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Das Leben eines Kultregisseurs

Jan Harlan (80) plauderte im Filmmuseum gut gelaunt aus dem Erinnerungsschatz zu seinem Verwandten Stanley Kubrick. Foto: Holger Menzel Jan Harlan (80) plauderte im Filmmuseum gut gelaunt aus dem Erinnerungsschatz zu seinem Verwandten Stanley Kubrick.
Frankfurt. 

Ich habe im Film vermieden, Akademiker und Journalisten nach ihrer Meinung zu fragen, lieber waren mir Leute mit totaler Kompetenz und praktischer Erfahrung wie Regisseur Steven Spielberg “, stichelte Jan Harlan (80) im Gespräch über eine Dokumentation von 2001, in der er sich dem Lebenswerk seines Schwagers, Kult-Regisseur Stanley Kubrick , widmet. Ganz im Gegensatz zu dem 1999 verstorbenen, extrem pressescheuen Amerikaner, plauderte sein deutschstämmiger Verwandter im Filmmuseum gut gelaunt aus dem Erinnerungsschatz, jedoch nicht ohne Seitenhiebe auf die Presse. „Sprich nicht mit Journalisten, du wirst sie nicht mehr los, das war die Einstellung von Kubrick“, verriet der Schwager.

Fast 30 Jahre arbeitete Jan Harlan, Neffe des „Jud-Süß“-Regisseurs Veit Harlan , eng mit Stanley Kubrick zusammen und produzierte viele seiner Filme, darunter Klassiker wie „Clockwork Orange“, „Shining“ und „Full Metal Jacket“. Detailbesessen, mit jeder Einstellung ringend, setzte Kubrick auch seinen letzten Streifen „Eyes Wide Shut“ um. „Zunächst wollte er Nicole Kidman nicht im Film haben, da sie mit Tom Cruise verheiratet war. Kubrick wollte kein Ehepaar in den Hauptrollen“, weiß Jan Harlan und kennt das Schlüsselerlebnis: „Dann sahen wir Kidman in der Komödie ,To Die For‘ und Kubrick fand es toll, wie lange sie ein Closeup, also eine Naheinstellung, hält. Als dann noch Tom einverstanden war, engagierten wir sie.“ Dass schon während der Dreharbeiten die Ehe des Traumpaars kriselte, sei nur eine Erfindung der Presse gewesen, so Harlan: „Ich erlebte sie als glücklich miteinander.“

Gerade dieser letzte Film, dessen Rechte man sich bereits 1970 gesichert hatte, sei der schwierigste für den Regisseur gewesen, „denn jeder im Kino ist ein Experte zum Thema Sexualphantasien und Eifersucht – da gibt es keine Laien“, erklärt Harlan.

Nachdem Kubrick Jahrzehnte „auf dem Stoff rumgekaut“ habe, bis er ihn schließlich in Angriff nahm, „war er sehr zufrieden mit dem Ergebnis.“ Sein schwächster Film? „,Spartacus‘ von 1960, obgleich dieser ihn bekannt machte. Die Massenszenen sind gut, aber Kubrick identifizierte sich nicht mit dem Film.“ Der rote Faden? Der Intimus zögert nicht: „Die Politik, die sich zum Teil ganz im privaten ausdrückt, kommt in allen seinen Filmen vor. Außerdem die Eitelkeit und eine gewisse Tendenz zur Selbstzerstörung. Kubrick sagte, wir meinen, von unserer Bildung und Intelligenz bestimmt zu sein, was aber nicht stimmt. Wenn es darauf ankommt, ist es immer die Emotion.“ Als Privatmann und Regisseur bleibe ihm Kubrick als „blitzgescheit, sehr selbstkritisch und humorvoll“ in Erinnerung.

Die vom Filmmuseum konzipierte Stanley-Kubrick-Ausstellung reist seit 2004 um die Welt, jede Station wird von einem Familienmitglied eröffnet, eine Herzenssache, wie Jan Harlan betonte. Gleich am nächsten Tag fuhr der gebürtige „Südbadener“ weiter zu einer Hochzeit nach Baden-Baden, bevor es wieder zurück in seine Wahlheimat London ging. Seit 40 Jahren lebt er mit seiner Frau an der Themse, den deutschen Pass noch in der Tasche. Für Frankfurt findet er viel Lob: „Ich kenne die Stadt seit 1960, wie trostlos war sie damals. Doch sie hat sich toll entwickelt.“ fai

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