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Bestechend unbestechlich

Sylvia Schenk versucht die Seilschaften im Weltsport zu entwirren – und demonstrierte das für unsere Porträtserie „Der rote Faden“ symbolisch. Foto: Salome Roessler Sylvia Schenk versucht die Seilschaften im Weltsport zu entwirren – und demonstrierte das für unsere Porträtserie „Der rote Faden“ symbolisch.
Frankfurt. 

Die engagierte Kämpferin gegen Korruption und für mehr Transparenz und Regeltreue im Sport wird heute 65: Sylvia Schenk , ehemals Sportdezernentin in Frankfurt, gegenwärtig Vorstandsmitglied von Transparency International, sammelte die dafür entscheidenden Erfahrungen als Radsport-Funktionärin und ist seither so etwas wie das gesellschaftspolitische Gewissen des Sports – ein unbestechliches.

In diesen Tagen lässt sie es ruhig angehen, ihr Wiegenfest groß zu feiern, auch dafür sieht sie keinen Grund. „Ich habe den 60. gefeiert und werde den 70. wohl auch feiern.“ In den vergangenen Tagen wünschte sie sich nichts weiter, als dass ihr Schnupfen verschwinde, damit sie die für heute geplante Radtour machen kann. Auf Sylt macht sie Urlaub mit ihrem Mann, dessen Tochter und deren Mann. „Wir werden mit der Familie wunderschön brunchen.“ Mehr Wünsche hat sie nicht. Ist Rente ein Thema für sie? „Ich könnte für November meine Rente beantragen“, sagt sie. Aber das würde nichts ändern, denn der ehrenamtlichen Arbeit würde sie trotzdem weiter nachgehen.

Als Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) ist sie für die Machtspiele und Machenschaften der Sportverbände sensibilisiert worden. Eine Warnung hatte sie zusätzlich angestachelt. Der frühere Chef des Internationalen Radsportverbandes UCI, Hein Verbruggen , hatte die Juristin auf Linie bringen wollen: „Es ist eine Welt der Männer, und Sie sind eine Frau – also müssen Sie sich anpassen.“ Doch vor Konfrontation schreckt die Ex-Weltrekordlerin von 1971 mit der 4 x 800 Meter-Staffel selten zurück: Weder als BDR-Präsidentin in schwierigen Zeiten (2001 bis 2004), im Wahlkampf um den erneuten Verbandsvorsitz 2013 gegen EX-SPD-Kanzlerkandidat Rudolf Scharping , noch als Vorstandsmitglied von Transparency International. Bereits vor dem Aus des ebenso allmächtigen wie korrupten Fifa-Boss Josef Blatter hatte die SPD-Politikerin öffentlich von „mafiaähnlichen Strukturen“ im Fußball-Weltverband gesprochen.

Die Ex-Leichtathletin und Olympia-Teilnehmerin von 1972, die mit dem früheren 800-Meter-Läufer Franz-Josepf Kemper verheiratet ist, leitet seit 2014 bei Transparency Deutschland die Arbeitsgruppe Sport. Nach der gescheiterten Olympia-Bewerbung Hamburgs mahnte sie eine „klare Positionierung“ zum Schutz der Menschenrechte bei Sport-Großveranstaltungen an.

Das habe der deutsche Sport versäumt, wie sich bei der Teilnahme an den Europäischen Spielen 2015 in Baku und bei der Vergabe der Spiele 2019 nach Minsk in Weißrussland zeigte.

„Sylvia Schenk ist eine langjährige Wegbegleiterin des Deutschen Olympischen Sportbundes und des gesamten Sports“, sagt Alfons Hörmann , der Präsident des DOSB, und spricht von einer wertvollen Beraterin in Sachen Regeltreue: „In diesen Zeiten, in denen Compliance immer wichtiger wird, nimmt sie als Leiterin der AG Sport bei Transparency International Deutschland und als DOA-Vorstandsmitglied (Deutsche Olympische Akademie) eine bedeutende Aufgabe wahr.“

Transparenz wollte Sylvia Schenk auch in ihrer Tätigkeit an der Spitze des BDR schaffen. Dabei stieß sie an ihre Grenzen. Die frühere Arbeitsrichterin trat nach Kontroversen mit dem Sportdirektor und Scharping-Freund Burckhard Bremer zurück. 2013 hatte sich Schenk erneut als Präsidentin des BDR – mit den Hauptzielen Kampf gegen Doping und eine offenere Kommunikation – beworben. Sie fand bei den Delegierten keine Gnade.

Das Geburtstagskind blickt mit gemischten Gefühlen auf die Zeit im Radsport zurück. „Als BDR-Präsidentin und Mitglied des UCI-Management-Komitees habe ich viel gelernt: Über eine faszinierende, vielfältige Sportart mit hoch engagierten Menschen, aber auch über schmutzige Tricks, Manipulation, Feigheit und Opportunismus“, sagt Sylvia Schenk. Aber auch: „Ohne die negativen Erfahrungen wäre ich nicht bei Transparency International gelandet und hätte keinen Beitrag zur Reform des Sports national und international leisten können.

(red,lhe)
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