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Alte Geschichte in modernem Gewand

Michael Quast und seine Truppe bei den Proben zu Barock am Main Foto: Maik Reuß Michael Quast und seine Truppe bei den Proben zu Barock am Main

Matthias Scheuring schwitzt. Der dichte Bart, die Wollkappe. Dabei ist es im Saal des Pfarrheims von St. Josef noch recht angenehm temperiert; die Läden sind zu. Doch der Schauspieler, einer der Lieblinge aus der Stammtruppe im Barock-am-Main-Ensemble von Michael Quast , hört interessiert zu, als von Kühl-Akkus unter Bauarbeiterhelmen oder den Bärenfellmützen der Soldaten der Queen die Rede ist. Doch die Requisiteurin zuckt nur mit den Schultern – heute muss es auch so gehen.

Michael Quast, Matthias Scheuring und Katerina Zemankova proben eine kleine Szene aus dem neuen Stück, das am Mittwoch, 26. Juli, im Hof der Höchster Porzellan-Manufaktur Premiere haben soll. Weil der Bolongaropalast umgebaut wird, muss das Theaterfestival umziehen. Die Bühne im Hof der Manufaktur wird aber erst in der Woche vor der Premiere aufgebaut; deshalb hat die Theatertruppe den Saal des Pfarrheims angemietet. „Hier ist es prima; wir sind sehr dankbar dafür“, sagt Quast – und sieht sich im gleichen Moment einer blitzenden Klinge ausgesetzt: Kollege Scheuring alias Hauptmann Kimmel will ihm ans Leder. Doch Katerina Zemankova („es Lenche“) wirft sich dazwischen.

Wie viele S-C-H kann man in einem kleinen, aufgehitzten Dialog verstecken? Quasts Hausautor Rainer Dachselt , der bis kurz vor Probenbeginn mit Regisseurin Sarah Groß an der Endfassung der hessischen Version von „Der Alchemist“ von Ben Jonson geschrieben hat, liefert eine Vorgabe:

„Isch schdesch disch!“

„Schdisch doch!“

„Isch schdisch!“
Oder haben Quast und Scheuring improvisiert? Die Dialoge sind noch fern von ihrer Endfassung. „Wir haben uns die Passagen in den vergangenen Tagen meist nur vorgelesen“, sagt Quast, der im neuen Stück wieder die Hauptrolle spielt. Einen Gauner. Derer gibt es drei, und alle drei vereint eine Geschäftsidee: Als der alte Herr von Humbracht sein Geschäft und die Stadt wegen der Pest verlässt, tut sich sein Verwalter (Scheuring) mit einem Betrügerpärchen (Quast, Zemankova) zusammen und macht in dem leeren Gebäude eine Alchemistenbude auf.

Schnell spricht sich herum, dass in dem Haus wundersame Dinge vor sich gehen. Vom Weißen Gold ist die Rede, das sensationelle Kräfte verleihen soll. Bald steht halb Frankfurt Schlange und erhofft sich Reichtum, Macht und Liebesglück. Nur Herr Knodder bleibt skeptisch und versucht, dem Trio das Handwerk zu legen. Platzt irgendwann der Betrug oder wenigstens der große Kessel im sagenumwobenen Labor? Oder kommen die drei mit ihrem Hokuspokus durch?

„Der Alchemist“ ist eine rasante Komödie über die Macht leerer Versprechungen und den unbedingten Glauben an teure Wunder – und damit passt sie wunderbar in die heutige Zeit mit ihrer Diskussion über „Fake News“ und twitternde Präsidenten. Dabei stammt sie aus dem frühen 17. Jahrhundert: Der englische Dramatiker Ben Jonson arbeitete noch mit Shakespeare zusammen. Seine großstädtische Sittenkomödie ist wunderbar für Barock am Main geeignet; zum ersten Mal wird damit in diesem Jahr kein „hessischer Molière“ gegeben, sondern ein „hessischer Jonson“.

Die Porzellan-Manufaktur als Hort des „Weißen Goldes“ bildet die bespielbare Kulisse der Alchemistenbude. „Wir werden ein Labor haben, aus dem es qualmt und leuchtet“, freut sich Quast. Acht Schauspieler sind in 13 Rollen zu sehen. „Da wird hinter der Bühne umgeschminkt und umgekleidet, das geht ziemlich rasant“, sagt Quast. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. „Geprobt wird in der Endphase auch an den Wochenenden“, vermutet Quast – aus leidvoller Erfahrung. Die letzten Proben werden allerdings schon auf der Bühne im Hof der Manufaktur stattfinden.

Der Platz hinter der Manufaktur, die in einem Gebäude der ehemaligen Breuerwerke an der Palleskestraße residiert, wird aufwendig für die Spielzeit hergerichtet; es gibt ein Catering wie im Bolongarogarten. Allerdings stehen kaum Parkmöglichkeiten zur Verfügung, aber das ist nicht viel anders als am Bolongarogarten. „Von den Parkhäusern am Gleisdreieck oder im Lindner-Hotel sind es fünf Minuten zu Fuß“, sagt Quast. Trotzdem sind die Vorstellungen, die bis zum 20. August dauern, schon zu 75 Prozent ausverkauft. „Es gibt aber für fast alle Tage noch Karten“, weiß Michael Quast.

Hier gibt es Tickets

Der Eintritt kostet 26 bis 37 Euro. Sie gibt es wie weitere Infos im Internet unter www.barock-am-main.com oder unter Telefon (0 69) 4 07 66 20.

(hv)
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