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Er macht die Kanzlerin zur Sau

Künstler Frank Hoppmann Bilder > Foto: Bernd Kammerer (.) Künstler Frank Hoppmann

Wer von Karikaturist Frank Hoppmann gezeichnet wird, muss starke Nerven und ein gesundes Selbstbewusstsein besitzen, denn der Emsländer kennt kein Pardon. Gesichter wie ranzige Mettbrötchen, krötengleich aufgeblasen und mit gelben Gesteinsbrocken statt Zähnen. Dennoch erkennt man sofort die Gezeichneten, darunter Polit-Größen wie Angela Merkel und Volker Bouffier , auch berühmte Musiker und Schauspieler. Mit der Ausstellung „Animalism“ hat sich das Caricatura Museum ein herbes Panoptikum ins Haus geholt, das schon bei seiner gestrigen Eröffnung bewies – „gnadenlose Erbarmungslosigkeit“ in der Darstellung einer Person sind bei Frank Hoppmann, der namhafte Zeitungen beliefert und Mitarbeiter des „Rolling Stone-Magazins“ ist, keine leeren Worte.

Der Künstler hatte außerdem Kleinobjekte nach Frankfurt mitgebracht, tote Stubenfliegen in Schneekugeln schwimmend etwa. „Fliegen zu zeichnen macht Spaß, die Tiere fand ich schon als Kind auf dem Land toll“, scherzte er, die schwarze Kappe tief über das lange Haar gezogen. Oder war es doch kein Scherz? Bei einem mehrmonatigen Stipendium habe er sein Refugium in einem Schloss mit unendlich vielen „flugmüden“ Brummern vorgefunden. „Irgendwie gut. Die haben mich beim Zeichnen beobachtet, und ich sie.“ Locker plauderte der 42-Jährige über Biografisches, halb Schelm, halb einer, dem nichts Menschliches fremd ist.

„Spirituosenliebhaberei hat viele Gesichter“, titelte er seine Diplomarbeit im Grafikdesign-Studium, ein morbider Auftakt seines Schaffens. Auf Porträts und hunderten Skizzen versammelte der Student die Folgen von Sucht und Geld-Zersplitterung. Eigens hatte er sich ein Zimmer in einer üblen Gegend genommen, um tief ins Kneipenmilieu einzutauchen. Nicht jeder konnte damals über seinen radikalen Humor, die düstere Hardcore-Attitüde lachen, erzählte er: „Die Uni-Professoren fanden meine Landschaften mit kotzenden Fröschen nicht so gut.“

Schweine mag er auch. Die kreuzt er in seinen Bildern im Orwell’schen Sinne mit Menschen, und umgekehrt. Nicht wenige Gäste standen kopfschüttelnd, aber doch fasziniert vor den großformatigen Zeichnungen und Aquarellen, die Kurator Thomas Kronenberg , zweiter Mann neben Caricatura-Chef Achim Frenz , ausgesucht hatte. Die Schau ist kein Rosengarten: rotgeäderte Säufernasen, schwärende Pickel und dazwischen der Sensenmann mit Hasenzähnen und zwei Löffeln im kahlen Schädel. Hoppmanns Joschka Fischer sieht in dieser Reihe einer feisten Seerobbe ähnlich, halslos und doch mit Denkerbrille.

Obwohl schon lange etabliert, machte den Zeichner erst ein Porträt von Donald Trump international bekannt. Der US-Präsident kommt darauf als eine Mischung aus Uhu und aufgeplatztem Sofakissen davon. „In Deutschland wollte keiner die Zeichnung kaufen, die Los Angeles Times dagegen schon“, schilderte Hoppmann den Hype um das skurrile Konterfei. „In der amerikanischen Wahlnacht hatte ich eine Magen-Darm-Grippe, wie das passte“, meinte der Künstler trocken.

Das Karikieren begann er in der Schule, piesackte damit unliebsame Lehrer. Später jobbte er in Münster als Gerichtszeichner: „Ich staunte damals, wie viele Axtmörder es in dieser Region gibt, ist eben dort sehr ländlich.“

(fai)
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