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Stadtgeflüster: Ein ausgezeichneter Abenteurer: Arved Fuchs

Arved Fuchs freut sich über die Auszeichnung. Nicht, weil er eitel ist, sondern weil auf diese Weise sein Anliegen Beachtung in der Öffentlichkeit findet. Bilder > Foto: BERNDKAMMERER@GMX.NET (Presse- und Wirtschaftsdienst) Arved Fuchs freut sich über die Auszeichnung. Nicht, weil er eitel ist, sondern weil auf diese Weise sein Anliegen Beachtung in der Öffentlichkeit findet.

Durch seine Expeditionen ist Polarforscher Arved Fuchs bekannt geworden. Jetzt hat der Abenteurer in Frankfurt den NatureLife-Umweltpreis erhalten. Der Präsident der Umweltstiftung, Claus-Peter Hutter, würdigte die Leistung von Fuchs, der seit mehr als 25 Jahren die Menschen wachrüttele und mit seinen Expeditionen, Fernsehdokumentationen und Buchveröffentlichungen sowie Vorträgen auf den Klimawandel und die damit verbundenen Gefahren für Mensch und Natur aufmerksam mache. Mit der Auszeichnung werde ein außergewöhnliches Lebenswerk im Schnittfeld von Wissenschaft, Abenteuer und Publizistik gewürdigt. Bei der nächsten Senckenberg-Nacht ist der 64 Jahre alte Fuchs einer der Stargäste. Wir haben uns mit ihm über sein Leben als Abenteurer unterhalten.

Was möchten Sie unbedingt noch machen?

FUCHS: Ganz viele Dinge. Dieses Jahr geht es wieder in die Arktis. Wir wollen Lösungsmöglichkeiten gegen den Klimawandel suchen. Wir wollen nicht, dass die Menschen in Depressionen verfallen, sondern wir möchten Positives vermitteln. Klar, wir haben ein Problem, aber es gibt pfiffige Lösungsansätze.

Und was war die gefährlichste Situation, die Sie erlebt haben?

FUCHS: So denke ich nicht. Ich frage mich nicht, was das Schönste oder das Gefährlichste war. Es gibt bei jeder Expedition immer wieder kritische Momente. Aber ich suche nicht die Gefahr. Allerdings stellt sie sich manchmal mit ein. Doch die Kunst des Expeditionsreisens besteht darin, gesund wieder nach Hause zu kommen.

Wovor haben Sie Angst?

ARVED FUCHS: Ohne die Angst geht es nicht. Ich habe keine Angst vor einem Projekt, aber es können natürlich Situationen auftreten, in denen man durchaus Angst hat. Man muss aber lernen, damit umzugehen und darf nicht in Panik geraten. Das wäre kontraproduktiv. Aber die Angst hilft auch, bestimmte Situationen zu überwinden.

Was bedeutet Ihnen eigentlich diese Auszeichnung?

FUCHS: Ich freue mich, dass die Arbeit, die ich schon so lange mache, wahrgenommen und honoriert wird. Das bedeutet mir viel. Den Preis nehme ich allerdings stellvertretend für das ganze Team entgegen.

Warum sind Ihnen Preise wichtig?

FUCHS: Weil dadurch das, was man tut, öffentlich wahrgenommen wird. In diesem Fall dafür, dass ich mich für die Umwelt engagiere, was mein zentrales Anliegen ist. Es geht nicht darum, dass ich mir eine Urkunde an die Wand hängen darf, sondern dass das Programmatische nach draußen getragen wird und als Multiplikationsfaktor wirkt.

Jetzt stehen Sie in einer Reihe mit Preisträgern wie der amerikanischen Schauspielerin Stefanie Powers oder Reinhold Messner. Ist es wichtig, wer diesen Preis neben Ihnen erhalten hat?

FUCHS: Man reiht sich da schon ein in eine Gruppe von Menschen, die etwas bewegt haben. Das sind Persönlichkeiten, die für etwas stehen, die etwas bewirkt haben und eine spannende Biografie haben. Ich muss aber auch sagen, dass das, was viele Menschen leisten, die nicht in der Öffentlichkeit stehen und die nicht einen so großen Namen haben, ebenso bemerkenswert ist.

Klimawandel und die damit verbundenen Gefahren für Mensch und Natur, darauf weisen Sie hin. Wie optimistisch blicken Sie in die Zukunft?

FUCHS: Ich könnte solche Expeditionen nicht machen, wenn ich von Haus aus kein Optimist wäre. Ich glaube, wir können es schaffen. Es muss nur endlich der politische und gesellschaftliche Wille dahinterstehen. Wenn ich dächte, es wäre eine Donquichotterie, dann könnte ich meine Energie für etwas anderes verwenden. Aber Tatsache ist, dass im Moment zu wenig passiert. Doch ich gebe nicht auf. Fatalismus ist meine Sache nie gewesen. Ich bin ein Kämpfer für die Sache.

Ist es denn wirklich noch möglich, den Klimawandel aufzuhalten?

FUCHS: Wissenschaftler geben mir recht und sagen, wenn der Wille da wäre, dann könnte es klappen. Die technischen Gegebenheiten wären vorhanden, um diesen Umkehrkurs einzuschlagen.

Was haben Ihre Reisen in Ihnen bewirkt ?

FUCHS: Zunächst war da die große Sehnsucht nach der Natur und dem Leben draußen in mir. Damit meine ich nicht den Garten hinterm Haus oder den Stadtpark, sondern das Große Ganze, denn ohne Natur kommen wir nicht zurecht. Zuerst war sie für mich der große Abenteuerspielplatz, aber ich habe mich durch die Expeditionen zu einem sehr guten Beobachter entwickelt und bin enorm sensibel geworden, was Veränderungen in der Natur angeht. Ich sehe mich ein wenig in der Pflicht des Chronisten, der auch die unangenehmen Dinge anspricht.

War von Kindheit an klar, dass Sie Abenteurer werden wollten – was haben Ihre Eltern gesagt?

FUCHS: Sie haben das gefördert. Sie gehörten zur Kriegsgeneration, die um ihre Jugend betrogen wurde. Deshalb haben meine Geschwister und ich immer ein offenes Ohr gefunden, wenn wir reisen und über den persönlichen Tellerrand blicken wollten.

Wenn ein junger Mensch zu Ihnen käme, eine ähnliche Lebensrichtung wie die Ihre einschlagen wollte – was würden Sie ihm raten?

FUCHS: Ich würde sagen, dass er einen langen Atem braucht und mit seinen Aufgaben wachsen muss. Und er muss ehrlich mit seinen eigenen Ressourcen umgehen. Das musste ich auch lernen. Aber ohne das geht es nicht. Ein Spektakel zu inszenieren, davon würde ich jedem abraten. Man kann nicht gleich zu Fuß durch die Wüste Gobi laufen, sondern man muss Erfahrungen sammeln. Und die kommen nicht von heute auf morgen.

Warum sind Ihre Reisen und Expeditionen für die Gesellschaft relevant?

FUCHS: Nicht wirklich viele Menschen finden Zugang zu den Regionen, in die ich komme. Deshalb sehe ich mich als Stellvertreter. Auf der anderen Seite arbeiten wir mit Wissenschaftlern zusammen – ich selbst bin keiner, sondern eher ein Projektleiter.

Wie kriegen Sie das Geld für ihre Expeditionen zusammen?

FUCHS: Viele Crew-Mitglieder kommen ehrenamtlich mit. Das ginge finanziell nicht anders. Es gibt aber auch Angestellte. Fakt ist, dass wir das Geld erwirtschaften müssen und auch keine öffentlichen Fördermittel bekommen. Das wollte ich auch nicht. Die Summen kommen über Publikationen, über Vortragsreihen, über Dokumentationen und über Sponsoren zusammen, die zu uns passen.

Wie viel kostet eine solche Expedition?

FUCHS: Da sind wir ganz schnell bei einem sechsstelligen Bereich.

Ist Ihre Frau bei den Expeditionen immer dabei?

FUCHS: Sie ist viel dabei, aber weil sie selbstständige Architektin ist, hat sich auch andere Verpflichtungen. Sie ist aber bei jedem Projekt dabei, wenn auch vielleicht nicht die ganze Zeit.

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