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Stadtgeflüster: Der Vater des Sams

Auch mit 80 hat Paul Maar noch nicht genug. Nächstes Jahr soll ein neues Buch erscheinen. Foto: BERNDKAMMERER@GMX.NET (.) Auch mit 80 hat Paul Maar noch nicht genug. Nächstes Jahr soll ein neues Buch erscheinen.

Im März musste Kinderbuchautor Paul Maar (80) aus gesundheitlichen Gründen seine Lesung im Literaturhaus absagen, gestern holte der „Vater des Sams“ seinen Auftritt in Frankfurt nach. An die 200 kleine und große Gäste wollten sich Geschichten vom frechen „Sams“-Wesen mit Rüsselnase und blauen Wunschpunkten und die anderer Helden aus der Feder des Bambergers nicht entgehen lassen. Lange im Voraus war die Veranstaltung ausverkauft, viele trugen Bücher zum Signieren mit in den Saal.

Der Erfolgsautor kam mit dem Zug pünktlich in der Mainstadt an, dafür brauchte er trotz eines Wolkenbruchs keinen Wunschpunkt zu verschwenden, gäbe es solche magischen Sommersprossen wirklich. Das Wünschen will gelernt sein, und die meisten Wünsche werden leichtsinnig vertan – schon die alten Volksmärchen berichten zuhauf davon. Daher ist es auch gut, wenn in den mittlerweile zehn „Sams“-Büchern das Zauberwesen beim schüchternen Herrn Taschenbier für Notfälle einen einzigen Wunschpunkt übrig lässt. Fans wissen, dass Herr Taschenbier nicht immer ein glückliches Händchen beim Wünschen hat.

Hegt der Autor selbst Wünsche, wie sie nur die Magie erfüllen kann? Spontan falle ihm nichts ein, sagt er, und bittet um Bedenkzeit. Der Großvater von drei inzwischen erwachsenen Enkelkindern weiß, wie er mit seinen lustigen Geschichten, die er selbst illustriert, die Fantasie seiner Leser anregt – und das schon seit einem halben Jahrhundert. Zum Schreiben zieht er sich in ein Häuschen in der Nähe von Bamberg zurück, ohne Fernseher und andere Ablenkungen. Fanpost beantwortet er persönlich, und nicht wenige schütten ihm ihr Herz aus, ganz so als sei er ein enger Freund. „Ein Sechsjähriger schrieb mir: ’Unser Kater Moritz ist sehr dick geworden. Der Tierarzt sagt, er hat Krebs. Jetzt habe ich Angst, denn der Sams ist doch auch so dick, hat er Krebs? Bitte schreibe mir“, zitiert er ein berührendes Anliegen. Bis zu zehn Briefe erreichen ihn in der Woche, eine Antwort bekommen alle.

Auch bei der Lesung hat Paul Maar mit seiner Empathie die Kinder ganz auf seiner Seite, leuchtende Augen, als er seinen Namen und Tiere zeichnet. Von seiner eigenen Kindheit spricht er nur im Interview, „extrem“ sei sie gewesen. Der Vater kam traumatisiert aus Krieg und Gefangenschaft zurück, die Mutter starb früh, allein der Großvater gab dem Jungen Nestwärme. Maar galt als missratener Sohn, „mein Vater, der ein Maler- und Stuckateurgeschäft führte, mochte es nicht, wenn ich las, überhaupt war er gegen das Lesen, es war für ihn verlorene Zeit“. Dass er doch las, erkennt er rückblickend als Form des Widerstands. Als Paul Maar sein erstes Buch veröffentlichte und dieses gleich in die Auswahlliste des Deutschen Buchpreises kam, regte sich beim Vater doch Stolz. „Mit dem Buch unterm Arm ging er durch die Schweinfurter Fußgängerzone und zeigte es Bekannten“, erinnert sich Maar.

Heute hat er Fans in der ganzen Welt, besonders in Russland lieben sie seine Bücher. Für Nachschub ist gesorgt, zwei neue Geschichten sind schon druckfertig. Eine Schiffsfahrt nach Norwegen inspirierte ihn zu einem Troll-Abenteuer, das 2019 erscheinen wird. Ein Wunsch? „Ja“, sagt er, und wird ernst: „Meiner Familie soll es weiterhin gut gehen. Ich bin ein Familienmensch durch und durch.“

(fai)

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