Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 12°C

„Auf der Erde ist doch Platz für alle“

Thomas Reiter erzählt von seinem Leben . Foto: BERNDKAMMERER@GMX.NET (.) Thomas Reiter erzählt von seinem Leben .

Als er nach einem halben Jahr im All aus der Schwerelosigkeit zurück auf die Erde kam, überraschte ihn vor allem eins: die Gravitation. Es war erstaunlich, zu spüren, wie schwer sich der eigene Körper anfühlt. In den ersten Stunden nach der Landung ging es Thomas Reiter nicht besonders gut. „Wenn man aus dem All zurückkommt, gibt es eine ganze Menge Dinge, wegen derer man froh ist, wieder da zu sein. Aber es packt einen auch sofort wieder das Fernweh.“

Das Wiedersehen mit der Familie und mit den Freunden sei schön. Und bei frisch zubereitetem Essen – als erstes fallen ihm da Handkäs’ mit Musik und Ebbelwei ein – lief ihm das Wasser im Mund zusammen. Auch mal wieder duschen zu können, sei ein Erlebnis. Denn die Duschen funktionieren im All nicht. Das sagt einer, der es ganz genau weiß, denn der Frankfurter Thomas Reiter verbrachte 350 Tage, vier Stunden und 55 Minuten im Weltall. So viel wie kein anderer Europäer.

Von seinen Erfahrungen im All sprach er vor Kurzem in der Polytechnischen Gesellschaft. Der 59-Jährige flog Mitte der 90er-Jahre zur russischen bemannten Raumstation „Mir“ und Mitte der Nullerjahre zur international betriebenen Raumstation ISS. Wenn er das alles erzählt, kommt es ihm selbst unwirklich vor. „Ich bin auch immer ganz baff, wenn ich das höre.“ Er staune allein schon darüber, dass er das Auswahlverfahren überstand. Denn auf seine Stelle bei der ESA (European Space Agency), der europäischen Weltraumorganisation, bewarben sich 22 000 andere Kandidaten. Nicht gerade wenige. „Irgendjemand muss ja übrig bleiben“, scherzt er.

Wenn Thomas Reiter davon erzählt, wie er ins All ausgestiegen ist, leuchten die Augen des Vaters von zwei Söhnen. Denn Reiter unternahm als erster Deutscher einen Weltraumausstieg. „Man kann es nicht glauben. Man sieht mit 28 000 Kilometern pro Stunde die Kontinente hinwegziehen. Unter sich hat man diesen wunderschönen blauen Planeten, hinter sich den Sternenhimmel. Das ist viel zu schön.“ Und am nächsten Tag habe er sich gefragt, ob er das wirklich gemacht hat oder ob alles nur ein Traum war.

War es nicht. Als „Beweis“ zeigt er Fotos, die er von der Erde gemacht hat. Alle 90 Minuten sieht man im All einen Sonnenaufgang und -untergang, und jeder ist ein Naturschauspiel. „Die Fotos von Google Earth mögen zwar besser sein, aber immerhin habe ich die Bilder hier selber gemacht“, feixt er. Er zeigt Fotos von Rodungen im Regenwald oder Rauchsäulen über Beirut in den 90er-Jahren. „Von einer Sekunde auf die nächste wird man wieder in die Gegenwart zurückgeholt. Dabei sieht man diesen Planeten und denkt sich: Es ist doch Platz für alle da.“

Später ergänzt er, dass die Menschen mit dem, was sie haben, haushalten müssten: „Wenn man die Schneisen im Regenwald mit bloßem Auge aus dem All sieht, wird einem ganz klar: Wir betreiben Raubbau an unserem Planeten.“ Doch Reiter glaubt, dass die Menschheit eines Tages andere Planeten besiedeln wird. Das liege zwar noch in ferner Zukunft und es sei ein langer Weg bis dahin, aber er hat keinen Zweifel daran, dass es passieren wird.

Auch privat beschäftigt sich der Hesse, der in Neu-Isenburg aufwuchs, mit dem All. Er ist passionierter Science-Fiction-Film-Gucker, die er – natürlich – als Astronaut anders sieht als andere. „Ich überlege dann, was davon Utopie ist und was technisch möglich sein könnte. Und dann sage ich mir: Ja, so könnte das passieren.“

(ama)
Zur Startseite Mehr aus Stadtgeflüster

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse