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Zum ersten Loveball kamen mehr als 900 Gäste: Dieser Ball setzt Maßstäbe

Ein Hingucker waren beim ersten Loveball die bemalten Loveboys. Bilder > Foto: Bernd Kammerer (.) Ein Hingucker waren beim ersten Loveball die bemalten Loveboys.
Frankfurt. 

Ein Jahr haben sie darauf hingearbeitet, Robert Mangold , geschäftsführender Gesellschafter der Palmengarten-Gastronomie, und Christian Setzepfandt vom Vorstand der Frankfurter Aids-Hilfe und am Wochenende war es dann soweit: Mehr als 900 Gäste strömten zur ersten Ausgabe des Loveballs in das Palmengarten Gesellschaftshaus, einer Benefiz-Veranstaltung zugunsten der Aids-Hilfe. Allerdings fehlten etliche, die sich sonst bei jeder Glanz-und-Glamour-Party zeigen. Und keiner vermisste sie. Dieser Ball setzte andere Maßstäbe. Kein gesetztes Essen, keine Flaniergäste. Speisen gab es an verschiedenen Stationen. Zu sich nehmen konnte man sie, wo man wollte. Ungezwungenheit auch was die Wahl der Kleidung betraf – jeder, der den Einheitspreis von 222 Euro gezahlt hat, durfte rein. Klar war aber auch, dass schick und schön überwogen.

Auch was das Programm anging, ging der Loveball, der nächstes Jahr am 2. Oktober wieder stattfinden soll, andere Wege als andere Großveranstaltungen dieses Kalibers. Ein wenig erinnerte es schon an ein Konzert mit mehreren Bands: Umbaupause, kurzer Soundcheck, Gedränge in den ersten Reihen, strenge Sicherheitsleute. Den Anfang machte die „Urban Club Band“, Frankfurts musikalische Weltenbummler, die aber donnerstags stets auf der Bühne der Zeildisco „Gibson“ stehen. Danach gab 80er-Jahre-Ikone Marian Gold mit seiner Band „Alphaville“ Vollgas. Und schließlich verzaubert das schwangere Goldkehlchen Sarah Connor selbst Kritiker. Kurz vor Beginn des zweiten Songs tippte sie einem der Sicherheitsmänner, die einen menschlichen Zaun vor der Bühne bildeten, auf die Schulter und sagte: „Wir sind hier nicht bei ,Tokio Hotel’, wir brauchen keine Security, hier kann jeder vor der Bühne stehen.“ Das wirkte. Nicht nur auf die Sicherheitsleute.

Die Loveball-Macher haben die Latte also hoch gelegt. „Das ist ein Maßstab für den Frühlingsball“, sagte Matthias Jenny, Chef des Palmengartens. Im kommenden Jahr geht diese Benefiz-Gala mit dem Titel „Frühlingsball“ zum vierten Mal über die Bühne. Zum ersten Mal unter einer neuen Ägide. Doch Jenny gab sich gelassen: „Unser Palmengarten steht für Vielfalt und der Loveball stellt für uns keine Konkurrenz, sondern eine Bereicherung dar“, so Jenny, der mit seinem Mann Josef Becker zum Ball kam. „Wir haben schon einige Freunde an diese Krankheit verloren“, erklärt Jenny, warum er den Loveball besucht.

„Es gibt in vielen Ebenen unserer Gesellschaft ein Zurückschwimmen zu alten Ansichten. Nicht nur die Zahl der Homophoben hat zugenommen“, findet Dezernentin Rosemarie Heilig . „Wir brauchen aber eine liberale und weltoffene Gesellschaft, deshalb ist dieser Loveball in Frankfurt, einer für alle Menschen offenen Stadt, genau richtig“, so Heilig, die an diesem Abend 60 Jahre alt wurde. Dafür gab’s von Robert Mangold und Christian Setzepfandt Schokoladenkuchen und Geburtstagsständchen. Da fiel auch Stefan Majer , Dezernent für Personal und Gesundheit, ein. „Wenn wir Aids jungen Menschen erklären wollen, dann müssen wir über unterschiedliche Lebensweisen sprechen, deshalb ist Akzeptanz der zentrale Begriff und das Gerede von Toleranz gehört ins 19. Jahrhundert.“

Vollkommen vom Loveball überzeugt zeigte sich Sebastian Weigle , Generalmusikdirektor der Oper. Der ist einiges gewohnt, was opulente Feiern angeht, ist er doch jährlich Teil der Operngala, bei der stets mehrere hunderttausend Euro zugunsten des Musentempels zusammenkommen. Apropos Geld: Beim Loveball kamen gerade mal gut 19 000 Euro für die Aidshilfe zusammen. Wenn es irgendwo noch Luft nach oben gibt, dann in Sachen Geld. Dennoch sind Mangold und Setzepfand zufrieden. Doch zurück zu Weigle. „Ich gehe am liebsten allein zu solchen Veranstaltungen.“ Das habe mehrere Gründe. Zum einen könne er sein eigenes Tempo bestimmen – „das bin ich als Dirigent an der Oper gewohnt“, scherzte der 55-Jährige. Zum anderen könne er neue Menschen kennenlernen. Weigle blieb auch nicht lange allein, sondern fand in Moderatorin Sonya Kraus eine Gesprächspartnerin. Nicht allein zum Loveball gekommen war Eintrachtspieler Marco Russ . Er hatte seine Frau Janina dabei. Aber die beiden sind kein Paar mehr: „Wir sind als Freunde hier, nicht als Ehepaar“, betont Russ, der sich von einer Chemotherapie erholt. „Mir geht es wieder so gut, dass ich bei solchen Veranstaltungen dabei sein kann“, sagt er. „Je mehr Prominente hier sind, desto besser ist es für den Ball. Denn Aids ist immer noch ein verpöntes Thema.“

(es)
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