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Stadtgeflüster: Ein Duo mit Biss und Humor

Jochen Busse und Billie Zöckler in die Kleinmarkthalle. Foto: BERNDKAMMERER@GMX.NET (Presse- und Wirtschaftsdienst) Jochen Busse und Billie Zöckler in die Kleinmarkthalle.

Hoch in die Kerze. Ganz langsam die Zehenspitzen hinter den Kopf und in dieser Haltung etwa eine Minute bleiben, dann über die Wirbel abrollen“, erklärt Schauspieler und Kabarett-Großmeister Jochen Busse eine anspruchsvolle Yoga-Übung, die er seit nun 36 Jahren regelmäßig praktiziert. Noch nie habe er unter Rückenschmerzen gelitten, sagt er: „Gut möglich, dass es am Yoga liegt. Die Beweglichkeit wird damit auf jeden Fall gefördert.“

Als er seinerzeit anfing, sei Yoga ein „Riesentrend“ gewesen, „eigentlich seit die Beatles in Indien waren“, erinnert sich der 77-Jährige. Seine damalige Frau, eine gebürtige Frankfurterin, brachte ihn auf den Geschmack, er nahm Unterricht und von da an gehörte der Yoga-Sport zu seinem Alltag, auch im Hotelzimmer. Die Beweglichkeit kommt dem Wahlberliner auf der Bühne zugute, besonders wenn er wie derzeit in der „Komödie“ in ein Hühnerkostüm schlüpfen muss, bodennahe Verrenkungen inklusive. An der Seite seiner Münchner Kollegin Billie Zöckler („Kir Royal“) verstrickt er sich im Stück „Der Pantoffel-Panther“ in ein skurriles Lügengespinst: Die Mafia hält ihn für einen Auftragskiller, dabei ist er ein kreuzbraver und bankrotter Schuhfabrikant, der sich heimlich mit absurden Jobs über Wasser hält.

Die Schauspieler ließen es sich dieser Tage nicht nehmen, die Innenstadt zu erkunden, so schlemmten sie am Schreiber-Stand in der Kleinmarkthalle eine heiße Wurst. Jochen Busse kennt Frankfurt seit den 60er Jahren, allein zwei Jahre spielte er in der „Schmiere“. Wo sie gehen und stehen, werden die beliebten Mimen erkannt und auch angesprochen. Im „Café am Liebfrauenberg“ spitzte man an den Nachbartischen die Ohren, andere Gäste grüßten.

„In München geschieht das noch häufiger, dass mich auf der Straße wildfremde Menschen wie alte Bekannte ansprechen“, erzählt Billie Zöckler, die durch ihre TV-Rolle in „Kir Royal“ als Sekretärin Edda im Büro von Klatschreporter „Baby Schimmerlos“ bekannt wurde. „Mittlerweile ist es in Ordnung für mich, immer wieder mit dieser Rolle von 1986 in Verbindung gebracht zu werden. Vielleicht steht auf meinem Grabstein: Edda ging dahin!“, scherzt sie und lässt ihr warmherziges Lachen hören.

Viel Theater hat die gelernte Cutterin in all den Jahren gespielt, und ist sie nicht auf Tour, fühlt sie sich im Münchner Stadtteil Schwabing wohl. Nicht weit von ihrer Wohnung liegt das Nordbad: „Das herrliche Warmwasserbecken dort ist wie eine Kneipe ohne Alkohol“, kichert sie. Ihr komödiantisches Talent darf die 68-Jährige mit der hohen Stimme im aktuellen Stück voll ausspielen. „Überall, wo wir damit auftraten, sagten viele, sie hätten im Theater noch nie so viel gelacht.“ Fragt man Jochen Busse, warum er sich in seinem Alter noch dem Tournee-Stress aussetzt, antwortet er: „Das Geld ist es nicht. Ich habe immer konservativ gewirtschaftet. Es macht mir einfach nach wie vor Spaß zu spielen.“ Wie sehr er die Ironie liebt, wird deutlich, als er über Delikates aus jungen Jahren spricht. „Ich war der erste ,nackte‘ Mann im deutschen Fernsehen, aber mit Unterhose wegen der strengen Zensur. Und im Sexfilm ,Die Jungfrauen von Bumshausen‘ von 1969 war ich immer angezogen!“ Bis 13. Mai gibt er in der Frankfurter Komödie den verrückten Vogel.

(fai)

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