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Stadtgeflüster: Ein großer Künstler kehrt zurück

Eine Geburtstagstorte mit Kerze für Hermann Nitsch, der lange Jahre am Städel unterrichtete. Für einen Tag kam er jetzt zurück nach Frankfurt. Foto: BERNDKAMMERER@GMX.NET (Presse- und Wirtschaftsdienst) Eine Geburtstagstorte mit Kerze für Hermann Nitsch, der lange Jahre am Städel unterrichtete. Für einen Tag kam er jetzt zurück nach Frankfurt.

Geburtstagskindern vor dem Wiegenfeste zu gratulieren – das bringt bekanntlich Unglück. Vielleicht hat sich Mirek Macke , Chef des Kunstvereins Familie Montez, deshalb gedacht, dass er gleich eine ganz große Sause für einen der ganz Großen feiert. Deshalb lud der Städelschüler seinen ehemaligen Städellehrer, den österreichischen Maler und Aktionskünstler Hermann Nitsch , in die Räume unter der Honsellbrücke ein und ließ ihn dort gemeinsam mit anderen ehemaligen Eleven, Gästen und Performance-Künstlern hochleben.

14 Jahre, von 1989 bis 2003, unterrichtete Nitsch in der Mainmetropole. Und der Jubilar, der erst am 29. August seinen runden Geburtstag feiert, freute sich sichtlich über Andrang und Anteilnahme an diesem Feste seitens der Ex-Schüler. Manche mögen glauben, dass es ihm peinlich berühre, wenn er gelobt werde. Das Gegenteil sei der Fall: „Ich habe es unheimlich gern, wenn man mir schmeichelt“, so der Aktionskünstler, der mit seinem Orgien-Mysterien-Theater bekannt wurde.

Der 79-Jährige, der mit seiner Frau Rita Nitsch aus Berlin in die Mainmetropole gefahren war, sitzt in der Ausstellungshalle auf einem Sessel, der wirkt, als sei er ein Thron, als er das sagt. Er wird umringt von seinen Schülern. Später nimmt er im anderen Raum an einer Tafel Platz – vor ihm ein Geburtstagskuchen von der Frankfurter Künstlerin Ilka Hindriks .

„Wir haben die Einladung angenommen, weil Mirek ein guter Freund von uns ist und weil mein Mann nach langer Zeit seine Schüler mal wiedersehen wollte“, sagt Rita Nitsch.

Als Künstler habe Hermann Nitsch auch immer gern gelehrt. „Ich habe es mit sehr viel Freude gemacht. Ich habe viele gute Schüler gehabt, die sich selbstständig weiterentwickelt haben“, sagte er. „Ich möchte keine Namen nennen, aber ich bin sehr stolz auf meine Schüler“, fasste der Gefeierte seine Gefühle in Worte und fügte hinzu: „Ich bin ihnen sehr dankbar, dass ich sie lehren durfte.“

Die Feier ging unter dem Motto „Performance-Residency Montez 2018“ über die Bühne und der Kunstverein Familie Montez zeigt anlässlich der Ausstellung von Hermann Nitschs Lebenswerk eine neue Generation an Performancekünstlern aus den verschiedensten Teilen der Welt. Zu ihnen zählt Carlos Martiel aus Havanna, der aber in New York lebt. Er zeigte eine Aufführung, bei der er nackt auf einer Landkarte Europas stand, die mit sogenannten Homeless-Spikes (Obdachlosenstacheln), dem Pendant zu den Tauben-Spikes, gespickt war. Sie sollen verhindern, dass Menschen ohne Wohnsitz sich zum Schlafen niederlassen können. „Ich möchte damit auf die dramatische Situation der Geflüchteten in Europa aufmerksam machen“, schilderte Martiel seine Intention hinter seiner Aufführung, die er auch schon in New York zeigte – damals mit Homeless-Spikes auf der US-Landkarte.

(es)

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