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Comedian Idil Baydar: Die Proll-Sirene zieht an den Main

Wow-Effekt: Idil Bayar ist in Celle zur Welt gekommen, lebte die meiste Zeit ihres Lebens in Berlin und will jetzt nach Frankfurt ziehen, weil sie Multikulti schätzt. Foto: Bernd Kammerer (.) Wow-Effekt: Idil Bayar ist in Celle zur Welt gekommen, lebte die meiste Zeit ihres Lebens in Berlin und will jetzt nach Frankfurt ziehen, weil sie Multikulti schätzt.
Frankfurt. 

Wenn Idil Baydar über ihr neues Programm „Deutschland, wir müssen reden“ erzählt, sprudeln die Worte nur so aus ihr heraus. Die 41-jährige Comedian ist gerade mit ihrer neuen, gleichnamigen Show auf Tour durch die Republik. Es war ihre klischeehaft angelegte Kunstfigur Jilet Ayse, eine 18-jährige Kreuzberger Türkin, die sie vor gut fünf Jahren über Youtube bekanntmachte. Seitdem nimmt die in Celle geborene Berlinerin mit Migrationshintergrund kein Blatt mehr vor den Mund. Als Jilet Ayse bringt sie ihre Fans mit sozialkritischen Themen wie der Ungleichheit in unserer Gesellschaft in prolligem Deutsch („isch schwöre“) zum Lachen und zum Nachdenken.

„Ich war schon als Kind immer sehr energisch“, erzählt Idil Baydar. „Deshalb hat mich meine Mutter in ein Waldorf-Internat gesteckt. Mit 17 bin ich von zu Hause ausgezogen, habe in einer Berliner WG in Kreuzberg gelebt und mit 20 angefangen, künstlerisch zu arbeiten“, sagt die Berlinerin mit türkischen Wurzeln. Es folgten Gehversuche als Rapperin, eine Heirat, Aufenthalte in der Karibik und England, eine Trennung und schließlich die Rückkehr nach Berlin. „Mit 32 musste ich neu durchstarten“, sagte sie. „Das Jobcenter steckte mich in Maßnahmen, unter anderem als Integrationsbegleitung an einer Grundschule und Oberstufe. Die Erfahrungen, die ich dort gemacht habe, haben mich und meine Arbeit bis heute geprägt und inspiriert“, sagt sie. „Ich habe miterlebt, wenn Kinder und Jugendliche vor dem sozialen Abstieg stehen. Ich hatte Erlebnisse, die mir das Herz gebrochen haben.“ Sie nennt ein Beispiel: „Da gab es ein Mädchen, ein Arbeiterkind mit einem Zweier-Notendurchschnitt, die man auf die Hauptschule schicken wollte.“

Diese Ungerechtigkeiten lebte sie mit Freundinnen am Telefon in Jugendsprache-Manier nach. „Irgendwann Ende 2011 sagte meine Mutter zu mir: ,Komm Idil, das nehmen wir auf und packen es auf Youtube‘“. Das erste Video erreichte auf Anhieb über eineinhalb Millionen Klicks. „Und dann sagte meine Mutter: ,Wenn du damit Geld verdienen willst, dann geht das nur live‘.“

Die ersten zwei Jahre waren hart, aber heute macht es Baydar enorm viel Spaß, Menschen zum Lachen zu bringen. „Die Absicht meiner Shows ist, dass die Menschen genährt, lachend und inspiriert nach Hause gehen“, sagt sie.

Anfang Oktober zieht sie nach Frankfurt am Main um. „In Berlin habe ich mir etwas aufgebaut, doch das viele Reisen quer durch Deutschland ist anstrengend – und Berlin liegt nun mal nicht in der Mitte“, erklärt sie ihre Entscheidung. „Frankfurt ist eine Multikulti-Stadt, in der viel passiert und die offen ist. Ihre Aura ist kosmopolitisch und auf eine Art weltbürgerlich, das gefällt mir. Berlin lasse ich nicht ganz zurück, aber ich brauche einfach neue Inspirationen und bin schon sehr aufgeregt auf das, was kommt.“

Und wie sehen ihre Pläne für die Zukunft aus? „Jilet ist der Integrations-Alptraum. Sie hat eine Menge angestoßen. Ich möchte sie zum Erblühen bringen, mich an der Uni anmelden und schauen, wohin die Reise geht.“ Auf jeden Fall plant sie ein Projekt mit Jochen Döring (Zeynep) und Tim Karasch (Nabil) vom Bornheimer Comedy-Duo „Frankfurter Klasse“.

Ihr größter Wunsch ist aber eine eigene TV-Comedy-Serie. „Das wäre toll. Ich arbeite schon mit der Filmregisseurin und Drehbuchautorin Hannah Schweier an einem eigenen TV-Serien-Format. Sie ist unglaublich talentiert. Und ich bin einfach zum Sprechen geboren.“

(es)
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