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Ein lauter Abschied

Berührte viele während seiner achtjährigen Intendanz und zeigte sich bei seinem Abschied vom Schauspiel im Schauspiel selbst berührt: Oliver Reese. Bilder > Foto: Bernd Kammerer (.) Berührte viele während seiner achtjährigen Intendanz und zeigte sich bei seinem Abschied vom Schauspiel im Schauspiel selbst berührt: Oliver Reese.

Ich weiß ja, dass er gut ist, aber dass er so gut ist, das habe ich nicht erwartet.“ So eine Aussage gilt per se schon als Kompliment. Wenn das die eigene Mutter über einen sagt, dann kann man sich etwas darauf einbilden. Gesagt hat das Ingrid Reese . Sie ist die Mutter des nun ehemaligen Schauspielintendanten Oliver Reese . Und der feierte seinen Abschied groß im Schauspiel. Nach acht Jahren Intendanz hieß es: „One Song for the Road“ – so viel wie ein Lied mit auf den Weg, also das musikalische Wegbier für Reese. Das Schauspiel Frankfurt sagte seinem Chef mit einer Show mit den Sternstunden der Theatermusikgeschichte laut Good Bye. Es war ein Potpourri der Höhepunkte von 255 Produktionen. Das haute nicht nur Ingrid Reese und ihren Mann Wolfgang vom Hocker. „Es ist einfach unglaublich, was hier geboten wurde“, sagte Mama Ingrid. „Wir wollten ursprünglich gar nicht herkommen. Jetzt sind wir aber sehr froh, dass wir hier waren“, verriet eine sichtlich gerührte Mutter. Oliver Reese, das war, folgt man der überschwänglichen Abschiedsrede des ehemaligen Kulturdezernenten Felix Semmelroth , ein Pfundskerl und eine sehr gute „Investition“ für die Stadt. Nicht nur seine eigene, siebenjährige Zusammenarbeit mit ihm sei „die angenehmste“ gewesen, sagte Semmelroth. Nein, Reese habe „das Schauspiel und das Sprechtheater vorangebracht. Und zwar so sehr, wie wir es nicht erwartet haben“. Petra Roth stellte Reese damals ein und erinnerte sich noch, wie Semmelroth ihn anpries. „Oliver Reese war selbstbewusst und erfüllt von seiner Idee“, erinnert sich das ehemalige Stadtoberhaupt. „Er war auch froh darüber, dass die Stadt offen für seine Vorstellungen war.“ Auch die Kasse klingelte in den vergangenen acht Jahren ganz ordentlich. Laut Statistik war das Schauspiel zu 88 Prozent ausgelastet, die Abo-Zahlen stiegen gar um 175 Prozent.

„Das alles hat er geschafft, ohne künstlerische Kompromisse einzugehen“, lobte Semmelroth und fügte hinzu, dass Reese das Theater „weit nach außen geöffnet“ und Stadttheater par excellence gemacht habe. Er sei „zu einem großen Regisseur geworden“. „Es waren die tollsten acht Jahre, die ich im Theater je erlebt habe – die Berliner können sich freuen“, sagte Semmelroth und spielt damit auf das kommende Engagement Reeses in der Bundeshauptstadt an.

Der ist ebenfalls sichtlich gerührt, bedankt sich bei seinen Schauspielern, dem Publikum, „das mich vom ersten Moment an mehr als angenommen hat“, und – natürlich – beim Schauspiel und seinen „irre guten Mitarbeitern“.

Adieu sagte Semmelroth dann mit einem Lied Rio Reisers und Dutzende von Kehlen singen mit, als es heißt „Es ist vorbei, bye, bye, Junimond, es ist vorbei, es ist vorbei, bye, bye, doch jetzt tut’s nicht mehr weh.“

Es folgten minutenlange stehende Ovationen und dann die treffende Einschätzung von Matthias Wagner K , Leiter des Museums Angewandte Kunst: „Schwer zu ersetzen.“ Später fügte er hinzu: „Er wird Berlin zeigen, was gutes Theater ist.“

Einer wird Reese wohl nach Berlin folgen. Und das ist Jurist, Journalist und Moderator Michel Friedman , der im Schauspiel die Reihe „Im Gespräch mit Michel Friedman“ hatte und sie auch in Berlin fortführen möchte. „Oliver Reese und ich sind befreundet und ich bewundere seine Leidenschaft und Kreativität“, sagt Friedman. „Er ist ein Ermöglicher und kämpft dafür, dass andere ihre Visionen verwirklichen können“, so Friedman, der damit auf seine 42 ausverkauften Folgen der Reihe anspielte. „Im Spaße haben wir immer gesagt, dass ich seine Cash-Cow war.“ Also sozusagen sein Goldesel. Journalist Gert Scobel schätzt Reese, weil er „super sympathisch und kreativ ist und viel Herz hat“.

(es)
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