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Box-Performance für die Emanzipation

Sonja Yakovleva kämpft mit harten Bandagen anlässlich der Ausstellung „Red Rose Club“ im Saasfee-Pavillon Frankfurt. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Sonja Yakovleva kämpft mit harten Bandagen anlässlich der Ausstellung „Red Rose Club“ im Saasfee-Pavillon Frankfurt.

Ich kenne Sexismus aus vielen Bereichen. Auch aus der Universität“, sagt die Frankfurterin Sonja Yakovleva . Sie ist die Künstlerin, die an diesem Abend im Saasfee-Pavillon die Performance „Aggro Fit“ präsentiert, bei der sich vier junge Frauen im Ausstellungsraum schlagen. Die 28-Jährige, die an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach (HfG) studiert hat, beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit Sexismus und nennt auch einige Beispiele von Sexismus an Hochschulen: Wenn zum Beispiel der Professor das Outfit einer Studentin lobt oder gar ihre Oberweite. Aber auch Professorinnen würden die männlichen Studenten auf ihr Aussehen ansprechen. „Das ist nicht zwingend spezifisch männlich“, sagt Yakovleva. Dennoch nennt sie es „altherrenmäßigen Scheißdreck“.

Deswegen verwandelte sie den Pavillon kurzerhand in ein Frauentrainingsstudio. Dort sollen Frauen ihr Aggressionspotenzial trainieren, damit sie ihre Angst vor Konfrontation ablegen. „Damit sie sich draußen nicht wie Mäuschen verhalten“, sagt die Künstlerin.

Mit dem Boxen hat sie drei Monate vor der Performance angefangen. Vorher recherchierte sie bei der TG Bornheim, geboxt hat sie bei der Eintracht. Obwohl sie sich selbst als stark bezeichnet, verschlage es ihr in manchen Situationen immer wieder einmal die Sprache. Etwa, wenn ein Kurator sie frage, ob sie nicht noch zu ihr ins Atelier gehen sollten, um gemeinsam ein bisschen Spaß zu haben... „Selbst wenn man eine talentierte und schlaue Person ist, wird man immer noch zu einem Objekt der Begierde gemacht“,kritisiert sie das.

Ihr Aggressionstraining besteht daraus, auf Reifen einzudreschen, Seil zu springen, die Band „Aggro Berlin“ auf voller Lautstärke zu hören, Leibesübungen wie Squats und Sparring zu betreiben – es ist kein Bodyshaping (Figurformen). So war es zumindest bei der Eröffnungsperformance am Donnerstag, bei der sie sich mit ihrer Schwester einen Kampf lieferte. „Anfangs war meine Schwester beim Boxtraining sehr ängstlich und vorsichtig“, sagt Yakovleva. Doch das habe sich geändert. Als die Schwestern nun öffentlich gegeneinander boxten, blutete die Künstlerin im Gesicht. „Die Schläge tun nicht so weh. Anstrengend ist, dran zu bleiben und die Deckung beizubehalten“, sagt sie. Es geht ihr bei dieser Arbeit jedoch nicht zwingend um Gewalt. „Es geht mir eher darum, dass die Frauen selbstbewusster und angriffslustiger werden“, sagt Yakovleva.

(red)
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