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Der Rhythmus des Friedens

Der Kopf hinter dem Projekt: Anna Skryleva. Foto: Bernd Kammerer Der Kopf hinter dem Projekt: Anna Skryleva.
Frankfurt. 

Die international gefragte Dirigentin, Pianistin und Powerfrau Anna Skryleva (41) weilt zurzeit in Frankfurt. Mitgebracht hat sie neun begnadete Nachwuchsmusiker, mit denen sie in diesen Tagen an der Hochschule für Musik ein anspruchsvolles Konzertprogramm einstudiert. Unter dem Label „Classic for peace“ will Skryleva Kinder und Jugendliche aus ihrer Heimat Russland, dem Nachbarstaat Ukraine und Deutschland zusammenbringen und damit einen Beitrag leisten zur Völkerverständigung. Sieben Tage lang proben und konzertieren die neun Musiker aus aller Welt gemeinsam. Mit dabei ist die Crème de la Crème der jungen Musikszene, beispielsweise die erst zwölfjährige Pianistin Laetitia Hahn aus Essen, die im vergangenen Jahr mit dem Starpianisten Lang Lang in China konzertierte und von ihm zum „Music Ambassador“ ernannt wurde.

Das Leitungstrio des Vereins „Classic for peace“ arbeitet ehrenamtlich. Warum dieses große Engagement für den Nachwuchs? „Als ich in dem Alter war, in dem die Jugendlichen jetzt sind, wurde ich auch gefördert. Ich kenne das Gefühl und weiß, wie wichtig das ist. Und was man selbst gelernt hat, will man auch weitergeben“, so die Antwort von Skryleva, die selbst mit zehn Jahren in eine Kompositionsklasse des Moskauer Tschaikowsky-Konservatoriums aufgenommen wurde. Außerdem möchte sie ihrer Karriere als Musikerin einen Sinn geben. „Nicht nur schöne Klänge produzieren, sondern auch Botschaften senden“, lautet ihr Credo. Ihr Highlight die nächsten sechs Tage: „Ich freue mich auf die Unterhaltungen und das Zusammensein mit den jungen Menschen. Das ist ja auch für mich ein bereichernder Austausch und ein sehr emotionales Projekt.“

Besonderheit in diesem Jahr: Neben den russischen, ukrainischen und deutschen Künstlern ist auch der Geiger Jack Sarhan (21) mit von der Partie. Er studiert seit April am Dr. Hoch’s Konservatorium und hatte just gestern seinen Anhörungstermin ob seiner Asylbewerbung. Der begabte Musiker stammt nämlich aus Damaskus und ist über das Mittelmeer und die Balkanroute geflohen. „Alter und Herkunft spielen für uns gar keine Rolle“, erklärt Skryleva die bunte Komposition der Solisten.

Die Musikerin wohnt zurzeit in Darmstadt, wo sie als Erste Kapellmeisterin und Stellvertreterin des Generalmusikdirektors engagiert war. Mit der auch geographischen Ausdehnung des Projekts „Classic for peace“ nach Frankfurt will sie ein neues Publikum für den Nachwuchs gewinnen. Als Kooperationspartner mit dabei ist neben der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst das Dr. Hoch’s Konservatorium im Ostend, wo die Jugendlichen am Freitag, 26. August um 18 Uhr konzertieren werden – übrigens das einzige Konzert in der Mainmetropole. Der dortige Lieblings-Spot der gefragten Musikerin ist das Mainufer. „Da spürt man die Energie des Flusses, und ich liebe es, Städte von der Flussseite aus zu betrachten.“

Wenn die diesjährigen Internationalen Musikalischen Jugendbegegnungen, so der offizielle Titel des Projekts, Ende dieser Woche vorbei sind, hat die 41-Jährige ein weiteres Projekt, das ihr ganz persönlich am Herzen liegt. Nach der Jugendförderung sind die Frauen an der Reihe. „Die Chefs von großen Orchestern wie etwa der Berliner Philharmonie sind allesamt Männer“, konstatiert die Musikerin. „Frauen findet man allenfalls in stellvertretenden Positionen.“ Dagegen kämpft das fünfjährige Förderprogramm „Women’s Conducting Institute“ von der Oper in Dallas, Texas. „Niemand würde das direkt aussprechen, aber die jungen Burschen schaffen ihre Karriere viel schneller“, so Skryleva. Frustriert sie das? „Ich versuche, mich nicht in diese Frustration hineinzubegeben. Sonst kann man keine Musik machen. Ich versuche immer, das Beste aus der Situation herauszuholen.“ Neben dem Engagement in Dallas hat sie dieses Jahr in Mexiko das Philharmonische Orchester dirigiert. Ob sie sich angesichts der zahlreichen Arbeiten in Amerika vorstellen kann, für immer dorthin auszuwandern? „In meinem Beruf muss man offen für alles sein“, will sie diesen Gedanken nicht ausschließen. Liebe Neue Philharmonie, ihr habt den Wink verstanden!

(cmw)
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