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„Engel von Mogadischu“ flog zur Landshut

Opfer des Geiseldramas: Gabriele von Lutzau. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Opfer des Geiseldramas: Gabriele von Lutzau.

Als wir ins Innere kamen, war es heiß und stickig. Dieser erste Moment fuhr mir in den Magen“, schildert Bildhauerin Gabriele von Lutzau (62) ihre Begegnung mit der Lufthansa-Maschine „Landshut“ vierzig Jahre nach deren Entführung durch ein palästinesisches Terrorkommando. Gabriele Dillmann, wie sie damals noch hieß, war als Flugbegleiterin an Bord der „Landshut“. Während des fast fünftägigen Geiseldramas stellte die junge Frau für die Passagiere eine wichtige Stütze dar, weshalb man sie nach der Befreiung als „Engel von Mogadischu“ feierte.

Mit ihrer Tochter Felicitas, ebenfalls Künstlerin, flog sie in die brasilianische Küstenstadt Fortaleza, wo das wohl berühmteste Flugzeug der deutschen Geschichte seit Jahren flugunfähig vor sich hin rottet. „Die Maschine wiederzusehen, war ein unglaublich gutes, euphorisches Gefühl. Diese Begegnung war sehr wichtig für mich“, sagt von Lutzau und gibt zu, das alte Flugzeug dankbar gestreichelt zu haben.

Mittlerweile steht fest, dass die Maschine, auch mit der Unterstützung der Bundesregierung, zurück nach Deutschland kommt und im Luft- und Raumfahrtmuseum der Dornier-Stiftung in Friedrichshafen am Bodensee einen dauerhaften Platz findet. „Es heißt, man könne sie in Brasilien innerhalb von drei Tagen abbauen und die Teile mit einer Antonow-Transportmaschine holen“, erklärt von Lutzau.

Eines will die Künstlerin nicht am neuen Standort, „die Präsentation sollte man mit möglichst wenig Pathos gestalten. Das Flugzeug ist ein Sinnbild für den Widerstand gegen Terror, für die Nichterpressbarkeit des Staates. Genau das ist seine Aufgabe.“ In Brasilien kletterte Gabriele von Lutzau auf einen der verrosteten Flügel und „genoss das Gefühl der Freiheit, ganz wie damals“. Das Drama hat ihren Blick fürs Wesentliche geschärft: „Wenn man einmal dem Tod von der Schippe gesprungen ist, ist man jeden Tag dankbar. Bei mir ist das Glas halbvoll, ich denke positiv.“

Grund zur Freude hat die Künstlerin zurzeit auch über eine Ausstellung ihrer meterhohen, mit Kettensäge und Flammenwerfer bearbeiteten Holzskulpturen in der Stadtkirche von Bayreuth. „Die Resonanz der Besucher ist enorm positiv.“ Ihr großes Thema ist auch dort die Freiheit.

(fai)
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