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Der Magier und die Politik

Zauberer Harry Keaton. Bilder > Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Zauberer Harry Keaton.

Er ist schon vor den wichtigsten Politikern der Welt aufgetreten, Prinz Charles bewunderte seine Kunst, ebenso wie der kürzlich verstorbene Altbundeskanzler Helmut Kohl , oft stand er mit Moderatorenlegende Thomas Gottschalk auf der Bühne und bei Dieter Bohlens „Supertalent“ kam er nicht wirklich gut an. Der Frankfurter Magier Harry Keaton hat schon einiges erlebt in seiner Laufbahn, und nun hat er ein Buch geschrieben. Keine Biografie, sondern es umfasst zwei Bereiche des Lebens, in denen die Sprache eine wichtige Rolle spielt: Zauberei und Politik.

„Wie der Minister die Jungfrau zersägte – Die heimlichen Parallelen zwischen Politik und Zauberei“ lautet der Titel seines Erstlingswerks, das im Frankfurter Allgemeine Buch Verlag erschienen ist und 228 Seiten hat. Kein Wunder, dass Keaton, der mit bürgerlichem Namen Harald Helmut Kurz heißt, ein solches Buch verfasste. Schließlich promovierte er mit Summa cum laude mit einer Arbeit über die Sprache in der Politik. „Das Thema Politik hat mich immer schon sehr fasziniert“, erzählt der 46-Jährige. Und das Buch liest sich wie eine hochinteressante Abhandlung über die Politik und ihre wichtigsten Protagonisten. So sehr war er für dieses Metier Feuer und Flamme, dass er sogar überlegte, selbst Politiker zu werden. Welche Partei er vertreten hätte, dass könne er aber nicht sagen. „Ich habe immer Schwierigkeiten mit diesem Fraktionszwang. Denn ich kann mich sehr gut in andere Menschen hineinversetzen und ihre Ansichten verstehen – deshalb bin ich eben kein Politiker geworden.“

Schön findet er es, Brücken zu bauen. „Und das kann ich mit der Zauberei sehr gut und es gelingt mir so, auch Menschen zusammenbringen“, findet er und zählt einige Gelegenheiten auf, bei denen ihm dies auch gelungen ist: unter anderem Auftritte bei der Flüchtlingshilfe auf oder vor den Vorständen großer Banken. „Für uns Zauberer sind alle Menschen gleich.“

Das Buch schrieb Keaton aus folgendem Grund: „Ich wollte die Politiker ein wenig vom Sockel heben und die Zauberer ein wenig drauf heben.“ Denn er sieht so manche Parallelen zwischen beiden Berufen – die ehrenamtlich wie auch professionell ausgeübt werden. „Der Zauberer ist Meister darin, die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf bestimmte Themen oder Körperteile zu lenken“, erklärt Keaton. „Ich manipuliere, aber es ist ein faires Spiel“, findet der Magier. „Jeder weiß, dass es eine Scheinwelt ist, die ich entstehen lasse.“ Der Politiker mache das auch. „Er achtet extrem darauf, dass er gut rüberkommt“, weiß Keaton und nennt das Beispiel des CSU-Politikers Karl-Theodor zu Guttenberg . Ein „tolles Gespür“ habe zu Guttenberg gehabt, und über das verfüge Bundeskanzlerin Angela Merkel auch, die Harry Keaton in seinem Buch ebenfalls unter die Lupe genommen hat. „Ihr Timing ist einfach hervorragend, wie bei einem Magier: Wann macht sie etwas? Wenn sie nicht beobachtet wird. Sie weiß, wann sie was tun muss, wann die Aufmerksamkeit klein ist, so dass sie bestimmte Handlungen vollziehen kann, damit am Ende eine schöne, große Illusion steht.“

Auch der US-Präsident Donald Trump kommt in „Wie der Minister die Jungfrau zersägte – Die heimlichen Parallelen zwischen Politik und Zauberei“ vor. „Aber Trump ist alles andere als ein geschickter Zauberer.“ Während ein Magier die Illusion so darstellt, als wäre sie real, sei es bei Trump oft anders. „Ein Zauberer nutzt die Lüge kunstvoll, um eine Vision zu schaffen“, das sei bei Trump nicht der Fall. Wer sich dagegen „ausgesprochen geschickt“ verhalte, das sei der französische Staatspräsident Emmanuel Macron . Im Gegensatz zu etlichen anderen Politikern. Denn oft hätten Politiker einfach keine Ahnung und seien überfordert, weil alle erwarteten, dass sie zu jedem Thema etwas sagen könnten. Manche Zusammenhänge seien zu komplex. „Das Buch ist auf keinen Fall ein Politiker-Bashing, ich wollte nur zeigen, wie die Dinge funktionieren.“

Gibt es denn in Deutschland einen Politiker, den Keaton gern „coachen“ würde, aus dem noch was werden könnte, wenn er ein paar Wochen zum Magier in die Lehre ginge. „Mir fällt kein deutscher Politiker ein, den ich unbedingt coachen müsste – obwohl Zauberkünstler und Politiker viel voneinander lernen können“, sagt Keaton.

(es)
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