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Stadtgeflüster: Aus einem weit gereisten Leben

Autor Dieter Bauer bei seiner Lesung im  Frankfurter Hof. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Autor Dieter Bauer bei seiner Lesung im Frankfurter Hof.

Letztens war ich im Hotel Schloss Elmau bei Garmisch. In meinem Alter urlaube ich lieber in Zentraleuropa“, verriet Autor Dieter Bauer (86). Der Bruder von Hotellerie-Grand-Dame Annemarie Steigenberger weiß, was Urlauber wünschen, denn er erfand das Robinson-Club-Konzept. Gut vier Jahrzehnte war der gebürtige Baden-Badener in der Hotelkette Steigenberger beschäftigt, saß dort im Vorstand und war für Expansion, Architektur und Innenarchitektur zuständig. Er kennt die ganze Welt, reiste Hundertausende Flugmeilen. In seinem Herzen keimte früh die Schriftstellerei, doch erst im hohen Alter kam er zum Schreiben.

Gestern las der Wahl-Frankfurter in der Reihe der „Autorengespräche“ im Hotel Frankfurter Hof aus seinem neuen Buch „Die Dame mit den Bernsteinaugen“, ein Erzählband mit Geschichten aus seiner Kindheit und Jugend. Er hält es dabei wie der Dichter Jean Paul: „Mit einer Kindheit voller Liebe kann man ein halbes Leben hindurch für die kalte Welt haushalten.“

Berührend erzählte Dieter Bauer dem Publikum aus verklungenen Tagen, etwa als er seinen Vater – ein Anwalt, der als junger Mann in den Ersten Weltkrieg gezogen war – nach dessen Erlebnissen an der Front fragte. Der junge Dieter bekam eine knappe Antwort: “’Die Hölle war es’, sagte er, wenn wir wissen wollten, wie es war.“

Die erste Liebe, die Leidenschaft des Vaters in den 1930er-Jahren für Sportwagen, seine Erinnerungen hütet der Autor wie einen Schatz. Als er beobachtete, wie „Männer in braunen Uniformen“ Gegenstände aus der brennenden Synagoge trugen, bekam die heile Welt Risse. „Das wohl prägendste Erlebnis in meinem Leben war die Tatsache, dass ich als Heranwachsender Zeuge wurde, wie in Lemberg, wo wir lebten, die Juden verfolgt wurden. Das vergisst man ein Leben lang nicht.“

Nichts sei im Buch erfunden, alles aus der eigenen Biografie geschöpft, betonte Dieter Bauer. Die titelgebende „Dame“ ist eine Zeichnung von Edgar Degas, in die er sich während des Kalten Kriegs verliebte und in Ungarn erwarb.

Viel zu berichten hätte auch Sängerin Eva Jacob , die schon länger plant, eine Biografie „schreiben zu lassen“. Für sie ein Grund mehr, bei der Lesung mit Rainer Weiss , Chef des Weissbooks-Verlags, ins Gespräch zu kommen. Der Verleger gestand hinter vorgehaltener Hand, dass er sich einmal mit Freunden als Jacob Sisters verkleidet habe, nur aus Jux und Tollerei. Ein ernster Spaß soll seine Fußball-Kolumne werden, die ab Ende November in dieser Zeitung erscheint: „Nach jedem Eintracht-Heimspiel darf ich dann meckern, damit geht ein Lebenstraum in Erfüllung.“

(fai)
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