Kajanjan, „aber auch Boule macht wirklich Spaß.“ Auf die Frage, ob er und sein Teamkollege sich denn ob der mangelnden Spielpraxis Chancen auf ein gutes Abschneiden beim Turnier ausrechnen, legt George Kajanjan ein breites Grinsen auf. „Soweit ich weiß, bin ich der beste Spieler im Turnier, und wir werden gewinnen“, verkündet er und bricht zusammen mit Maucr Mohammad in lautes Gelächter aus. Auch nach dem sportlichen Wettkampf hatten die beiden gut lachen, schließlich wurde das Duo Sechster von 16 Mannschaften. Letztlich sei die Platzierung aber nicht entscheidend gewesen, sondern der Spaß. „Wir wollen alle, dass die Flüchtlinge nicht nur neben uns, sondern auch mit uns leben“, bringt es Ursula Müller auf den Punkt.

Auch für Marko Jankovic hat der soziale Aspekt den höchsten Stellenwert. „Ich selbst betrachte mich nicht als aktiven Flüchtlingshelfer, aber über eine in Hofheim engagierte Freundin habe ich einige der Menschen dort kennen gelernt und Freundschaften geschlossen“, berichtet der Initiator des Mitternachtsturniers. Es ist nun eine jährliche Wiederholung angedacht. Als Titelverteidiger werden im kommenden Jahr Heike und Hans Großmann ins Rennen gehen, die diesmal ungeschlagen blieben. Als Gewinner dürfen sich aber letztlich alle Teilnehmer fühlen, zumal der Erlös aus der Startgebühr den Flüchtlingsunterkünften in Kriftel und Hofheim zugutekommen wird.

(rk)
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