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„Das Publikum darf mitklatschen“

<span></span> Foto: (HR/Pressestelle)

Wenn das HR-Sinfonieorchester zum Open Air aufspielt, darf einer nicht fehlen: Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada. Der gebürtige Kolumbianer ist für sein mitreißendes Temperament bekannt, das auch das Freiluftkonzert auf der Weseler Werft beflügeln wird. Seine leidenschaftliche Musizierlust hat der 38-Jährige, der in Wien die höheren Weihen des Dirigierens empfing, jüngst mit seinem Beethoven-Sinfonien-Zyklus in der Alten Oper Frankfurt und mit seinen furiosen CD-Einspielungen von Strawinskys Ballettsuiten „Feuervogel“ und „Sacre du Printemps“ bewiesen. Das Programm des diesjährigen Freiluftkonzerts am Mainufer dürfte ihm aufgrund des südamerikanischen Flairs besonders liegen.

Herr Orozco-Estrada, wie kam es zu dem rein amerikanischen Programm für das diesjährige Open Air?

ANDRÉS OROZCO-ESTRADA: Programme für ein Open-Air-Konzert wie dieses entstehen immer durch einen munteren Ideenaustausch und inspiriertes Nachdenken. Besonders gefällt mir an dem Thema „Amerika“ seine Vielseitigkeit. Gershwin und Bernstein sind beide US-Amerikaner. Beiden ist es gelungen, Musik zu komponieren, die gleichzeitig unterhaltsam und anspruchsvoll ist – kein leichtes Unterfangen. Ginastera, von dem wir vier Tänze aus seinem Ballett „Estancia“ spielen, ist Argentinier und er verbindet in seiner charaktervollen Musik Elemente von argentinischer Folklore mit moderner klassischer Musik. Jimmy López werden die meisten Zuhörer zum ersten Mal hören. Er ist Peruaner, erst 37 Jahre alt und einer der meistgeschätzten Komponisten Südamerikas. Sein Stück „América salvaje“ ist ein großes Crescendo, eine Hommage an das „Wilde Amerika“, farbenreich und fantasievoll. Ich freue mich sehr auf unser Open Air und auch ganz besonders darauf, dass wir mit Michel Camilo, der aus Santo Domingo stammt, einen der großen Jazz-Pianisten nach Frankfurt holen konnten.

Haben Sie keine Angst davor, dass die Zuhörer zur Musik laut mitklatschen und tanzen?

OROZCO-ESTRADA: Wenn wir Musik machen, machen wir das nicht für uns, sondern für unsere Zuhörer. Musik bewegt und löst bei den Menschen viele Gefühle aus: Fröhlichkeit oder Traurigkeit, Beseeltheit, Ernst oder Übermut. Wenn die Zuhörer den Impuls verspüren, im Takt der Musik mitzuklatschen oder zu tanzen – warum nicht?

Wie reagieren Sie auf die im Vergleich zum Konzertsaal veränderten akustischen Bedingungen bei einem Freiluftkonzert?

OROZCO-ESTRADA: Vieles, was für ein Konzert in einem Konzertsaal wichtig ist, ist auch für ein Open-Air-Konzert entscheidend: die richtige Balance zwischen den einzelnen Instrumentengruppen, Genauigkeit, Dynamik oder Klangqualität. Da der Klang außerdem über Lautsprecher verstärkt wird, braucht es exzellente Toningenieure, die das technisch optimal umsetzen. Und da haben wir beim HR hervorragende Unterstützung. Eine Umstellung ist das Hören auf der Bühne. Die Musiker hören sich und ihre Kollegen anders als im Konzertsaal, wobei sich die Konzertsäle auch zum Teil erheblich unterscheiden. Unsere Generalprobe findet unter Konzertbedingungen statt, und so haben wir die Gelegenheit, uns an die unüblichen akustischen Bedingungen zu gewöhnen und am musikalischen Ergebnis zu feilen.

Was muss man als Dirigent bei einem solchen musikalischen Groß-Ereignis unter freiem Himmel beachten?

OROZCO-ESTRADA: Die Atmosphäre ist anders als üblicherweise, auch die Temperatur, Windverhältnisse und sogar Gerüche. Plötzlich nehmen wir im Konzert den Sonnenuntergang wahr! Und immer wieder gibt es Überraschungen, wie zum Beispiel ein vorbeifahrendes Partyboot, bellende Hunde oder Vögel, die in eine Generalpause pfeifen. All das passiert spontan, ruft Reaktionen beim Publikum und auch bei den Musikern hervor und macht schließlich den großen Reiz eines Freiluftkonzertes aus.

Was wünschen Sie dem Publikum?

OROZCO-ESTRADA: Einen fröhlichen und gelassenen Abend bei wunderbarer Musik! md

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