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Stadtgeflüster: Alte Autos und neue Vorsätze

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer und Tine Wittler waren bei Bernd Reisigs Bembel-Gebabbel zu Gast.
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hatte sich auf dem Weg zu Bernd Reisigs Talkshow in der Haltestelle geirrt und musste sich mächtig sputen. Tine Wittler kam mit dem eigenen Auto aus Hamburg angereist. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hatte sich auf dem Weg zu Bernd Reisigs Talkshow in der Haltestelle geirrt und musste sich mächtig sputen. Tine Wittler kam mit dem eigenen Auto aus Hamburg angereist.
Frankfurt. 

Es kommt nicht oft vor, dass ein Politiker von weit her mit dem Zug anreist, dann die Straßenbahn nimmt, an der falschen Haltestelle aussteigt und die restliche Strecke zu Fuß läuft. Am Ende schaffte es der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (44) doch noch rechtzeitig zur Talkshow „Bembel und Gebabbel“ im Lokal der Friedberger Warte.

Medienmann Bernd Reisig hatte das streitbare Grünen-Stadtoberhaupt, dessen „Dienstfahrzeug“ das Fahrrad ist, in die Runde eingeladen, auch um sich an dessen Kondition ein Vorbild zu nehmen, denn der Talkmaster will in den nächsten Monaten 20 Kilo für den guten Zweck abspecken. Eine echte Herausforderung, wenn man „süchtig nach Spaghetti-Eis“ ist, wie er verriet.

Sportlich auf andere Art kam die ehemalige TV-Einrichtungsfee Tine Wittler („Einsatz in 4 Wänden“) daher, die 43-jährige Hamburgerin reiste mit dem eigenen Auto an, um nach der Show gleich wieder Richtung Norden zu düsen. Aus diesem Grund verzichtete sie auf Apfelwein, was ihrer guten Laune aber keinen Abbruch tat, vielmehr spielte sie ihre Qualitäten als „singende Wirtin“, (in Hamburg gehört ihr das Lokal „parallelwelt“) und gab stimmstark ein „Tresenlied“ von ihrer neuen CD zum Besten. „Einer kommt dem anderen dämlich, Hausverbot!“, sangen die Frankfurter Gäste im Schunkelmodus mit.

Sie sei durch ihren Beruf eine „Nachteule“, erzählte die Vollblut-Gastronomin und machte ihrem Ärger Luft: „Ich werde frühmorgens vom Gesang der Vögel wach, mit unserer Katze wohnen wir in einem Vogelschutzgebiet.“ Ganz ernst war das nicht gemeint, Ironie und Doppeldeutigkeiten sind ihre Stilmittel. Von den quietschfidelen Vögeln war es dann nicht mehr weit zum Nähkästchen ihres alten Jobs bei „Bravo-TV“, wo sie „volles Rohr“ gegeben habe. Seinerzeit fuhr sie für den Sender mit ihrem roten VW-Käfer-Cabrio durch die Lande, um die Zimmer von Teenagern mit wenigen Tricks aufzumöbeln. „Ich hatte jeweils ein Budget von 200 Mark, das klappte aber gut. Das Auto von damals habe ich noch, daran hänge ich. Es hat alle Krisen überstanden“, so das Allroundtalent, von dem man auch Bücher kennt.

In Sachen „durch die Lande“ kann Boris Palmer mithalten, das liege in seiner Familie, gab der Politiker, der seit 2007 im Amt ist, zu verstehen: „Mein Vater Helmut Palmer kandidierte bei über 250 Wahlen in Baden-Württemberg, einmal wäre er fast Oberbürgermeister geworden.“

In der Talkrunde auf die „Mohrenkopf-Affäre“ angesprochen – Facebook hatte Boris Palmer gesperrt, nachdem dieser auf das Produkt eines schwäbischen Konditors hingewiesen hatte – betonte er: „Mit Rassismus hatte das rein gar nichts zu tun, man sollte doch die Kirche im Dorf lassen. Heute heißt das Produkt ,Schokolino’, und alle sind glücklich.“

Obwohl er bei Facebook „Lehrgeld“ gezahlt habe, melde er sich weiter über diese Plattform zu Wort – und zwar stets persönlich. „Es gibt kein Team dahinter. Kürzlich kam es vor, dass über 1000 Leser kommentierten“, erklärte der Rebell, den die Tübinger Bürger mehrheitlich wählten. Als Wunschtitel suchte er sich aus dem Talk-Plattenfundus einen Kim-Wilde-Song aus, der ihn an seine Jugend erinnere: „Die 80er Jahre haben mich geprägt. Ich nahm Radiohits auf dem Kassettenrekorder auf, leider schmolz meine Lieblingskassette versehentlich auf der Elektroheizung.“

Obwohl bei Bernd Reisig durch die Rede von Schaumküssen Hungergefühle aufkamen, blieb der Talker bei einem Teller mit rohem Gemüse standhaft. Und damit sich das nicht ändert, hatte er AOK-Fitnesscoach Harald Sedlmayer eingeladen, dieser wird ihn „auf Trab“ bringen, damit die Vorsätze nicht zu „Dust in the wind“ werden, wie die Rockband Kansas an diesem Abend von der Platte sang.

(fai)
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