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Lichter-Festival: Die Filmbranche ist kein Ponyhof

Festival-Direktor Gregor Schubert (l.) und Schirmherr Edgar Reitz. Bilder > Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Festival-Direktor Gregor Schubert (l.) und Schirmherr Edgar Reitz.
Frankfurt. 

Die neunte Ausgabe des Lichter Filmfests rückt das hochaktuelle Thema „Grenzen“ ins Blickfeld. Unter den rund 80 Filmen, die noch bis zum Sonntag, 3. April, an Spielorten in Frankfurt, Offenbach und Wiesbaden laufen, sind einige Deutschlandpremieren.

Zur Eröffnung des Festivals im Mousonturm lief das Nordkorea-Porträt „Meine Brüder und Schwestern im Norden“ von der südkoreanischen Regisseurin Sung-Hyung Cho , die im Taunus-ort Usingen lebt. Sie dokumentiert darin ganz normale Leute, jenseits üblicher Medienbilder. „Wir müssen Nordkorea differenzierter betrachten, das ist meine Botschaft. Im Sommer ist Kinostart“, sagte die Wahlhessin.

Schirmherr Edgar Reitz , ein vielfach ausgezeichneter Regisseur und bekannt für seine Hunsrücker „Heimat“-Trilogie, lobte das globale Festivalthema: „Grenzen sind ein existenzielles Thema. Die Suche nach Heimat in der Welt beschäftigt auch mich seit vielen Jahren.“ In seiner Rede vor rund 300 Gästen ging er auf den Heimat-Begriff näher ein: „Heimat ist kein fester Besitz. Man kann nie sagen: Dieses ist meine unerschütterliche Heimat. In dem Moment, in dem man das sagt, grenzt man aus.“

An die Mainstadt, wo seine Schwester lange Zeit lebte, hat er frühe Erinnerungen: „Das erste Mal war ich mit drei Jahren in Frankfurt. Ich kenne die Stadt noch als Trümmerlandschaft nach dem Krieg.“ Reitz war übrigens „erste Wahl“, so Lichter-Direktor Gregor Maria Schubert : „Es gibt nur eine Handvoll deutscher Regisseure, die für die Lichter-Schirmherrschaft in Frage kommen.“ Eine feste Heimat sucht das Filmfest selbst noch, diesmal hat es im Mousonturm seine Zelte aufgeschlagen. „Wir sind ja Kinder der Globalisierung und gewohnt, innerhalb Frankfurts mit dem Festival umzuziehen, so gewöhnen wir uns an immer neue Dialekte“, scherzte der Leiter. Mehr als 12 000 Besucher kamen im vergangenen Jahr, Schubert glaubt diese Zahl schwer toppen zu können. „Wir feiern und tanzen zwar, und eine Festivalküche haben wir auch, aber diesmal gibt es keine große Party.“ Schuberts Liebling im Programm? „Ich freue mich auf ’Lotte’, das Debüt des Marburger Regisseurs Julius Schultheiß , das wir morgen im Mousonturm zeigen. Den Film habe ich auf der Berlinale gesehen. Junges, flottes deutsches Kino, wunderbar durcherzählt. Schultheiß plünderte für den Film seinen Bausparvertrag, 8 000 Euro, den Rest finanzierte er über Crowdfunding. Die Hauptrolle spielt Karin Hanczewski , eine der neuen Tatort-Kommissarinnen in Dresden.“ Ein gutes Omen: geschäftig wie ein Bienenstock brummte der Mousonturm schon zum Auftakt, Kino-Enthusiasten, Fans und Filmschaffende gaben sich ein Stelldichein. Manch einer wird den knappen Rat des Schirmherrn Reitz an junge Regisseure vernommen haben: „Leidensfähigkeit muss man haben“. Die Branche ist eben kein Ponyhof.

Preise sind bei dem Lichter-Festival fester Bestandteil des Programms. Gestern wurde schon einer vergeben. Der 33-jährige Amerikaner James N. Kienitz Wilkins nahm den mit 1 000 Euro dotierten „Lichter Art Award“ für seinen 16-Minüter „B-Roll with Andre“ entgegen.

(fai,es)
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