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Auf ein Wort mit Martin Suter

Vorn das Buch „Elefant“, hinten der Autor: Martin Suter im Frankfurter Hof. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Vorn das Buch „Elefant“, hinten der Autor: Martin Suter im Frankfurter Hof.
Frankfurt. 

Er war schon von seiner Geburt an etwas Besonderes. Schließlich kann der Schweizer Erfolgsautor Martin Suter nur alle vier Jahre sein Wiegenfest feiern. Er ist ein Schaltjahreskind. „Ich habe nicht darunter gelitten und ein kleines Geschenk, das gab es auch am 28. Februar“, erinnert sich Suter. Er feiert seinen Geburtstag nun schon seit Jahren mit seiner zweiten Frau Margrith Nay. „Sie ist am 1. März geboren. Das passt gut. Nur einmal alle vier Jahre geht das nicht und wir feiern zweimal“, erzählt der Autor von Büchern wie „Lila, Lila“ oder „Der Koch“, das 2010 über viele Wochen lang die Bestsellerlisten anführte.

Der Schweizer Erfolgsschriftsteller sitzt in der Autorenbar der Nobelherberge Frankfurter Hof. Er bestellt ein Mineralwasser mit Sprudel und lehnt sich zurück. Am Abend geht die zweite Lesung seiner Leserreise über die Bühne und zwar vor 700 Zuhörern im Frankfurter Schauspiel. Suter trägt aus seinem neuesten Buch „Elefant“ vor, in dem es um ein ebensolches Tier geht. Das ist allerdings auch etwas Besonderes, denn es ist nur 30 Zentimeter groß und rosa – und es lebt tatsächlich. „Der rosa Elefant war ein Nebensatz eines Hirnforschers, den ich mal vor zehn Jahren getroffen habe. Dieses Bild ist mir nie aus dem Kopf gegangen und ich musste es einfach mal schreiben“, berichtet Suter über den Schaffensprozess. Wie alle anderen seiner Bücher ging auch dieses nicht an den Lektor, ohne dass seine Frau es zuvor gelesen und beurteilt hatte.

„Wenn sie es nicht für gut befunden hätte, dann wäre es auch nicht erschienen“, so Suter ernst. „Sie hat auch wirklich viel angestrichen, aber ich sage Ihnen nicht, was“, sagt Suter, der seit zwei Jahren wieder in seiner Geburtstadt Zürich wohnt, nachdem er zuvor 22 Jahre auf Ibiza und in Guatemala lebte. Am meisten fehlen ihm die Menschen dort. „Es sind die Leute, die man vermisst. Viele, die wir auf die Welt haben kommen sehen, mit denen wir Hausaufgaben gemacht haben und die jetzt groß sind.“ Martin Suter ist gelernter Werbetexter.

Später gründete er mit einem Partner die Werbeagentur „Stalder & Suter“. Parallel dazu versuchte sich Suter als Schriftsteller. Er schrieb unter anderem Drehbücher für die ARD-Kult-Krimiserie „Tatort“ und für Filme – wie etwa für Daniels Schmids „Jenatsch“. Sein literarischer Durchbruch gelang ihm vor genau 20 Jahren mit „Small World“. Martin Suter, der in diesem Jahr 69 wird, ist ein vom Erfolg verwöhnter, aber auch ein vom Leben gezeichneter Mann. 2009 starb sein damals dreijähriger Sohn Antonio. Wenn Suter spricht, dann tut er das leise und nur sehr, sehr selten lächelt er. Trotzdem erzählt er aus seinem Leben. Etwa über die Bedeutung der Mainmetropole für ihn. Denn Frankfurt und seine Schweizer, das ist ein Kapitel für sich. Auch ein sportliches, denn bei der Eintracht stürmt momentan Haris Seferovic und es spielte der Publikumsliebling Pirmin Schwegler.

Wie nimmt ein Schweizer Schriftsteller die Mainmetropole wahr? „Vor allem als Buchmessestadt“, sinniert der Schriftsteller, der allerdings selbst seit drei Jahren zum ersten Mal wieder hier ist. „Meine Bücher erscheinen im Frühjahr und zur Buchmesse kommt man, wenn man ein aktuelles Buch hat“, so Suter weiter. „Aber ich bin oft hier gewesen. Und ich musste mir die Zeit hier nie vertreiben, denn sie wurde mir vertrieben, wegen der vielen Termine, die anstanden.“ Auch jetzt ist der Autor nur auf Stippvisite, denn er befindet sich auf Lesertour. „Frankfurt ist erst die zweite Station. Vergangene Woche war ich in Hamburg und dann geht’s es nach Bamberg zum Literaturfestival“, erklärt Suter, der sich auf diese Rundreise freut. „Ich schreibe meine Bücher im stillen Kämmerlein, so lerne ich die Leser mal kennen. Das ist eine schöne Abwechslung und ich freue mich auf die Reaktionen“, sagt er. „Und wenn das Buch ein wenig gelungen ist, wird man auch ein bisschen gefeiert“, untertreibt Suter. „Das ist auch angenehm.“ Aber das sei bei jedem Buch mehr oder weniger so. Schließlich sind es alles Bestseller. „Ich finde es schön, dass meine Leser so gemischt sind, es gibt alle Altersklassen und alle Geschlechter und es sind auch nicht nur Bildungsbürger“, analysiert er seine Leserschar.

Suter selbst liest nicht so viel, „weil ich doch viel schreibe. Jeder Roman ist eine Welt für sich. Dann habe ich noch meine reale Welt und dann noch eine fiktive Welt, das wäre ein bisschen zu schwierig“, findet Suter, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat und wohl deshalb den Sinn von Hobbys nicht so richtig versteht. „Ein Hobby zu haben, das fand ich schon immer etwas Seltsames. Es ist kein Beruf und auch keine Freizeitbeschäftigung. Es ist das, was man eigentlich lieber tun würde, als seinen Beruf auszuüben“, sagt er. „Es ist also nicht so, dass ich eine Modelleisenbahn im Keller stehen habe.“

(es)
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