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Stadtgeflüster: Diese Managerin hat den Blues

„Summertime“ im Winter: Gabriele Eick lässt sich im Restaurant Opera zum Gershwin-Klassiker von Dr. Feelgood Jr. begleiten. Foto: Enrico Sauda _>___ N „Summertime“ im Winter: Gabriele Eick lässt sich im Restaurant Opera zum Gershwin-Klassiker von Dr. Feelgood Jr. begleiten.

Im Opera, dem Restaurant an der Alten Oper, ist der Song „Summertime“ zu hören. Lieblich dringt dieses Liedchen aus den Boxen und gibt dem trüben Wintertag etwas Sommerliches. Aber das Stück kommt gar nicht von einer CD, sondern es wird live gesungen. Und von niemand Geringerem als Gabriele Eick. Und mit jedem Ton wird klar, dass Gabriele Eick die Musik liebt. Dabei ist die gelernte Versicherungskauffrau und frühere Chefin der Wirtschaftsförderung Managerin durch und durch.

Die Liste all ihrer Posten und Stationen wäre zu lang, deshalb hier nur einige der wichtigsten, zu denen die Leitung der weltweiten Unternehmenskommunikation und des Marketings der Dresdner Bank Gruppe gehörten. Außerdem war sie Chefin des Marketingclubs Frankfurt, Vizepräsidentin des Deutschen Marketingverbands. Sie gehört dem Hochschulrat der Goethe-Uni an und sitzt im Aufsichtsrat der Gothaer Versicherungs-Bank und der Gothaer Finanzholding.

Seit mehr als 17 Jahren ist sie selbstständig, führt und ist die Firma „Executive Communications“. Sie berät Vorstände und Geschäftsführer großer und mittlerer Unternehmen, Stiftungen und Verbände, entwickelt für sie Konzepte zur Vermarktung, Stärkung des Images oder Überwindung von Krisen.

Kein Wunder, dass bei all dem ihre große Leidenschaft, die Musik, zu kurz gekommen ist. Das Gitarre spielen, sagt die Frau mit einem Faible für langsame und nachdenkliche Lieder, das habe sie im Laufe der Zeit leider ziemlich verlernt. Das will sie ändern. Aber Gitarre spielen sei eben nicht wie Radfahren schnell wieder erlernbar.

Ihre Lieblingsgitarre ist eine akustische, die ihr Mann ihr vor 25 Jahren schenkte. Als sie begann, selbstständig zu Arbeiten, vernachlässigte sie das geliebte Instrument zu sehr. „Es ist schon was dran wenn Leute sagen, dass Selbstständig sein bedeutet, sie selbst und ständig arbeiten“, gibt Gabriele Eick zu bedenken.

Das Singen allerdings, das hat sie nicht verlernt. Und wer die Unternehmerin Gabriele Eick gut kennt, der weiß, dass sie sich hin und wieder ein Herz fasst und bei besonderen Anlässen auch vor Publikum singt. Wie eben an diesem Mittag, als ein Freund von ihr eine Auszeichnung erhielt.

Und wie ging das los mit ihr und der Musik? „Schaschlik“ ist „schuld“ daran – auch daran, dass sie Gitarre spielt. Das erste Mal, dass sie eine Gitarre in die Hand nahm, liegt viele Jahrzehnte zurück. „Meine Eltern kommen aus Schlesien und mein Vater wollte unbedingt, dass ich schlesisches Kulturgut lerne“, berichtet sie. Kurzum, steckte sie ihr alter Herr in eine schlesische Volkstanzgruppe. Der Teenager Gabriele fühlte sich pudelwohl. „Da gab es lauter coole Typen, und in einen habe ich mich total verknallt.“ Sie kichert. Eigentlich hieß er Jörg, „aber wir haben ihn alle ,Schaschlik’ genannt. Warum, das weiß keiner mehr“. Ihre Liebe wurde aber – leider für sie – nicht erwidert. Andererseits beherrschte Schaschlik die sechs Saiten meisterhaft. „Er hat mich überhaupt nicht gesehen“, klagt Gabriele Eick.

Doch das änderte sich bei einer Fahrt nach Antwerpen. Er spielte, und sie sang einfach mit. „Er sagte, was für eine tolle Stimme ich habe. Doch wahrgenommen hat er mich immer noch nicht. Aber meine Stimme.“ Immerhin etwas. „Und durch ihn bin ich zum Gitarre spielen gekommen.“ Und auch zum Singen. In einer Band, die immerhin einmal Pausenfüller von James Last war, verdiente sie als junges Mädchen ganz gutes Geld. „Als ich angefangen habe, zu arbeiten, habe ich die Musik und das Singen genutzt, um die Gruppendynamik zu fördern.“

Heute singt eher spontan. Dann greift sie zum Mikrofon und legt los. Sehr zur Freude aller Anwesenden. Für ihren Mann singt sie besonders gern und hat zu seinem 60. Geburtstag hat sie eine komplette CD aufgenommen – „Tides“ (Gezeiten) hat sie sie betitelt. Das passt, um das Auf und Ab des Lebens zu umschreiben. „Hinter seinem Rücken in einem Hamburger Studio habe ich heimlich alles eingespielt.“ In einem Studio, in dem anfangs der Aufnahmeleiter sich nicht mal umdrehte, um sie zu grüßen. Erst als er merkte, dass Gabriele Eick „wirklich“ singen konnte, begann eine tolle Zusammenarbeit mit ihm und zwei weiteren Musikern.

„Mittlerweile sind wir gut bekannt. Und wir machen eine zweite CD“, sagt Gabriele Eick, die aber nie hauptberuflich Musik machen wollte. „Singen und Musik war und ist immer eine große Entspannung und wichtig für mein Leben“, sagt die Geschäftsfrau, zu deren Lieblingsbeschäftigungen es gehört, mit ihrer 20-jährigen Enkelin im Cabrio zu fahren und laut zu aktuellen Hits zu singen. „Miteinander singen ist wunderbar und bereichernd, es bringt Nähe und verbindet auch Menschen, die nicht die gleiche Sprache sprechen, aber dieselben Lieder kennen und singen.

(es)

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