Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Stadtgeflüster: Ein Volkswirt, der auch schreibt

„Ich will die Menschen aufrütteln“, sagt der Frankfurter Autor Markus Krall über sein Buch „Der Draghi-Crash. Warum uns die entfesselte Geldpolitik in die finanzielle Katastrophe führt“.
Autor und Volkswirt Markus Krall posiert mit seinem Buch „Der Draghi-Crash“ vor der Zentrale der EZB in Frankfurt. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Autor und Volkswirt Markus Krall posiert mit seinem Buch „Der Draghi-Crash“ vor der Zentrale der EZB in Frankfurt.

Es ist ein Schreckensszenario, das Markus Krall in seinem Buch entwirft. Lange Schlangen vor Lebensmittelgeschäften, hungernde Kinder in den Straßen der europäischen Großstädte, Massenarbeitslosigkeit, Unzufriedenheit, Terror, Angst und Schrecken. Bilder, wie man sie von Fotografien aus dem Jahr 1929 kennt, als die Weltwirtschaftskrise herrschte.

Der Frankfurter Autor sagt das Ende der Welt oder zumindest das Ende Europas voraus, wie wir es bislang kennen. „Ich will die Menschen aufrütteln“, sagt Krall über sein Buch „Der Draghi-Crash. Warum uns die entfesselte Geldpolitik in die finanzielle Katastrophe führt“. „Ich glaube, dass einer Mehrheit der Menschen die Tragweite des Problems, das wir vor uns herschieben, nicht bewusst ist“, so der Frankfurter Finanzfachmann Markus Krall.

„Wenn dieses Bewusstsein nicht hergestellt wird, führt das zu Altersarmut und erheblichen Vermögensverlusten.“ Und das nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Mit der Folge: „Der Crash bedroht unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ich bange um die Gesellschaft, wie sie heute funktioniert.“

Kein gutes Haar lässt der Autor an Supermario – Chef der Europäischen Zentralbank (EZB): Mario Draghi. „Ich gehe mal davon aus, dass er von dem Buch gehört hat, aber ich kann nicht sagen, ob er es gelesen hat“, so Krall. Gemeldet habe sich Draghi jedenfalls noch nicht. „Allerdings hat Draghi eine Presse-Abteilung, die ihn informiert; er dürfte sich seine Meinung dazu schon gebildet haben. Welche das ist, kann ich aber nicht sagen.“

Auch die EZB kommt nicht gut weg in Kralls Buch. „Sie hat sich der Diskussion entzogen und hat sich der Arroganz der Macht hingegeben“, rügt der Autor, der auch schon mit dem Vorgängerbuch „Verzockte Freiheit: Wehrt euch! Politiker und Finanz-Eliten setzen unsere Zukunft aufs Spiel“ Wellen schlug. Doch noch sei es nicht zu spät, das Ruder herumzureißen. „Das könnte klappen, aber wie viel Zeit noch bleibt, das ist sehr schwer zu sagen, weil keiner voraussagen kann, wie die Märkte mit diesem Thema umgehen“, ordnet der promovierte Diplomvolkswirt das Geschehen ein, dessen Buch sehr polemisch und mit spitzer Feder geschrieben ist und der das Schreiben daran als „etwas Therapeutisches“ bezeichnete.

„Aber eins ist klar: Je später die Entladung eintritt, desto heftiger wird es.“ Eins sei allerdings auch klar: Viel Zeit bleibe nicht mehr. „Ich glaube, dass sich die nächste Regierung mit dem Thema auseinandersetzen muss.“ Trotz allem sollte man vorsichtig sein mit Extremprognosen. „Jedoch glaube ich, dass dieses ökonomische Problem auf jeden Fall das Zeug zur großen Bankenkrise hat, die wiederum eine große Depression auslösen kann.“ Deshalb sei es denkbar, dass es so wird wie vor fast 90 Jahren.

Krall, der schon am nächsten Buch schreibt, steckt aber nicht den Kopf in den Sand, hat einen Lösungsvorschlag parat. „Damit die europäischen Staaten eine solche Krise überwinden könnten, müssten sie zunächst selbst entschuldet werden – dafür müssten die Staaten aber Staatsvermögen verkaufen“, erklärt der Fachmann. Momentan sind sie selbst überschuldet. „Ich fürchte allerdings, dass es soweit nicht kommt, sondern die betroffenen Länder lieber ihre alte Währung wieder einführen, um dies zu vermeiden.“ Für Deutschland wäre das ein Desaster. In beiden Fällen. „Denn wir haben eine riesige Wette über mindestens 2000 Milliarden Euro abgeschlossen, dass der Euro bleibt.“ Das ist eine Zwei mit zwölf Nullen. Unvorstellbar viel Geld.

„Das Opfer ist der deutsche Sparer, der in jedem der beiden Fälle zur Kasse gebeten wird“, warnt Krall, der über mehr als ein Vierteljahrhundert Erfahrung in der Bank- und Versicherungswirtschaft mit Fokus auf Risikomanagement, Strategie und Digitalisierung verfügt. Trotzdem „habe ich keine Angst vor der Zukunft“, sagt der Vater von vier Kindern, der sich sorgt, in welcher Welt sie leben werden. „In jeder Krise steckt eine Chance“, sagt Krall, der sich als Herzenseuropäer sieht, und eine demokratische und keine bürokratische Verfassung für Europa wünscht.

(es)
Zur Startseite Mehr aus Stadtgeflüster

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse