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Stadtgeflüster: Birgitta Assheuer: Die Vielstimmige

Birgitta Assheuer. Foto: EUGEN SOMMER Birgitta Assheuer.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: An die 6600 Seiten hat Birgitta Assheuer allein für die Hörbücher der Highland-Saga „Outlander“ eingesprochen. „Ein Marathon“, sagt die Sprecherin für Rundfunk und Fernsehen, die gerade den sechsten Band der Autorin Diana Gabaldon in einem Offenbacher Studio zum Hörerlebnis macht. Die Erzählstimme der Bad Vilbelerin lässt sofort Bilder entstehen, denn in unzähligen Kinoproduktionen und Filmdokumentationen sowie in Fernsehmagazinen („titel thesen temperamente“) war sie schon zu hören. Für Hörbuchverlage liest sie Romane und Lyrik.

Einen dicken Schmöker mit vielen Protagonisten mit nur einer Stimme lebendig werden zu lassen, birgt selbst für die erfahrene Sprecherin Tücken. „Wenn ich in einer Szene zwanzig Schotten am Lagerfeuer spreche, wünschte ich mir oft, ich wäre wohl besser ein raubatziger Mann“, lacht die Frau mit der sanften Stimme. Die größere Herausforderung sei das Singen gälischer Lieder: „Da half mir die englische Hörbuchfassung. Aber man singt nicht in dem Sinne, sondern deutet Melodie, Rhythmus und den Gestus des Stückes an.“ Bis zu 30 Produktionstage sind jeweils für ein Outlander-Hörbuch angesetzt; das heißt für die Sprecherin, täglich viele Stunden vor Mikrophon und Bildschirm. „Umblättern geht gar nicht, das wäre zu laut. Selbst Magenknurren stört“, erklärt sie. Im „Studio E9“ sprechen auch Autorin Susanne Fröhlich und die Schauspieler Walter Renneisen und Wolfram Koch („Tatort“) Hörbücher ein.

„Ich habe eine gute stimmliche Kondition“, urteilt Birgitta Assheuer über ihr „Instrument“, das in den Wintermonaten Pflege verlangt, denn groß ist die Erkältungsgefahr: „Viel trinken und Wärme helfen mir, dem vorzubeugen.“ Man brauche für den Sprecherberuf Durchhaltevermögen, gepaart mit Beharrlichkeit, denn, so die Expertin: „Ich könnte mir vorstellen, dass die Besetzungsbüros der öffentlich-rechtlichen Sender mit Bewerbungen überflutet werden.“

Nach einem Musik- und Germanistikstudium begann Birgitta Assheuer ein Volontariat beim Hessischen Rundfunk und moderierte bald Klassik im Radio. „Andere Sender fragten an, dann kam eins zum anderen“, erzählt sie. In Frankfurt kennt man Birgitta Assheuer auch durch Lesungen im Holzhausenschlösschen. Am 20. Februar wird sie im Neuen Theater Höchst mit Klavierbegleitung die Ballade „Enoch Arden“ von Alfred Lord Tennyson vortragen, ein romantischer Stoff um Liebe und Verlust, der wiederum Richard Strauss zu einer Komposition inspirierte.

Ende des Jahres muss sie sich wieder von Jamie und Claire, dem Outlander-Liebespaar, trennen, dann soll der Band abgeschlossen sein. „Generell ist diese Arbeit eine sehr persönliche. Aus der Stille im Studio heraus, sich dem Sog der Geschichte hinzugeben, Stimmungen zu entwickeln und immer wieder auf die gedanklichen Bogen unter einer Regie zu achten, ist der Reiz dabei.“

Als ihre Zwillinge klein waren, las sie ihnen viele Kinderbücher vor: „Das haben meine Kinder sehr genossen und auch früh selbst viel gelesen.“ Dass ihre Stimme im Alltag erkannt werde, etwa beim Einkaufen, käme nicht vor. Klar, wer bittet schon den Bäcker um Brötchen so, als würde man ein Gedicht oder eine epische Liebesverwicklung vortragen?

(fai)

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