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Stadtgeflüster: Bäppi heiratet noch mal

Das Brautpaar trägt Schottenkaros, die Torte lila: Thomas Bäppler-Wolf gab Carsten Wolf jetzt noch einmal das Jawort. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Das Brautpaar trägt Schottenkaros, die Torte lila: Thomas Bäppler-Wolf gab Carsten Wolf jetzt noch einmal das Jawort.

Es ist 11.40 Uhr. Der grüne Benz 220 S Baujahr 1961 knattert auf den Römer. Das historische Fahrzeug kommt zum Stehen. Die rechte Hintertür schwingt auf – und Thomas Bäppler-Wolf , der den meisten als Travestie-Darsteller „Bäppi la Belle“ ein Begriff ist, versucht auszusteigen. Allein: Es gelingt ihm nicht. Ein paar Anläufe sind nötig und die Hilfe von Carsten Wolf , dann erst schafft er es.

Das muss er freilich, denn schließlich möchten die beiden, Carsten und Thomas, sich auf dem Standesamt das Jawort geben. „Lust hatte ich nicht dazu, aber versprochen ist versprochen“, rettet la Belle die Situation bevor das Paar, das im auffälligen roten Schottenkaro-Anzügen und dazu passenden roten Schuhen gekleidet ist, sich seinen Gästen widmet. Diese haben im Freien vor dem Rathaus auf die beiden Tanzlehrer gewartet. Küsschen hier, Händeschütteln dort, Umarmungen en masse. Viele sind gekommen, um zu erleben, wie sich die beiden zum zweiten Mal vermählen.

Denn: Gestern waren sie auf den Tag genau seit acht Jahren verpartnert. Seit dem Jahr 2000 sind sie ein Paar. „Ich weiß noch, dass damals, bei unserer ersten Hochzeit, auch der Weihnachtsbaum gerade abgebaut wurde“, berichtet Bäppi la Belle, der seinem Carsten den Antrag zur zweiten Hochzeit stellte, „,Ey, das machen wir jetzt auch’ hat er gesagt“, erzählt Carsten Wolf, der „Bäppi la Belle“ bei einem Tanzkurs kennen und lieben lernte. „Dass wir heiraten, das war ein logischer Schritt“, sagt Carsten Wolf und spielt damit auf die Ehe für alle an. Denn seit dem Oktober des vergangenen Jahres dürfen gleichgeschlechtliche Paare heiraten. Seit 2001 gab es die eingetragene Lebenspartnerschaft.

Im proppenvollen Standesamt wartet dann Oberbürgermeister Peter Feldmann auf das Paar – der Rathauschef war allerdings ohne Amtskette zur Zeremonie gekommen. Er fungierte, auch wenn er neben dem Paar sitzen durfte, nicht als Trauzeuge. Peter Feldmann ist vielmehr Bäppler-Wolfs Parteifreund, schließlich sitzt „Bäppi la Belle“ für die SPD im Stadtparlament. „Das ist kein Upgrade einer Verlobung“, stellte Feldmann klar, „sondern tatsächlich die zweite Hochzeit“. Viele Menschen hätten über viele Jahrzehnte für diese Möglichkeit gestritten, so Feldmann, der somit der Hochzeit auch einen politischen Anstrich verpasst.

Unter den ungefähr 80 Gäste im Standesamt, die sich in den nicht wirklich sehr großen Raum drängen, befanden sich auch Frankfurts SPD-Chef Mike Josef , Stefan von Wangenheim , stellvertreten der Fraktionsvorsitzender der FDP, und Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler von der CDU. Standesbeamtin Johanna Wall traute Thomas Bäppler-Wolf und Carsten Wolf. Als sie den 45-jährigen Carsten Wolf fragte, ob es sein Wunsch und freier Wille sei, den hier anwesenden Thomas Bäppler-Wolf zu heiraten, brach großes Gelächter aus. Die Brautleute flachsen auch, als sie die Ringe austauschen. „Ey, der passt ja noch“, ruft Carsten Wolf seinem Bäppi zu. Dieser ist Jahrgang 1961, genau wie das Auto.

Später geht es dann ins Historische Museum. Im Leopold Sonnemann-Saal im historischen Saalhof des Museums sitzt Gabriel Groh am Flügel und spielt. Er hat „Bäppi“ in den vergangenen Jahren musikalisch bei so vielen Shows begleitet, da durfte er natürlich bei dieser wichtigen Veranstaltung nicht fehlen.

Was fehlt, das war die Fleischwurst, die nicht wenige der Besucher – die Anzahl ist inzwischen auf gut 200 angewachsen – erwartet hätten. Stattdessen gibt es Kuchen, die Pralinenkreationen „Lisbets Kronjuwelen“ und „Ramses der Große“. Maja Wolff , Veranstalterin des Grüne-Soße-Festivals, war ebenso dabei wie Comedian Timo Becker sowie Restaurant- und Hotelfachmann Andreas Eggenwirth .

Wer ein ausschweifendes, ausgiebiges und legendäres Festgelage erwartet hatte, von dem er seinen Kindern und Kindeskindern hätte erzählen können, der wurde enttäuscht. Smalltalk, ein bisschen Gesang und eine Segnung der Frischvermählten durch Pfarrerin Anne Delpopolo und Pfarrer Nulf Schade-James von der Friedensgemeinde im Gallus waren angesagt.

Übrigens wollen die Brautleute in naher Zukunft nicht in die Flitterwochen fahren. „Eine Fjordfahrt irgendwann mal, das wäre schön“, fand Ehemann Carsten Wolf.

(es)

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