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Der Mann mit den flinken Fingern

Mixt Pop, Jazz und Klassik und lässt das Publikum mitsingen: Klavier-Virtuose Joja Wendt gilt als Deutschlands bester Cross-Over-Pianist. Foto: Bernd Kammerer Mixt Pop, Jazz und Klassik und lässt das Publikum mitsingen: Klavier-Virtuose Joja Wendt gilt als Deutschlands bester Cross-Over-Pianist.
Frankfurt. 

Angus Young ist ein total cooler Typ.“ Das sagt Deutschlands bekanntester Cross-Over-Pianist Joja Wendt über den Gitarristen der wohl bekanntesten Hardrock-Band der Welt „AC/DC“. Die beiden kennen sich gut, haben oft zusammengesessen, Musik gemacht und über Musik gesprochen. Verewigt hat er den kleinen Bühnenirrwisch in seinem Song „Das Geisterhaus“.

„Der Anfang ist von AC/DC, ,Thunderstruck‘, eine Verneigung vor Angus Young.“ Joja Wendt, der bald auf große Tournee geht und dabei auch in Wiesbaden und in der Alten Opser gastiert, ist selbst ein cooler Typ. Vor kurzem erst hatte er einen schweren Unfall beim Kite-Surfen. „Ich bin mit 25 Stichen genäht worden, aber gottseidank sind keine Sehnen betroffen“, Wendt atmet durch. „Nur das Knie war schlimm, aber es ist alles wieder gut, heilt“, so der 52-Jährige, der den Unfall als Weckruf versteht: „Nach dem Motto: ,Immer vorsichtig‘.“ Aber, das Brett, auf dem er bei dieser Sportart steht, das will er nicht in die Ecke stellen. „Ich pass auf“, sagt er und lacht laut.

Überhaupt fällt auf, dass der zweifache Vater extrem viel und sehr gern lacht. „Ich bin fast schon pathologisch optimistisch.“ Vor den lauernden Tücken familiärer Weihnachtsfeste ist ihm nicht bange. „Die letzten Jahre sind wir über die Feiertage weggefahren.“ Dieses Mal soll es aber anders werden, denn „die Kinder haben sich gewünscht, zu Hause in Hamburg zu bleiben. Die sind jetzt 14 und 16 und wollen mit uns feiern und dann ab zu ihren Freunden.“

Es wird ein richtig großes Fest mit seinen Geschwistern, Eltern und einem Tannenbaum. Mühsam, das sei für ihn die Vorweihnachtszeit, vor allem der November. „Da gibt es so wahnsinnig viele Sachen noch unter Dach und Fach zu bringen.“ Wenn dann Weihnachten ist, „kann man es sich gemütlich machen, hat Zeit“. Auch Silvester feiern Wendts mit vielen Freunden. „Vielleicht fahren wir die erste Woche im Januar zum Ski“, sagt Wendt, der sich zum Fest nichts wünscht. „In unserem Alter hat man einfach nicht mehr so viele materielle Dinge, die man sich wünscht. Schön, wäre es, ein bisschen mehr Zeit zu haben für die Familie und zum Üben.“

Zum Üben? Einer wie Joja Wendt, der oft in rasendem Tempo Pop, Jazz und Klassik mixt, muss noch üben? „Natürlich, wenn du auf hohem Niveau spielst, musst du dauernd dran bleiben.“ Dabei geht es ihm auch darum, neue Sachen zu lernen. „Ich lerne dauernd dazu und außerdem gilt: ,Je besser du spielst, desto mehr weißt du auch, was du nicht kannst‘.“ Es gebe noch so viele neue Dinge rund ums Klavier zu entdecken – selbst für einen Virtuosen wie Wendt. „Ich arbeite daran, Stile zusammenzubringen – etwa den ,Hummelflug‘ zu Hiphop-Rhythmen.“

Joja Wendt nimmt sogar noch Klavierunterricht. Da geht es um Austausch, nicht um Technik. „Das ist wie wenn zwei Wissenschaftler sich unterhalten.“ Doch von akademischer Abgehobenheit kann keine Rede sein. Im Gegenteil. Wendt ist volksnah, deshalb bezieht er das Publikum bei seinen Konzerten stets mit ein. „Beim Regenlied imitieren die Zuhörer den Regen, ich hole ein Kind auf die Bühne und eine ältere Dame, die mir hilft.“ Die Nähe zum Publikum sei ihm „total wichtig“. „Die Leute sind aufs Konzert gekommen und haben Geld bezahlt und wollen gut unterhalten werden. Da muss was über die Rampe rüberkommen“, argumentiert er. „Es ist doch nicht selbstverständlich, dass Leute viel Geld bezahlen, um mit mir einen Abend zu verbringen. Ich habe den Anspruch für die Leute immer alles zu geben. Ich will doch auch einen schönen Abend haben, weil das auch meine Lebenszeit ist.“ Trotz des Tourstresses gibt er bei Konzerten immer alles, und doch ist jeder Gig anders. „Ich bin kein Hollywoodfilm, der überall und immer gleich ist“, so Wendt, der sagt, dass er noch nie negative Erfahrungen gemacht hat. „Wenn man selbst Spaß hat, dann haben auch die anderen Spaß“, weiß Wendt aus Erfahrung.

Apropos Erfahrung: Eine ganz besondere verbindet Joja Wendt mit Frankfurt. „Eine Schulfreundin aus Dortmund von mir wohnt hier – und sie war das erste Mädchen, das ich geküsst habe“, erinnert sich Wendt, der gut mit Radio-Legende Werner Reinke befreundet ist. Und mehr noch. „Frankfurt, das ist das musikalische Herz Deutschlands“, findet Joja Wendt und erinnert sich an einen Auftritt mit dem berühmten Chuck Berry, dem Urvater des Rock’n’Roll.

(es)
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