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Stadtgeflüster: Ein antiker Krieger von Format

Schauspieler Max Simonischek hat seine Zelte in Frankfurt aufgeschlagen. Vom Westend aus fährt er zu seinen Engagements nach Stuttgart oder Wien. Foto: BERNDKAMMERER@GMX.NET (Presse- und Wirtschaftsdienst) Schauspieler Max Simonischek hat seine Zelte in Frankfurt aufgeschlagen. Vom Westend aus fährt er zu seinen Engagements nach Stuttgart oder Wien.

Der Krebbel hat viele Namen: „Das ist ja ein Pfannkuchen“, freut sich zum Beispiel Schauspieler Max Simonischek („Die göttliche Ordnung“) und beißt hinein. In seiner Wahlheimat Berlin heißt das Siedegebäck nun mal Pfannkuchen, „und Krapfen in Österreich“, erzählt der 35-Jährige mit österreichischem und schweizerischem Pass. Ab Freitag, 9. Februar, steht er als siegreicher Feldherr Amphitryon im gleichnamigen Klassiker von Heinrich von Kleist auf der Bühne des Schauspiels Frankfurt. Die Statur für einen antiken Krieger hat er mit seinen 1,92 Meter, und die Komödie in Versdichtung ist ganz nach seinem Geschmack. Ausflüge in die Historie unternahm er bereits bei großen Fernsehproduktionen wie „Hindenburg“ und „Gotthard“, und in der ZDF-Krimi-Reihe „München Laim“ kennt man ihn als Ermittler, der nichts anbrennen lässt.

„Was man mit Sprache machen kann, fasziniert mich. In Frankfurt ist die Zusammenarbeit außerordentlich bereichernd, genauso wie man es sich wünscht“, berichtet er von den Proben unter dem preisgekrönten Regisseur Andreas Kriegenburg . Das Lustspiel parodiert den falschen Schein: Gott Jupiter, der Schürzenjäger aus dem Olymp, verwandelt sich in die Gestalt Amphitryons und verführt dessen Frau. Als der Ehemann heimkehrt ist die Verwirrung perfekt. Keine Doppelrolle, wie sonst diese Figur inszeniert wird. „Mein Kollege und ich haben aber beschlossen, das gleiche Parfüm zu tragen, um für Patrycia Ziolkowska in der Rolle der Gattin Alkmene zumindest auf dieser Sinnesebene identisch zu sein“, verrät Simonischek. Seinen Text lernt er unkonventionell aus einem zerfledderten Reclam-Heftchen, darin unzählige handschriftliche Kommentare. „Das ist so handlich für die Tasche. Doch das Heft zu verlieren, wäre bei den Proben schlimmer, als das Handy nicht mehr zu finden“, weiß er. Jeder finde eben seinen eigenen Weg zum Lernen.

Reibungen findet er wichtig: „Die Bühne ist für mich ein Ort, um in Konflikte gehen zu dürfen, viel mehr als im Privaten. Man darf sich bekämpfen und keiner ist einem böse. Ein gutes Ventil“, beschreibt der Waage-Geborene seine Arbeit. Im Westend hat sich der Schauspieler ein Zuhause auf Zeit eingerichtet, von dem aus er auch zu Auftritten an Bühnen in Stuttgart und Wien reist.

Das Nomadenleben des Berufs kennt er seit Kindesbeinen an, seine Eltern sind ebenfalls erfolgreiche Schauspieler. Vater Peter Simonischek spielte eine Hauptrolle im Oscar-nominierten Film „Toni Erdmann“. Der Gefeierte kehrte aus Los Angeles zwar ohne Trophäe zurück, aber mit einer Schwiegertochter. Max Simonischek heiratete die Verlobte: „Wir hörten, wie unkompliziert das Heiraten in Amerika sei und entschlossen uns spontan zum Ringtausch.“ Zuvor hatte er offiziell beim Brautvater um die Hand angehalten. „Eine schöne Geste, überhaupt nicht altmodisch“, findet er. Viel mehr Privates ist ihm nicht zu entlocken, da hat er seine Prinzipien.

Noch in diesem Jahr steht für ihn eine weitere Hauptrolle in einem Kinofilm an, in „Zwingli – der Reformator“ wird er den sittenstrengen und lustfeindlichen Priester darstellen, gedreht wird ab Frühjahr in der Schweiz. Und Hollywood? „Warum nicht, ich bin bereit, wenn ein Angebot kommt. Vermutlich würde man mich als Bösewicht besetzen. Doch je größer die Abgründe der Figur, desto besser.“

(fai)

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