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Stadtgeflüster: Das neue alte Café Wacker

Die Cafe Wacker Betreiberinnen Angelika Zülch-Busold und Tochter Nicole Busold mit Architekt Kay Mack Foto: BERNDKAMMERER@GMX.NET (Presse- und Wirtschaftsdienst) Die Cafe Wacker Betreiberinnen Angelika Zülch-Busold und Tochter Nicole Busold mit Architekt Kay Mack

Für Angelika Zülch-Busold und ihre Tochter Nicole Busold zählte diese Entscheidung zu den schwierigsten, die sie in ihren Leben treffen mussten: die Frischzellenkur für das Café Wacker-Stammhaus am Kornmarkt. Mit Hans Zülch , Bruder von Angelika Zülch-Busold, und dem Schreiner ihres Vertrauens berieten sie sich vor etlichen Monaten. Allen war klar, dass so einiges erneuert werden musste im „alten“ Wacker-Laden. „Elektroleitungen, Sanitär, und, und, und.“ Dem Onkel kam die Idee, vorübergehend ins benachbarte Tabakgeschäft zu ziehen, umfassend zu sanieren und dann wieder zurückzuziehen. „Es stand fest, dass Tabak-Büttner den Laden nebenan verlässt“, erinnert sich Nicole Busold. So wurde es dann gemacht. Und heute ist der große Tag des Wiedereinzugs.

„Eigentlich war das ein ganz schön verrückter Einfall und für uns alle sehr seltsam“, erzählt Nicole Busold. „Der Laden ist für uns mehr ein Zuhause als unser eigentliches Zuhause, wo unser Bett steht.“ Doch die Idee musste erst bei allen sacken. „Ich hatte den Traum, ein ganz großes Loch zu machen zwischen den beiden Läden, damit beides zusammen eins ergibt“, so Zülch-Busold. Doch am 17. Februar, Mutter Margaretes Geburtstag, fiel die Entscheidung dagegen und es sollte beim Umzug in den Tabak-Laden und bei der Sanierung bleiben. Der Betrieb lief weiter. Nun kam die Frage auf: Wer macht’s? Von ihrer besten Freundin bekam Zülch-Busold den Tipp, sich an den Frankfurter Architekten Kay Mack zu wenden. Das sei jemand, der in Sachen Gastrokonzepte sehr viel Erfahrung habe, gestaltete er doch allein in der Mainmetropole mehr als 40 Läden.

„Wir haben uns gleich sehr gut verstanden und was er getan hat, ist stimmig. Er wusste sofort, was wir wollten, und hat es so umgesetzt“, lobt Zülch-Busold. „Ich war häufig hier, aber nicht im klassischen Sinne Stammgast. Doch mir war sofort klar, dass der gute Geist der Großmutter erhalten bleiben musste“, so der Architekt über seine Beziehung zum Café. „Der Geist unserer Großmutter und unserer Mutter ist gar nicht rausgegangen während der Arbeit“, sagt Nicole Busold. Das war gut so, denn eines Tages klingelte das Denkmalamt. denn – und das wussten sie nicht – der Laden ist ein Kulturdenkmal. Mack und Zülch-Busold mussten antreten. Als der Mann vom Amt aber sah, was sie planten, „stand er ganz auf unserer Seite“, so Zülch-Busold.

Es ist wenige Tage vor der Wiedereröffnung. Angelika Zülch-Busold und Nicole Busold sitzen wieder dort am runden Holztisch in der Etage über dem Café. Sie sind umgeben von Ordnern und Fotos, die gerahmt an den Wänden hängen. Eines davon zeigt „die Oma“, Luise Wacker. „Wir haben immer darüber gesprochen, dass wir mal einen Teil des Ladens erneuern müssten – nach mehr als 60 Jahren“, so Nicole Busold.

Doch die Wacker-Geschichte ist viel älter als läppische sechs Jahrzehnte. Sie beginnt bereits 1914, als Luise Wacker, Nicole Busolds Urgroßmutter, ihre Kaffeerösterei an der Ecke Kleiner Kornmarkt/Bleidenstraße eröffnete. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude 1944 von Bomben zerstört. 1955, nach dem Wiederaufbau des Hauses, in dem das beliebte Café bis heute untergebracht ist, wurde das Lokal wieder eröffnet. „Meine Großmutter war sehr skeptisch, was die Renovierung betrifft“, sagt Nicole Busold. Ihre Großmutter, das war Margarete Zülch, die seit der Wiedereröffnung täglich im Stammhaus war, ihre letzten Lebensjahre sogar in der Wohnung darüber verbrachte – eben dort, wo der runde Holztisch steht. „Das Geschäft war ihr Lebenselixier“, so Nicole Busold. Auch deshalb war es wichtig, alles wieder so herzurichten, wie es zuvor war.

„Es gab heilige Plätze“, erzählt Architekt Kay Mack. Zu diesen zählten die Kaffeebar und die Verkaufstheke, die mit ihrer einzigartigen geschwungenen Form sehr speziell ist. „Ich bin sehr von meiner Großmutter geprägt, sie war für mich ein ganz besonderer Mensch und deshalb war ich zunächst auch dagegen, den Laden zu vergrößern“, sagt Nicole Busold. Denn: „Alles, was wir heute sein dürfen, haben wir diesem Laden und meiner Großmutter zu verdanken.“

Sie hatte ihren bestimmten Ort im Laden. Und der musste erhalten bleiben. „Leider ist sie vergangenes Jahr gestorben“, sagt Nicole Busold, und kann ihre Trauer über diesen Verlust nicht verbergen. „Wenn wir ihren Platz ruiniert hätten, das wäre für mich unvorstellbar gewesen.“ Die Großmutter saß stets vor der Kuchenvitrine. Dort standen ihr Stuhl und ihr Tischchen. Und beides findet dort wieder seinen Platz. „Darauf haben wir sehr geachtet“, sagt Zülch-Busold. „Das Einzige, was sich geändert hat, ist die Technik.“ Aber es gibt auch Neues im neuen alten Laden. „Wir werden Frankfurter Kranz anbieten“, so Nicole Busold. Neu ist nur eine gekühlte Kuchentheke. „Vorher mussten wir immer in den Keller laufen und Kuchen aus dem Kühlschrank holen“, erinnert sich Nicole Busold.

Wackers Café ist in den vergangenen 60 Jahren gewachsen. Zurzeit zählt das Unternehmen 80 Mitarbeiter und vier Filialen. Ende des Jahres soll ein Café in Sachsenhausen eröffnet werden.

(es)

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