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Stadtgeflüster: Ein Prinz fordert Hilfe für sein Land

„Die neue Völkerwanderung“ heißt das neue Buch von Prinz Asfa-Wossen Asserate, das er jetzt im Steigenberger Frankfurter Hof beim Autorengespräch vorstellte.
Der Buchautor Prinz Asfa-Wossen Asserate stellte im Frankfurter Hof sein neues Buch vor. Bernd Kammerer Foto: Bernd Kammerer (.) Der Buchautor Prinz Asfa-Wossen Asserate stellte im Frankfurter Hof sein neues Buch vor. Bernd Kammerer

Er stellt sich nobel und bescheiden vor. „Asfa-Wossen Asserate“, sagt er leise, haucht einen Handkuss der alten Schule und verbeugt sich dabei leicht. Titel nennt er keine. Er sagt nicht „Prinz“ und auch nicht „Doktor“, obwohl ihm beides zusteht. Stattdessen erzählt Prinz Asfa-Wossen Asserate (68): „Ich war einer der ersten Asylanten aus Äthiopien in Deutschland. Mit kurzer Unterbrechung lebe ich seit 1972 in Frankfurt. Frankfurt ist meine Heimat, Äthiopien mein Vaterland“, sagt er. Der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers, Haile Selassie, hat hier zu einem Aspekt der äthiopischen Geschichte zum Dr. phil. promoviert.

Längst ist er Unternehmensberater und Buchautor. Und er genießt in Fachkreisen den Ruf als einer der besten Kenner des afrikanischen Kontinents. „Die neue Völkerwanderung“ heißt sein neues Buch, über das Prinz Asfa-Wossen Asserate im Steigenberger Frankfurter Hof zum Autorengespräch lud.

Er rückt seine grüne Krawatte mit kleinen gelben Rauten zurecht und warnt. „Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten.“ Damit meint er die 65,3 Millionen Menschen, die auf der Flucht sind. „Vor drei Jahren war ich in Äthiopien. Was ich dort immer wieder sehe, ist sehr, sehr traurig.“ Wirtschaftlich sei einiges voran gegangen, „politisch aber überhaupt nichts.“ Von Anfang an habe er sich gegen ethnozentrische Politik gewehrt. „Eine sogenannte ethnische Bevölkerung ist nichts anderes als Apartheid und widerlicher Rassismus“, erklärt er wütend , und dass es in Afrika Reisepässe gäbe, in denen das Wort „Rasse“ ein eigenes Feld habe. Aus Europa fordert er „echte Real-Politik, nicht das Handeln wie in den letzten 25 Jahren.“

Wenn Export und Spenden nicht an die Bevölkerung gingen, sondern an totalitäre Diktaturen in Afrika, müsse man sich nicht wundern, wenn die Flüchtlingswelle niemals stoppe. „Zwei Billionen US-Dollar sind vom Westen nach Afrika geschickt worden, 1,6 Billionen Dollar sind wieder in Europa, auf Konten in der Schweiz und in Immobilien in Paris und London sowie in Schlössern an der Loire. Die Bevölkerung in Afrika leidet Hunger, trotz des Geldes, trotz der Bodenschätze.“ Äthiopien exportiere 100 000 Tonnen Weizen im Jahr. „Die Hungersnot in meiner Heimat bleibt.“

Prinz Asfa-Wossen Asserate weiß, wovon er spricht. „Ich war selbst Flüchtling, auch wenn ich nicht mit einem seeuntüchtigen Boot übers Mittelmeer schaukeln musste. Mein Vater wurde ermordet, meine Mutter und meine Geschwister in Sippenhaft genommen. Ich war sieben Jahre lang ausgebürgert und ohne Pass.“

Ohne eine grundlegende Änderung der Politik in Afrika würde Europa von Flüchtlingen überschwemmt. „Die europäische Politik muss sich gegen die Kolonialisierung Afrikas einsetzen. Gegen Gewaltherrschaft und für Entwicklungshilfe für die Bevölkerung, die Menschen dort.“ Israel sei ein gutes Beispiel, so Prinz Asfa-Wossen Asserate. „Dort wurde aus Wüste eine blühende Landschaft gemacht. Tropfenweise.“ In der Sahelzone habe es seit drei Jahren keinen Regen gegeben. „Die Menschen müssen flüchten.“

Er hoffe auf Rechtsstaatlichkeit, Rechtssicherheit und Gerechtigkeit und auf bedingungslose Entwicklungshilfe von Europa. „Mit Investitionen für die Bevölkerung, nicht für korrupte Regierungen.“ Der Prinz erinnert an Werte, an Gedankengut. Er verbeugt sich leicht und verabschiedet sich mit gehauchtem Handkuss.

(bi)
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