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Schriftstellerin in Frankfurt: Die Sissi der ganz alten Zeiten

Julia Kröhn veröffentlich Historien-Bestseller am Fließband.
Sie ist viele Frauen gleichzeitig. Zumindest, wenn sie schreibt. Die österreichische Frankfurterin Julia Kröhn veröffentlicht seit fast einem Jahrzehnt unter vielen Pseudonymen Bestseller. Foto: Salome Roessler Sie ist viele Frauen gleichzeitig. Zumindest, wenn sie schreibt. Die österreichische Frankfurterin Julia Kröhn veröffentlicht seit fast einem Jahrzehnt unter vielen Pseudonymen Bestseller.
Frankfurt. 

Wenn Julia Kröhn sich Geschichten ausdenkt, handeln diese von Liebe, Heldenmut und Abenteuern in alten Zeiten. Die Österreicherin gehört zu den Kaiserinnen der Belletristik, über 30 Romane hat die Schriftstellerin bereits veröffentlicht, die meisten sind Bestseller – nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern.

Sie lebt in Nied, seit 2001 ist Frankfurt ihre Wahlheimat. „Vom Schreibtisch aus kann ich auf die Taunusberge schauen, und die Niddaauen sind ganz nah“, betont sie beim Plausch auf der Dachterrasse des Skyline Plaza ihr Faible fürs Wohnen im Grünen. Sie hat ihre vierjährige Tochter Lilith mitgebracht, die Kleine ist ein Fan des „Grüffelo“ und darf sich am Tisch mit den Bildergeschichten des Kindermonsters ablenken. „Ich selbst wusste schon als Grundschülerin, dass ich Schriftstellerin werden will, und mit 14 Jahren schrieb ich meine erste Geschichte“, erzählt die Autorin, die unter verschiedenen Pseudonymen bekannt ist.

Für ihren neuesten, 650 Seiten starken Roman „Der Traum von Wind und Meer“ – Herz und Schmerz bei der ersten historischen Luxus-Kreuzfahrt im Jahr 1891 – wählte sie den Namen Carla Federico. Dieser hat ihr schon früher Glück gebracht, „mit einem ,Federico’-Roman stand ich wochenlang auf der Bestsellerliste in Chile“, erzählt sie. Überhaupt hat die Autorin viele Fans auf der ganzen Welt, immer dort, wo ihre exotischen Romane spielen und diese in die Landessprache übersetzt sind. „Neulich bekam ich sogar Fanpost von den Osterinseln“, staunt sie.

Für Recherchen ist sie oft auf Reisen, über große Gefühle schreibt sie überall und ständig. „Täglich vier bis fünf Stunden, etwa 350 Tage im Jahr, keine Wochenenden, sonst wäre das Pensum nicht zu schaffen. Ich habe auch schon im Wartezimmer beim Arzt geschrieben“, schildert sie ihren Alltag. Alles sei exakt geplant, „erst wenn das Gerüst steht, also die wichtigsten Szenen und Dialoge feststehen, geht es ans Schreiben.“

Diese Taktik erklärt Julia Kröhn auch Studenten der Uni Salzburg, wo sie kreatives Schreiben unterrichtet. Bezogen auf ihren Eifer sieht sie Parallelen zum Bruder, einem Leistungssportler: „Eine gewisse Grunddisziplin ist bei uns verankert.“

In wenigen Tagen feiert die Autorin ihren 40. Geburtstag, was sie zurückblicken lässt, auch auf die mageren Jahre, denn ihr erster großer Publikumserfolg liegt gerade mal zehn Jahre zurück. Ihr Credo: „Da brennt etwas in mir und will raus. Meine Romane sind für mich ein Vehikel, um sicher und bequem in andere Zeiten reisen zu können. Für den Liebesroman ,Die Rosen von Montevideo’, der in Frankfurter Bankierskreisen spielt, besuchte ich die biedermeierliche Zeit.“

Wie wenig romantisch etwa das Mittelalter sein kann, erzählt die studierte Historikerin in den „Julia Kröhn“-Romanen. „Jeder meiner Autorennamen steht für ein bestimmtes Genre und einen anderen Erzählstil, und Julia Kröhn ist eben ,blutiger’“, sagt sie und schaut auf die Uhr. Sie muss zurück an den Schreibtisch, ein neuer Schmöker sei in Arbeit.

(fai)
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