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Stadtgeflüster: Achim wird zum Prügelknaben

Damit sich Senioren gegen Angreifer wehren können, stellt sich der Moderator als Übungspartner zur Verfügung.
Schaut, als müsse er sich fürchten. Fürs Training gegen Angreifer schlüpfte Achim Winter in die Rolle des Opfers. Bilder > Foto: Bernd Kammerer (.) Schaut, als müsse er sich fürchten. Fürs Training gegen Angreifer schlüpfte Achim Winter in die Rolle des Opfers.
Frankfurt. 

Das Schreien tut mir richtig gut“, sagt die alte Dame zufrieden. Gerade hat ZDF-Moderator Achim Winter („Hallo Deutschland“) von ihr lauthals „Keile“ bekommen, natürlich nur zu Übungszwecken, denn beim Kurs des „Frankfurter Verbands“ in Bockenheim geht es um den Umgang mit Gewalt und Aggression im Alltag. Einmal in der Woche wird trainiert, sich gegen Angreifer zu wehren, auch wenn man mit einem Rollator unterwegs ist. Kampfkunst-Experte Jérome Gravenstein zeigt den Seniorinnen und Senioren gezielte Tritte und Mittel zur Deeskalation, und Achim Winter gibt sich dafür gern als „Prügelknabe“ her.

„Seit zwölf Jahren praktiziere ich die chinesische Kampfkunst Wing-Tsun, die auf Selbstverteidigung spezialisiert ist“, erzählt der Moderator, der mit seiner Familie in Bockenheim lebt. Für seine drei Töchter habe er nach einer effektiven Methode zur Selbstverteidigung gesucht, und diese auch für sich selbst beim Wing-Tsun gefunden. „Ich bin relativ unsportlich“, gibt der 57-Jährige zu. Da kommt ihm das Training gerade recht, denn Athletik, Kraft und Kondition spielen hier eine untergeordnete Rolle.

Ausholen mit der rechten Hand zur „Sense“ gegen den Hals des Angreifers, dazu Tritte gegen dessen Kniescheiben – und wenn das nicht hilft: „Schreien, Beißen und Kratzen“, so Co-Trainer Achim Winter. Gerade Frauen falle es noch schwer, in Notsituationen zu schreien, weiß er. Alle Kursteilnehmer sind inzwischen mit einem Schrill-Alarm für die Handtasche ausgestattet und wissen ihn zu betätigen, wenn es eng wird. „Durch unser Training wird keiner zur Kampfmaschine, das ist auch nicht der Sinn. Der Nicht-Kampf steht im Vordergrund, das heißt, Mittel einzusetzen, um den Kampf von vornherein zu vermeiden.“

In richtig brenzlige Situationen geriet Achim Winter selbst noch nie, allerdings denkt er noch oft an die vielen Spätdienste in seiner Zeit als „Heute Journal“-Moderator zurück. „Da stand ich immer um Mitternacht an der Konstablerwache, wollte nach Hause. Ehrlich, manchmal hatte ich Angst. Schon immer träumte ich davon, mich selbstverteidigen zu können.“ Erst seine Töchter gaben den Startschuss, die Sache endlich in die Hand zu nehmen, die jüngste fing schon mit fünf Jahren an in Wing-Tsun-Trainings Sicherheit und Selbstbewusstsein gegenüber fremder Gewalt zu üben.

Als die Anfrage von Jérome Gravenstein kam, einmal Co-Trainer zu sein, sagte der Moderator sofort zu: „Ich habe viel Spaß daran, und werde auch beim nächsten Kurs in Herbst dabei sein. Außerdem findet er in meiner Nachbarschaft statt.“ Trotz des ernsten Themas genießen die fast durchweg über 70-jährigen Teilnehmer die teils deftigen Kommentare des TV-Promis, lachen und fassen Mut, sich nicht als Opfer potenzieller Straßengewalt zu sehen: „Immer schön aufs Gesicht und in die Eier!“ Selbst wenn man bereits durch Tritte oder Schläge am Boden liege, müsse die Haltung sein „bloß nicht aufgeben“. Für Mut sei es nie zu spät, schließt Achim Winter, er habe sich nicht in der Schule geprügelt, und lange hielt er sich für eine „Flasche in der Selbstverteidigung“. Das sei heute anders, nicht zuletzt dank dem Grundsatz, den jeder kenne, der sich einmal in einer Gefahrensituation befunden habe: „Wut gibt Kraft.“

(fai)
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