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Stadtgeflüster: Er macht Frauen zu Männerverstehern

Der Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Jan Henrik Stahlberg posiert auf dem Balkon vom Deutschen Filmmuseum. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Der Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Jan Henrik Stahlberg posiert auf dem Balkon vom Deutschen Filmmuseum.

Provokant, schlüpfrig, traurig und komisch zugleich ist der Film „Fikkefuchs“, der in den Harmonie-Kinos in Sachsenhausen läuft. Im Filmmuseum gab es zwei ausverkaufte Vorstellungen. Mit dabei: Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Jan Henrik Stahlberg .

Er lebt in Bonn und mag Frankfurt. „Früher bin ich oft ins Waldstadion zur Eintracht gegangen, auch wenn ich BVB-Fan bin“, erinnert er sich. „Jetzt besuche ich hier meine Schwester.“

Privat ist der 47-Jährige schlank, gepflegt, glatt rasiert, hat volles Haar und Lachfalten um die Augen. Im Film dagegen ist er ein einsamer, sexuell frustrierter ungepflegter Mann namens Rocky in der Midlife-Crisis, der seinem aus der Psychiatrie ausgebüchsten Sohn Torben (Franz Rogowski ) die Kunst des Anmachens beibringen will – dieses Thema behandelt „Fikkefuchs“ gnadenlos ehrlich, satirisch überspitzt, voller schwarzem Humor und politisch inkorrekt. Frauen im Publikum ertappen sich dabei, Männerversteher zu werden. Männer sind erleichtert, dass über ihre sexuellen Nöte gesprochen wird.

„Vater und Sohn sind irgendwie Honks, aber auch Honks haben eine warme Seite“, sagt Stahlberg lachend. „Honk“ ist ein Begriff aus der Jugendsprache für eine Person von mangelnder Intelligenz. Der Regisseur nimmt seine Halskrause ab. „Während der zehntägigen Tour durch 20 Kinos in zwölf Städten hat er sich einen Nerv eingeklemmt. Vor Publikum nimmt er die Halskrause ab. „Eitel bin ich durchaus“, meint er.

Über Gefühle könne er sprechen, „aber nicht über Probleme, die ich nicht lösen kann. Bei Konflikten mauere ich, frage meine Freundin, was ich jetzt schon wieder falsch gemacht habe“, räumt er ein.

Sein 15-jähriger Sohn habe die Premiere in Berlin besucht und gesagt: „Ich wusste immer, dass du peinlich bist, aber meine Kumpels werden den Film feiern.“

Stahlbergs Humor ist schwarz, „Fikkefuchs“ polarisiert. Die einen lachen, den anderen bleibt das Lachen im Hals stecken. „Es ist auch schon mal vorgekommen, dass ein paar Leute das Kino verlassen haben. Aber nicht viele“, sagt Stahlberg und grinst. „Die Hauptsache ist doch, dass die Leute miteinander reden.“

Zum Thema des Films sagt er, er selbst fühle sich armselig, wenn er Pornos schaue. Dennoch hätten Sexseiten im Internet mehr Klicks als alle anderen Seiten, sinniert er ein bisschen melancholisch.

Auf jeden Fall sorgt er für Aufsehen. Freunde aus ganz Deutschland sind da, um ihn in Frankfurt zu treffen, umarmen ihn, klopfen ihm auf die Schulter. Auch seine Schwester Sonja Schlüter ist darunter, die mittlerweile seit knapp 14 Jahren in Frankfurt wohnt. Sie ist stolz auf ihren Bruder. „Ich habe den Film mehrmals gesehen und entdecke immer wieder Neues.“

Stahlberg ist mit „Fikkefuchs“ an die Grenzen gegangen. „Über Crowdfunding zum großen Teil finanziert, an meine eigenen und an die des Teams.“ 120 000 Euro habe die Produktion des 104-Minuten-Films gekostet, mehr als 70 000 Euro kamen über Spenden zustande.

Die #metoo-Bewegung, in der sich Frauen seit dem Fall Harvey Weinstein über Belästigungen beschweren, empfindet er als Segen und Fluch zugleich. „Den Film haben wir viel früher gemacht, da gab es #metoo noch lange nicht.“ Der Fluch sei, dass manches im Film nun überkritisch gesehen werde. Ein Segen sei dagegen, dass auch aufgrund dieser Bewegung sehr viel über „Fikkefuchs“ gesprochen werde. „Sogar die Tagesthemen haben berichtet“, erzählt der Regisseur und Schauspieler staunend.

(bi)

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